Im Landkreis Lichtenfels gibt es nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) rund 35 Landwirte, die einen Hofladen betreiben oder ihre Erzeugnisse auf Bauernmärkten verkaufen. Ihre Erzeugnisse sind regional, haben kurze Transportwege und die Bauernfamilien als direkte Ansprechpartner geben Einblick in die Herstellung der Lebensmittel. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn, was viele Verbraucher nicht wissen: Gerade den Bauern, die ihre Erzeugnisse direkt vermarkten, machen immer neue Auflagen und bürokratische Vorschriften das Leben schwer.

Praxistaugliche Regelungen

"Die Direktvermarkter brauchen praxistaugliche Regelungen für die Erzeugung und Vermarktung ihrer regionalen Produkte", fordert Elvira Hornung, Ortsbäuerin und Vorstandsmitglied. Zum Beispiel im Bereich der Fleischerzeugung: Die Schlachtordnung schreibt vor, dass bei manchen Tierarten eine eigene Zulassung bzw. ein eigener Sachkundenachweis notwendig ist. "Wenn ein Rinderbetrieb auch Hühner hat, deren Fleisch er vermarkten will, braucht der Hof einen eigenen Geflügelschlachter", erklärt sie. Ein Blick nach Österreich zeigt, dass es auch unbürokratisch geht: Dort ist erst ab einer bestimmten Zahl geschlachteter Tiere pro Jahr ein separater Sachkundenachweis erforderlich. Um die hohen Kosten für Investition und den laufenden Betrieb für kleine regionale Schlachtstätten zu minimieren, fordert der BBV außerdem, dass dezentrale Schlachtmöglichkeiten in Zusammenschluss mit anderen Schlachtbetrieben oder Vermarktern geschaffen werden.

Gut gemeint langt nicht

Klare Vorgaben wünschen sich die Direktvermarkter auch bei der Lebensmittelkennzeichnung. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass Nährwertangaben auf dem Etikett vorverpackter Produkte verpflichtend sind - mit wenigen Ausnahmen: Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die direkt in kleinen Mengen von Erzeugnissen durch den Hersteller an den Endverbraucher oder an lokale Einzelhandelsgeschäfte abgegeben werden, die die Erzeugnisse unmittelbar an den Endverbraucher abgeben. "Die Ausnahmen für Direktvermarkter sind zwar gut gemeint, greifen aber häufig nicht, wenn innovative Formen der Direktvermarktung wie Online-Vertrieb, Abo-Kisten oder die Vermarktung teilweise über regionale Einzelhändler erfolgt", sagt Elvira Hornung. "Wir stehen zu klaren Vorgaben im Verbraucherschutz, aber es muss auch praktikabel für die bäuerlichen Direktvermarkter sein." Deshalb fordert der BBV für die verschiedenen Absatzwege eine eigene Lebensmittelkennzeichnung mit "regionaler Einfärbung". red