Heike Beudert Münnerstadts junger, neuer Bürgermeister Michael Kastl hat sich viel vorgenommen für die Altstadt. Häuser, in denen keine Menschenseele mehr lebt, sind ihm ein Dorn im Auge. Und davon gibt es mittlerweile in der Innenstadt einige. Und das muss sich nach Ansicht Kastls ändern. Sein Ziel: "Wir müssen das Gefühl schaffen, dass sich die Investition lohnt." Arno Reuscher, Vorsitzender des Gewerbevereins Kaufhaus Mürscht, sagt, Wohnen in der Innenstadt sei für die Geschäftswelt existenziell. Reuscher betreibt in der Innenstadt ein Haushalts- und Eisenwarengeschäft und hofft, dass bald Taten folgen und die Visionen umgesetzt werden.

Der Bürgermeister hat dazu eine klare strategische Vorstellung: Auf der einen Seite soll der Stadtrat die weiteren Voraussetzungen schaffen, dass es für Eigentümer und auch für Investoren interessant wird, ihr Haus zu sanieren oder in die Innenstadt zu investieren. Das soll dazu führen, dass der Immobilienwert in der Innenstadt wieder steigt. Denn Kastl ist überzeugt, dass einer Investition weitere folgen. Es gebe ja bereits Beispiele dafür auch in der Innenstadt und auf den Stadtteilen.

Noch im Herbst wird sich der Stadtrat deshalb mit dem Thema Altstadt befassen. Unter anderem muss das städtebauliche Entwicklungskonzept fortgeschrieben werden. Für Kastl gehört dazu, dass sich der Stadtrat Gedanken macht, wie die Altstadt einmal aussehen soll. Darauf basierend würden über einen langen Zeitraum Stück für Stück städtische Investitionen folgen, beispielsweise die Sanierung des Marktplatzes oder der Hauptstraße.

Weichen werden jetzt gestellt

Gleichzeitig soll der Stadtrat in den nächsten Wochen die Weichen stellen, damit die Fördermöglichkeiten für Bauherren noch besser ausgelotet und transparenter werden. Zuschüsse für private Investitionen in der Altstadt sind ein wichtiger Pfeiler. Damit dieser gefestigt werden kann, braucht Michael Kastl den ganzen Stadtrat. Er zeigt sich sehr positiv, dass dies gelingt. "Man schätzt den Wert der Altstadt", sagt der Bürgermeister.

Die Stadt braucht dazu die Investitions- oder auch Verkaufsbereitschaft der Immobilienbesitzer. Deshalb hat Michael Kastl schon kurz nach seinem Amtsantritt im Mai viele Eigentümer von Leerständen angeschrieben. Erste Rückmeldungen hat er mittlerweile bekommen. Er möchte wissen, was die Eigentümer mit ihrem Objekten vorhaben. Das soll im direkten Gespräch bei einer Tasse Kaffee in ungezwungener Atmosphäre stattfinden. "Leerstand ist Chefsache", sagt Kastl. Darum kümmert er sich persönlich. Er möchte Meinungen und Interessenbekundungen sammeln und mit den Betroffenen diskutieren, was für sie in Frage kommt. Einbinden will der Bürgermeister die Bürgergenossenschaft. Und er erhofft sich von jungen Münnerstädter Impulse, wie sie sich eine Innenstadtbelebung vorstellen können. Kooperation zur Innenentwicklung gibt es bereits mit dem Verein "Kaufhaus Mürscht". Verein und Stadt arbeiten an einem digitalen Schaufenster mit allen gewerblichen und touristischen Angeboten. "Da sind wir auf einem guten Weg", sagt Arno Reuscher. Man müsse das städtische Angebot komprimiert auf einer Seite auch im Internet finden.

Reuscher hört gerne von den weiteren Plänen, fordert aber auch, dass sichtbar gehandelt wird. Die Stadt müsse endlich festlegen, wie sie konkret auch bei der Gestaltung und Möblierung der Straßen vorgehen will. So müssten attraktive Achsen von Gymnasium und BBZ zur Innenstadt geschaffen werden. Je mehr Menschen sich in der Stadt bewegen, desto besser sei das für die Geschäftswelt. Am besten wäre, sagt Michael Kastl, dass sich wieder ein Supermarkt in der Innenstadt ansiedelt. Er weiß, dass das schwierig ist, aber es wäre eine Herzensangelegenheit.

Wunsch: Supermarkt in der Stadt

Es geht also um die Zukunft der historischen Altstadt. Doch der Erhalt eines jeden alten einzelnen Gebäudes ist für den Bürgermeister kein festgeschriebenes Credo. Er schließt nicht aus, dass man auch über Abrisse sprechen sollte.

In der Riemenschneiderstraße gegenüber dem Marktplatz Nord reihen sich mehrere Leerstände aneinander, verfallen immer mehr. Es ist eine schwierige Lage. Man müsse beispielsweise darüber nachdenken, was hier geschehen kann. Selbst Strukturen mit Parkflächen und Grünanlagen statt geschlossener Häuserreihen schließt Kastl an so einer Stelle nicht komplett aus. Kastl vertraut hier auch auf gute Ideen von Seiten der Sanierungsbeauftragten, um auszuloten, wie der Grat zwischen Historie und Moderne beschritten werden kann. Vielleicht seien auch radikale Schritte nötig, um aufzuzeigen, dass die Stadtentwicklung über die Sanierung hinausgehen kann, überlegt Kastl.

Lohnend, aber mühsam

Innenstadtentwicklung mit hohen Fördermöglichkeiten heißt aber auch, dass in Münnerstadt weiterhin keine neuen, großen Baugebiete ausgewiesen werden können, weil sonst die Fördermöglichkeiten für die Altstadt verloren gingen. Michael Kastl weiß um den Konflikt, denn gerade für junge Leute ist das Haus im Grünen oft erstrebenswerter als Wohnraum in der Altstadt. Allerdings glaubt Kastl, dass Münnerstadt mit seiner Innenstadtpolitik Vorreiter für einen Trend werden kann, der sich bereits abzeichnet. Nachhaltigkeit und Ökologie werden Vorrang zur Neuversiegelung haben. Diese Entwicklung werde Münnerstadt in die Karten spielen, ist er sicher. Trotzdem gibt er sich realistisch genug, um zu sagen: "Wir brauchen einen langen Atem. Innenentwicklung ist lohnenswert, aber sie ist sehr schwere Kost."