Alexander Wolz zeigte Hintergründe des Beitritts Coburgs zu Bayern vor 100 Jahren.
Hochschulstandort, Landestheater, Sambafestival - Coburg gehört zu den das Frankenland und somit Bayern prägenden Städten. Auf eine spannende Reise in eine Zeit, die für die Vestestadt eine neue Ära einleitete, nahm Alexander Wolz die Zuhörer im CHW-Vortrag mit im Stadtmuseum beim Vortrag "Liebesheirat oder Zweckecke - der Beitritt Coburgs an Bayern vor 100 Jahren". Mehr als 50 Zuhörer wollten darüber mehr erfahren. Dem Referenten ist als Leiter des dortigen Staatsarchivs die geschichtliche Entwicklung Coburgs bestens vertraut.
Schon das Jahr 1918 mit der Ausrufung des Freistaats Bayern hatte einschneidende Wirkung auf Coburg und die Region. Der letzte regierende Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Carl Eduard, musste zurücktreten, das Herzogtum erlosch und es entstanden zwei Freistaaten Sachsen-Gotha und Coburg.
Gotha wurde im weiteren Verlauf thüringisch, und das wäre auch bei Coburg keine Überraschung gewesen im Verbund mit benachbarten Kleinstaaten. Jedenfalls bedingte das Ende der Monarchie, dass der Freistaat Coburg wieder eine stabile Staatsgewalt benötigte und allein auf sich gestellt wohl nicht überlebensfähig sein würde.
Die Coburger hatten auch gute Beziehungen zu Preußen, etliche Coburger sympathisierten mit einem Beitritt: Doch Preußen erstickte diese Option durch eine Absage im Keim.
Historisch betrachtet waren es gleich eine Reihe von Gedankengängen, Bestrebungen und Faktoren, die schließlich in den Beitritt Coburgs zu Bayern mündeten. Zum einen äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Kurt Eisner schon frühzeitig sehr wohlwollend in dieser Richtung. Zudem war Preußen nicht bereit, seine auf thüringischem Terrain liegenden Gebiete zur Verfügung zu stellen.
Der Freistaat Coburg vertrat die Auffassung, dass Thüringen ohne die preußischen Teile nicht überlebensfähig sei. Auch einflussreiche Personen im Coburger Land sprachen sich für die immer stärker in den Fokus rückende bayerische Beitrittsoption aus, so etwa der Fabrikant Max Oskar Arnold.
Einen bedeutenden Schritt stellten die Gespräche im Sommer 1919 in Bamberg über die neu zu bildende Verfassung des Freistaats Bayern, der auch eine Coburger Delegation beiwohnte. Nach wenigen zur Beitrittsfrage gehaltenen Verhandlungsrunden akzeptierte die bayerische Regierung die vom Freistaat Coburg als Maßgabe für einen Beitritt zu Bayern geforderten Gegenleistungen und Besitzstandgarantien, in der Historie als "Bamberger Stipulationen" bezeichnet.