Leserbrief zum Beitrag von Robert Herrmann im Fränkischen Tag (Bürgerwaldkörperschaft wertet Windradpläne als Antwort auf Herausforderungen der Zeit) vom Mittwoch, 25. Mai (Seite 11):

Herr Herrmann listet in seinem Beitrag Argumente auf, die der Überprüfung bedürfen.
Erstens: Es gibt noch lange keine großtechnischen Stromspeicher, die zu vertretbaren Kosten verfügbar wären - bisher alles nur Projekte und Ideen, bestenfalls im Frühstadium der Erprobung. Ohne Speicher destabilisiert jedes weitere Windrad das Stromnetz nur noch mehr, was bald in eine kritische Phase führt.
Windräder sind aufgrund der extrem schwankenden Stromeinspeisung zur Strom-Versorgung in einem Stromverbundnetz ungeeignet. Es muss immer der gesamte Strombedarf durch konventionelle Reservekraftwerke vorgehalten werden, da permanente Ausgleichsregelung nötig ist.
Und dies führt - zweitens - dazu, dass der Kohlendioxid-Ausstoß durch weitere Windräder steigt, statt abzunehmen. Kohlendioxid-Ausstoß durch Stromerzeugung, 2000: 340 Megatonnen (bei 9400 Windrädern); 2013: 367 Megatonnen (bei 24 000 Windrädern!) Quelle: Bundeswirtschaftsministerium.
Drittens: Das ganze Szenario findet auf Kosten der Allgemeinheit (Stromverbraucher) statt und trifft die sozial Schwachen am meisten. Anzahl der Haushalte, denen zumindest zeitweise der Strom abgeklemmt wurde, 2012: ca. 320 000; 2013: ca. 345 000; 2014: ca. 352 000. Quelle: Bundesnetzagentur.
Tendenz weiter steigend - nächstes Jahr erhöht sich die EEG-Umlage voraussichtlich weiter. Sie belastet einen durchschnittlichen Haushalt bereits mit 200 bis 300 Euro im Jahr.
Viertens: Die Frage nach den Alternativen. Man sollte sich besser auf die wesentlichen Bereiche des Energieverbrauchs konzentrieren (zum Beispiel Heizen - hier sollten wir mehr in Solarthermie und entsprechende Speicher investieren und forschen). Stromerzeugung ist ein ideologisch aufgeladener Nebenkriegsschauplatz.
Die Einwohner von Kirchlauter und Buch haben sich eindeutig gegen diese Windradpläne ausgesprochen. Ihre berechtigten Sorgen will man ignorieren, die Windräder sollen zulasten der Betroffenen gegen deren Willen durchgesetzt werden. Für den Profit einiger weniger (der darüber hinaus äußerst unsicher ist) will man diese sinnlose, schädliche Naturzerstörung durchdrücken? Die Aussage von Herrn Herrmann: "Die Bürgerwaldkörperschaft ist dazu bereit" verwundert nicht - bei einer Pacht von 20 000 bis 30 000 Euro pro Windrad.

Peter Finzel
Ebern