von unserem Redaktionsmitglied 
JOsef Hofbauer

Ebermannstadt — Er habe ursprünglich gar keine Bürgerinitiative gründen wollen, beteuert Hubert Herbst, bis Mai Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat Ebermannstadt. "Da dieses Gremium in seiner neuen Zusammensetzung das Thema Umgehungsstraße und die vom Straßenbauamt Bamberg vorgestellte Tunnel-Lösung sehr zurückhaltend diskutiert hat, wollte ich wissen, was die Bürger darüber denken", erklärt Herbst.
Obwohl die Flugblätter, mit dem die Ebermannstadter zu einem Treffen im Gasthaus Post eingeladen wurden, ursprünglich nur an Anwohner der Forchheimer und der Breitenbacher Straße verteilt worden waren, kamen die Besucher aus dem Bereich Debert ebenso wie aus dem Dießbrunnen. "Ein Zeichen, dass das Thema Verkehr den Bürgern auf den Nägeln brennt", findet Stefan Minderlein, einer der zwei stellvertretenden Sprecher der Bürgerinitiative. "Wir wollen, dass die Umgehung von Ebermannstadt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Das ist unser vorrangiges Ziel", unterstreicht die Schriftführerin Sigi Hübschmann. Sie kritisiert, dass der Stadtrat bei der sich abzeichnenden Lösung "nicht einmal einen Fuß in diese Tür stellt, sondern die Tür von vorneherein wieder zumacht".

Bürger sind ungeduldig

Unmut rief bei den Bürgern der Forchheimer und der Breitenbacher Straße ein Brief von Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) hervor, in dem wörtlich steht, "dass uns die Tunnelidee nicht von konkreten Maßnahmen ablenken darf, die kurz- und mittelfristig eine Verbesserung der Verkehrssituation in unserer Stadt bringen". Solche Maßnahmen seien Teil eines "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes" (Isek), das demnächst in Auftrag gegeben werden soll.
Den Mitgliedern der Bürgerinitiative dauert das alles zu lange. Keinesfalls dürfe die Frist für die Aufnahme des Lösungvorschlages Umgehungs-Tunnel in den Bundesverkehrswegeplan versäumt werden, unterstreicht Hubert Herbst, für den es keine Alternative zu dem "genialen Plan des Straßenbauamtes" gibt.
"Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit dieser Thematik. Jahrelang haben wir auf ein solches Weihnachtsgeschenk wie die von Uwe Zeuschel vorgestellte Umgehung gewartet. Und nun, da uns die Fachbehörde endlich die Ideallösung präsentiert hat, soll sie uns wieder genommen werden? Das kann so nicht sein. Wir müssen alles tun, dass die Tunnel-Lösung kommt", bekräftigt Hubert Herbst.
Erst wenn der Durchgangsverkehr deutlich verringert werden könne, ergäben auch städtebauliche Maßnahmen Sinn, findet Stefan Minderlein (FW). Schallschutzfenster machten die Forchheimer Straße nicht attraktiver. Und um den Aufenthaltscharakter zu stärken, ließen sich die 17 000 Autos pro Tag auf der B 470 (davon allein mehr als 10 000 Autos Durchgangsverkehr) nicht wegdiskutieren. Deshalb biete es sich unbedingt an, die Pläne des Straßenbauamtes Bamberg mit einer Untertunnelung von Feuerstein und Schottenberg zu unterstützen. Denn dadurch werde das Verkehrsaufkommen mehr als halbiert, ergänzt Hubert Herbst.
Er verweist darauf, dass Bürger aus dem Debert diese Lösung ebenso favorisiertens wie Anwohner des Dießbrunnens und aus der Altstadt. Ein Tunnel bringe optimale Verbesserungen für die Forchheimer, Breitenbacher und Eschlipper Talstraße hinsichtlich Verkehrsaufkommen, Sicherheit für Fußgänger, Verkehrslärm, Schwerlastverkehr und Wohnqualität, sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative einig. Eine Umgehung führe zu einer Wiederbelebung des Ortsteiles Breitenbach und wahre die wirtschaftlichen Interessen der Stadt, die dadurch an Aufenthaltscharakter gewinnen würde.

Politiker ins Boot holen

Nun gelte es, die Politiker für die Umgehung mit Tunnel-Lösung zu begeistern und mit ins Boot zu holen, sagt Hubert Herbst. Den Anfang macht die CSU am Sonntag, 2. November, um 19 Uhr im Gasthof "Sonne 29", wenn MdL Michael Hofmann (CSU) mit Parteifreunden und Bürgern über die Verkehrssituation in Ebermannstadt diskutiert. Hubert Herbst denkt darüber hinaus an Plakat-Aktionen, Info-Stände und Diskussionsabende.
Die Bürgermeisterin Christiane Meyer ist weniger euphorisch. Das Thema Verkehr sei eine der größten Herausforderungen, und ein Tunnel würde den größten Eingriff in der Geschichte der Stadt bedeuten. Deshalb müsse eine solche Entscheidung wohlüberlegt sein.

Ergebnisse können einfließen

"Aber ich habe volles Verständnis für die Anwohner. Ich kann auch nachvollziehen, dass sie voll Ungeduld darauf warten, dass etwas passiert", erklärt Meyer, die ihre Aufgabe darin sieht, zusammen mit den Bürgern und den Fachbehörden eine Verkehrslösung auf den Weg zu bringen. Und sie beruhigt die Ebermannstadter: Die Isek-Untersuchungen würden so rechtzeitig durchgeführt, dass die Ergebnisse in die Entscheidung pro oder contra Umgehung einfließen können.