Es ist das unrühmliche Ende einer über viele Jahre erfolgreichen Zusammenarbeit: Nach dem 1:2 der SpVgg Jahn Forchheim bei der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach in der Fußball-Landesliga-Nordwest hat sich der Verein mit sofortiger Wirkung von seinem Trainer Michael Hutzler getrennt, dabei aber gegenüber der Öffentlichkeit ein recht dilettantisches Bild abgegeben: Die Meldung zur Trennung ist nahezu deckungsgleich mit der Bekanntgabe von Bayer 04 Leverkusen, sich von Trainer Roger Schmidt zu trennen (siehe Kommentar und Infokasten). Hutzler wurde die Nachricht am Sonntag telefonisch übermittelt.
Ab sofort ist Christian Springer für die Mannschaft verantwortlich, er hätte das Amt eigentlich erst zur kommenden Saison übernehmen sollen. Für Hutzler sie die vorzeitige Demission enttäuschend gewesen. "Der Verein war aufgrund der beiden Ergebnisse der Meinung, dass ich ab sofort freigestellt bin. Ich wusste zwar, dass es schwerer wird für mich, nachdem bekannt wurde, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Wir hatten aber eine klasse Vorbereitung mit guten Ergebnissen und ich dachte, dass die Mannschaft bereit sei für die Rückrunde. Der 2:2-Ausgleich gegen Kleinrinderfeld in der 90. Minute war sicherlich ein kleiner Rückschlag, der Todesstoß für mich war aber wohl die Niederlage vom Samstag. Für mich kommt die Trennung überraschend, weil ich gerne den Weg weiter mit der Mannschaft gegangen wäre und ich mir sicher bin, dass wir unser Ziel erreicht hätten. Wir sind ja immer noch Tabellenzweiter", sagte ein sichtlich gefrusteter Hutzler.
Schlechte Worte über seinen Ex-Verein will der Übungsleiter aber nicht verlieren. "Ich hatte hier sechseinhalb Jahre eine tolle Zeit und habe mit Sportvorstand Uwe Schüttinger ein richtig gutes Verhältnis, deswegen sage ich nichts Negatives, auch wenn ich natürlich schon frustriert bin, dass ich jetzt aufhören muss."
Für den neuen Trainer kam die Entscheidung ebenfalls überraschend. "Ich habe damit nicht gerechnet", sagt Ex-Profi Christian Springer und verweist auf seine Termine am Dienstagabend oder auf die fehlenden Trainingsutensilien, die er sich erst noch kaufen wollte. "Ich habe dem Verein gesagt, dass ich zur Verfügung stehe, wenn er der Meinung ist, dass etwas geändert werden soll. Aber jetzt hat mich die Entscheidung schon überrascht."


Spielfrei am Wochenende

Wo seine neue Mannschaft im Moment steht, kann der 45-Jährige noch gar nicht genau sagen. Das Heimspiel gegen Kleinrinderfeld sah sich der neue Cheftrainer an, bei der Niederlage gegen Schwebenried war Springer aber nicht vor Ort.
Der Jahn ist am Wochenende spielfrei, so dass Springer etwas länger Zeit hat, seine neuen Spieler kennenzulernen. "Wir werden jetzt die Woche durchtrainieren, damit ich die Spieler kennenlernen kann und die Spieler mich - dazu gehört auch meine Art und Weise, wie ich Fußball spielen lassen will. Da passt mir das spielfreie Wochenende natürlich gut."


Unter Springer defensiver?

Dennis Weiler wird bleibt spielender Co-Trainer. Die Spielweise seiner Mannschaft will der neue Trainer an seine Zeit bei Greuther Fürth anlehnen. "Aktives Verteidigen, wie wir es mit Janos Radoki (Anm. d. Red.: damals U19-Coach, jetzt Cheftrainer) in Fürth gemacht haben", verrät Springer, der im Gegensatz zu Hutzler wohl defensiver spielen lassen wird. Die Arbeit seines Vorgängers will er im Endeffekt aber fortsetzen.
"Das schnelle Umschaltspiel ist das, was den Jahn unter Michael Hutzler ausgezeichnet hat, das gehört natürlich dazu. Ansonsten ist Kontrolle ein Begriff, mit dem ich sehr gerne arbeite", schiebt Springer nach. Zunächst will der neue Trainer wieder Siege einfahren und sich vor allem nicht vom schlechten Start nach der Pause unter Druck setzen lassen. "Wir wollen den zweiten Rang sichern. Vom ersten Platz brauchen wir erst einmal nicht mehr zu reden."
Sein erstes Spiel als Jahn-Chefcoach wird Springer in zwei Wochen bei Schlusslicht FC Eintracht Bamberg haben. BB