"Wer nicht kämpft, hat schon verloren", sagte die Burgkunstadter Bürgermeisterin Christine Frieß bei der Unterschriftenübergabe zum Einspruch der Einwohner Main­kleins gegen die geplante Schließung des Bahnübergangs "Mainklein-West".

Es hatte schon etwas Eigenartiges, ja fast schon Skurriles an sich, dass sich bei Schmuddelwetter über 40 Mainkleiner "Aktivisten" eingefunden hatten, um ihren Unmut zu den Planungen der Deutschen Bahn (DB) kundzutun und dagegen anzugehen. Auf Plakaten und Bannern stand zu lesen: "Erst renovieren dann kastrieren", "Kein Mödlareuth in Mainklein" oder "Die Bahn verspricht baldiges Verkehrschaos". Die Sprüche zeigten schon im Ansatz, wo den Bürgern der Schuh drückt. Die DB Netze AG plant, den Bahnübergang Mainklein-West zu schließen und hat dazu ein Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet. Wie problematisch die Situation ist, hatte sich schon bei der wochenlangen Schließung wegen der sogenannten "Technischen Ertüchtigung" gezeigt, wo beide Mainkleiner Bahnübergänge gesperrt waren. "Es wurde über unseren Köpfen entschieden, und wir bekamen erst drei Tage vorher darüber Bescheid", ereiferte sich Friseurmeisterin Ulrike Marr. "Manche Kunden konnten uns nur über Feld- oder Radwege erreichen, andere kamen überhaupt nicht mehr", sagte sie.

Ausweichweg im Hochwassergebiet

Der Vorschlag der Bahn, den Wirtschaftsweg von Mainklein nach Theisau zu benutzen, erteilte die Mainkleiner Stadträtin Ingrid Kohles eine klare Absage. Dies sei schon aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Dieser Weg befinde sich im Hochwassergebiet und außerdem sei er für größere Fahrzeuge mit Anhänger sowie Schulbusse oder Milchauto zu eng und zu schmal.

Ingrid Kohles hatte mit den Einwohnern Mainkleins ein Widerspruchsschreiben mit Unterschriftenliste verfasst, das Gegenstand in der nächsten Stadtratssitzung sein wird, wo der Antrag zum Planfeststellungsverfahren ein Tagesordnungspunkt sein wird. Es gibt für die Einwohner viele Gründe, den Bahnübergang beizubehalten, die nicht in den Argumenten der Bahn berücksichtigt sind. So sind die Zufahrt für Betriebsfahrten der Stadt Burgkunstadt, die den Bahnübergang bei der regelmäßigen Pflege der Anlagen um den Spielplatz nutzt, nicht bedacht worden. Ebenso ist es bei den verkehrstechnischen Möglichkeiten eines neu angesiedelten Baggerbetriebes. Wenn der Schulbus durch die Schließung im beengten Ort wenden muss, erhöht das die Gefahr für die Radfahrer deutlich, die vom Radweg kommend durch Mainklein fahren. Dabei ergibt sich auch eine Gefährdung für die Kinder und Fußgänger, die in Richtung Spielplatz unterwegs sind. Außerdem sei es laut Straßenverkehrsordnung nötig, dass beim Wenden und Rückwärtsfahren ein Einweiser zugegen sein muss. Dies gelte auch für Milchlaster, die täglich bei den innerörtlichen Landwirten Milch abholen, sagte Kohles. Hier gäbe es schon Schwierigkeiten, um richtig in die Höfe einfahren zu können. Das könnte vermieden werden, wenn der Fahrer weiterhin aus Richtung Burgkunstadt die Milchabholstellen anfahren könne. Auch seien die Landwirte auf die Zulieferung von Futtermitteln u.Ä. angewiesen. Hinzukomme noch, dass das Gros der Ackerflächen in Richtung Burgkunstadt liegt. Vor allem wenn die Silos mit Gras oder Mais gefüllt werden, seien es unzählige Fahrten, die durch Mainklein führten, wenn der Bahnübergang geschlossen wird. Dies sei nicht nur verkehrstechnisch unmöglich, weil die Landwirte dann bei einer Umfahrung des Ortes die B 289 benutzen müssten, sondern stelle ein Gefahr im Ort dar. Ein weiteres wesentliches Manko bei einer Schließung sei der Brandschutz. Bei der engen Lage der Häuser und Höfe wäre es unmöglich für Feuerwehren, mit großen Löschfahrzeugen den Brandherd aus nur einer Richtung anzufahren. Dies habe sich schon bei Löschübungen mit der Stützpunktwehr Burgkunstadt eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Total abgeschnitten

Ein weiteres Thema wäre der Hochwasserschutz. Beim letzten großen Hochwasser im Jahr 2006 stand das Dorf vom Häckergrundbach ausgehend so hoch unter Wasser, dass die Aktiven der freiwilligen Feuerwehr das in der Weidenburg gelegene Feuerwehrhaus nur über den Bahnübergang West erreichen konnten. Bei einer Schließung des Bahnübergangs hätte dies zur Folge, dass der Kernort total abgeschnitten wäre.

Das nächste Problem wäre, dass die Mainkleiner Gastwirtschaft, die von Einheimischen und Radfahrern stark frequentiert wird, nur noch schwer zu erreichen sei. Wer als Fußgänger von hier ins Dorf gelangen will, müsse dann entweder entlang der B 289 laufen oder einen unbefestigten und unbeleuchteten Naturpfad benutzen.