Unter- nehmen und Betriebe leiden unter den dramatischen Folgen der Corona-Krise. Betroffen sind auch Reisebüros und Busunternehmen - nicht nur in Deutschland.

Monika Mäx vom TUI Reisecenter in Höchstadt berichtet: "Jede unserer drei Filialen ist betroffen. Ob großes oder kleines Reisebüro - es sei jetzt ein Miteinander in der Branche nötig." Jedes Reisebüro kämpfe mit den gleichen Problemen. "Viele Reisebüros vermuten, dass sie jetzt schon insolvent sind", sagt Mäx. Einen Überblick über das wahre Ausmaß habe derzeit aber niemand. "Für unser Team steht aktuell der direkte Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund. Hierzu gehört eine riesige Anzahl von verunsicherten Kunden, deren Urlaubsreise vor der Tür steht. Aber eben auch eine große Anzahl derer, die aktuell im Ausland und ebenfalls stark verunsichert sind", fährt Mäx fort. "Aufgeteilt zwischen Notdiensten und Homeoffice geben unsere Mädels aktuell alles, um allen Fragen gerecht zu werden."

Das sei alles Serviceleistung ohne Verdienst, sondern ganz im Gegenteil, "unsere Unternehmen müssen die Provisionen, welche schon für getane Arbeit geflossen sind, zurückzahlen". Denn bei Stornierungen seitens des Veranstalters gebe es keine Provision. Viel Geld werde zurückgefordert und neue Buchungen kämen im Moment nicht zustande.

Was diese Stornierungen für ihr Reisebüro bedeuten, verdeutlicht Mäx so: "Das wäre bei anderen Branchen so, wie wenn in der Boutique, im Schuhladen oder im Supermarkt der Kunde die Sachen vom letzten halben Jahr zurückbringt, und das Unternehmen muss das Geld komplett an den Kunden zurückzahlen. Deshalb hat kein Reisebüro im Moment einen tatsächlichen finanziellen Überblick, da noch nicht absehbar ist, wie lange die Stornowelle anhält." Mäx ist voll des Lobes für ihr Team, das "trotz Kurzarbeit und den vielen traurigen Reiseabsagen vollen Einsatz zeigt".

Sie seien jetzt sehr optimistisch und planen Gruppenreisen für Herbst. "Am vergangenen Montag wären wir mit 15 Leuten nach Kuba geflogen. Die Reise war vom Veranstalter noch nicht abgesagt und die Entscheidung lag bei uns, was für uns sehr schwer war. Aber jetzt sind wir und unsere Kunden dankbar dafür, dass wir diese Reise aus eigener Verantwortung abgesagt haben", betont die Reisebüro-Chefin.

Vorzeichen ignoriert

Die Reisebüros hätten es schon lange vorher zu spüren bekommen. Leider habe das niemand erwähnt. Nach der Krise könne es auch sein, dass sogar manche Fluggesellschaften nicht mehr existieren. Das heiße, der Markt werde erst einmal eng, bis alles wieder anläuft: "Aber die Regierung hat uns ja große Hilfe versprochen, und die Reisebranche hat schon viele Krisen und Pleiten überstanden."

Auch Hilferufe von Internetbuchern, die im Ausland nicht mehr weiterkommen oder für ihre Reise in den nächsten Tagen niemanden ans Telefon bekommen, erreichen die lokalen Reisebüros.

Die große Hoffnung trotz der ganzen Krise sei, "dass sich die Leute vielleicht danach, wenn es aufwärts geht, wieder an ihre regionalen Händler und Dienstleister - wie uns Reisebüros - erinnern und den Mehrwert eines vertrauensvollen Ansprechpartners wieder schätzen."

Ben Schneider vom Reisebüro Auszeit Hemhofen meint: "Ja, die Situation in den Reisebüros ist katastrophal. Diese Krise wird zeigen, wer am Ende noch da bleibt." Wer die Rede von Carsten Spohr auf der Bilanzpressekonferenz der Lufthansa gehört habe, wisse, "wie dramatisch es um die gesamte Tourismusbranche steht". Momentan storniere beispielsweise TUI alle Abreisen bis zum 30. April.

Sabine Barry, deutsche Reisekauffrau aus Killarney in Irland, die für den Freundeskreis Castlebar Gruppenreisen bestens organisiert hat - wie die für Ende April geplante und nun um ein Jahr verschobene Reise - schreibt, dass sie aufgrund des Corona-Virus täglich Stornierungen, Buchungsanfragen und E-Mails von besorgten Kunden erreichen: "Bei uns als Irlandreiseveranstalter ist die Saison sehr kurz, denn Reisen werden nur von April bis Mitte Oktober gebucht. Die fixen Kosten wie Gehälter, Hostinggebühren, Miete, Strom bleiben jeden Monat gleich, egal wie viele Reisen wir verkaufen." Barry hat 1,5 Mitarbeiter. "Eine Mitarbeiterin musste ich ausstellen. Die Ganztagskraft arbeitet nun Kurzarbeit." Barry hofft sehr, dass sie sich für das Soforthilfeprogramm des Staats qualifiziert (jeder, der aufgrund des Virus seinen Job verloren hat, erhält in Irland sechs Wochen lang 203 Euro pro Woche). "Ich als Unternehmer kann mir in den nächsten Monaten kein Gehalt zahlen, werde aber auch für sechs Wochen vom Staat unterstützt. Ohne den finanziellen Beitrag meines Mannes könnte ich nicht weiterarbeiten", betont Barry.

Viele Kunden möchten auch jetzt schon für Mai und Juni gebuchte Reisen stornieren oder umbuchen, ergänzt die Reisekauffrau. "Wir können momentan eine kostenlose Umbuchung garantieren und verrechnen dann den Anzahlungsbetrag dagegen. Die meisten Kunden haben dafür Verständnis wie auch die Höchstadter Reisegruppe, die jetzt die Reise auf das Frühjahr 2021 umgebucht hat."

Die Krise betrifft auch alle Busunternehmen. Klaus Kohler von Kohler Reisen: "Nicht nur wir, sondern deutschlandweit sind die Busunternehmen von der Corona-Krise gebeutelt. Bereits seit vier Wochen erreichen uns tagtäglich mehrere Stornierungen von Schul-, Firmen-, Vereins-, Messefahrten etcetera. In der gesamten Region wird im Linienverkehr nur noch nach Ferienplan oder teilweise, was noch schlimmer ist, nach Samstagsplan gefahren."

Ein Drittel der Busse steht

Das habe dazu geführt, dass Kohler ein Drittel seines Fuhrparks abgemeldet habe, um zu sparen. Seit Montag hat er Kurzarbeit beantragt, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. "Es ist schon kurios, dass - nachdem es noch vor drei Monaten einen massiven Fahrermangel gab - nunmehr Überhänge bestehen. Die gesamte Branche ist hier, je länger die Krise andauert, umso mehr auf Unterstützung angewiesen, da die Unternehmen allein die massiven Einschnitte nicht bewältigen können."