Für einen Wanderzirkus gibt es wohl kaum etwas, das so schlimm ist wie nicht weiterziehen zu können. So geht es dem "Circus Henry" seit März dieses Jahres. Ein Gastspiel sollte es werden, das nach ein paar Tagen zu Ende gewesen wäre, als das Zelt auf dem Gelände an der Paschendaelestraße aufgebaut wurde. Dann kam Corona. Der Zirkus durfte nicht gehen, aber auch keine Vorstellungen geben. Und noch immer sitzt die Zirkusfamilie fest, muss den Winter überstehen und auf das Frühjahr hoffen.

Futter für die rund 40 Tiere, Essen für rund 20 Personen und vor allem die fixen Kosten - all das ist schwer zu stemmen, wenn keine Möglichkeit besteht, Einnahmen zu haben. Das erforderte auch schon harte Maßnahmen, wie Zirkusdirektor Georg Frank berichtet. Gestrandet war der seit weit mehr als 100 Jahren existierende Zirkus mit 50 Tieren. "Im Sommer blieb uns dann nichts übrig. Wir mussten Tiere verkaufen", sagt er traurig. Alle saßen zusammen und berieten, welche Tiere entbehrt werden konnten, ohne das Programm zu gefährden. Es traf einige dressierte Esel, Ponys und Ziegen. Keine leichte Entscheidung für Georg Frank.

Der Erlös und finanzielle Unterstützung von Verwandten machten es dann möglich, die Halbjahresrate für die Versicherungen zu bezahlen. "Als wir dann im Sommer auftreten durften, haben wir Geld eingespielt, damit konnte ich gleich meine Schulden bei den Verwandten bezahlen", sagt Georg Frank. Jetzt blickt er nicht ohne Sorgen auf den Januar. Da werden wieder Versicherungsbeiträge fällig.

Bei aller Not ist er froh, dass er ausgerechnet hier gestrandet ist. "Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden, dafür sind wir sehr dankbar", sagt er immer wieder. Und oft fällt das Wort "Pfundskerl". Mal gilt es Dörfles-Esbachs Bürgermeister Udo Döhler, mal seinem Stellvertreter Stephan Valtin oder Rödentals Bürgermeister Marco Steiner. Vor allem aber auch Rainer Mayerbacher von der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Coburg. "Er hat uns die Gebäude für das Winterquartier zur Verfügung gestellt, damit die Tiere gut unterkommen, das ist alles praktisch ideal", ist Georg Frank erleichtert. Die Suche nach einem Platz für die Pferde, Kamele oder Ziegen war für ihn das große Problem vor dem Winter. Jetzt sind die Pferde in einem alten Kasernengebäude untergebracht, das sogar mal ein echter Stall gewesen sein könnte, wie die Ringe in den Wänden vermuten lassen. Die Kamele stehen in einer ehemaligen Garage. "Da haben sie es luftig und kühl, so wie es sein soll. Und für die Pferde haben wir direkt vor der Tür einen Platz, wo wir sie bewegen und mit ihnen trainieren können", sagt Georg Frank. Denn rasten heißt rosten und Mensch und Tier im "Circus Henry" sollen im Frühjahr fit sein für den ersten Auftritt, den es geben soll, sobald es wieder geht. Inzwischen sind die Zirkusleute froh über jede Spende, sei es als Futter oder finanziell. Aber auch für jeden Landwirt, der den Mist der Pferde und Kamele abholt, ist Georg Frank dankbar.

Es klemmt am Geld

Fragt man ihn, was gebraucht wird, so spricht er zuerst von seinen Tieren. Möhren, Pferdemischfutter, Hafer oder Heu sind willkommen und natürlich Hundefutter. Stroh wird nicht gebraucht. "Das macht zu viel Mist. Wir streuen mit Sägespänen ein", erklärt Georg Frank. Über Geld spricht er nicht. Trotzdem wird mehr als deutlich, dass es das ist, was am dringendsten gebraucht wird, wenn der Zirkus im Januar seine Versicherungsbeiträge bezahlen muss.

Denn noch mehr Tiere können nicht verkauft werden, wenn das Programm für eine Vorstellung von zwei Stunden weiter funktionieren soll. Ein Programm, auf das Georg Frank sehr stolz ist. So wie auf seine Familie, zu der auch seine neun Kinder zählen. Und bei allen Sorgen, die ihn umtreiben, wirkt er voller Zuversicht. All die Jahre hat er mit dem "Circus Henry" alle Schwierigkeiten gemeistert. Da wird er es doch wohl auch diesmal schaffen.