Wolf-Dietrich Schröber, Vorsitzender des Imker-Kreisverbands Forchheim, hat sich mit einem Jahresrückblick an die Fördermitglieder, Unterstützer und Freunde gewandt. "Auch wenn die Hoffnung, Bienengift helfe gegen das Coronavirus, nicht bestätigt wurde, etwas Besonderes bleibt aber: Die Imkerei ist systemrelevant", stellt Schröber fest.

Die Imker konnten somit zu ihren Bienen, sie beim Auswintern und Honigsammeln unterstützen und wie gewohnt über die Saison begleiten. "Hier bei uns in der Fränkischen Schweiz ist die Honigernte bescheiden ausgefallen", bilanziert der Vorsitzende. Vom Totalausfall bis normalen 20 Kilogramm je Volk berichteten die Imkerkollegen. Sortenhonig gab es 2020 nicht. Auffällig sei gewesen, dass schon im frühen Sommer Honigtau eingetragen wurde. Dies ergab einen dunklen Sommerhonig, zum Leidwesen der Imker auch mit Melezitose (Zuckerart). "Auch setzen uns die zahlreichen Wespen zu, die von dem leckeren Honig nicht lassen konnten und sicherlich zum Teil zur schlechten Honigausbeute beigetragen haben", berichtet Schröber.

Veranstaltungen abgesagt

Das Angebot für 2020 von umfangreichen Veranstaltungen im Informations- und Schulungszentrum der Imkerei im Landkreis Forchheim/Fränkische Schweiz konnte nicht umgesetzt werden. "Nach Rücksprache mit dem Corona-Vollzugsteam im Landratsamt Forchheim zeigte sich, dass wir als ehrenamtlicher kleiner Verband die Auflagen nicht umsetzen können", erläutert der Kreisvorsitzende. Im Kreislehrbienenstand Lützelsdorf, der normal bis 60 Personen aufnimmt, wären lediglich zehn bis 15 Teilnehmer zulässig gewesen. So hätte der Verein zum Beispiel den Anfängerkurs - hier hatten sich schon 43 Teilnehmer eingetragen - drei bis vier Mal abhalten müssen. Anfänglich wurden die ersten Veranstaltungen in den Herbst verschoben, später aber alle abgesagt. Die schon zugesagten externen Veranstaltungen fielen ebenfalls aus.

Trotzdem sei im Informations- und Schulungszentrum der Imkerei einiges passiert, in anstrengender Eigenleistung sei Neues entstanden. Die erzwungene Freizeit nutzten die Imker, um insbesondere im Kreislehrbienenstand Lützelsdorf die liegen gebliebenen Arbeiten zu erledigen, zum Beispiel wurden die noch nicht behobenen Schäden von Sturm "Burglind" Anfang 2018 behoben."Uns fehlten bisher die nicht unerheblichen finanziellen Mittel. In den zurückliegenden zwei Jahren stand ein blauer Container neben dem Hauptgebäude und erfüllte recht und schlecht die Funktion der Lagerhütte eine Übergangslösung. Nun ist der Container weg", blickt Wolf-Dietrich Schröber zurück. Stattdessen wurde eine solide Lagerhütte aus Holz mit Hilfe von zwei Fachfirmen und einer deutlichen Portion Eigenleistung erstellt. Die Erstellung des neuen Lagerhauses wurde von der VR-Bank Bamberg-Forchheim über Filialleiter Christian Hopfengärtner mit 1000 Euro unterstützt.

Neuer Info-Wagen

Der neu angeschaffte Info-Wagen stand bisher überwiegend geparkt am Kreislehrbienenstand. Er hat jetzt einen soliden geschützten Unterstand erhalten. Auch wurden ein stabiles Regal eingebaut und sicherer Stauraum geschaffen. Nun können der überwiegende Bestand wie Tische und Bänke, Informationsmaterial, Schautafeln und Bienenutensilien sicher untergebracht werden und im Wagen verbleiben. Dies spart laut Schröber viel Arbeit, und auch der kurzfristige Einsatz ist möglich. Der Info-Wagen mit seiner Einrichtung kann auch von den Imkervereinen im Landkreis Forchheim und deren Imkern gemietet werden.

Darüber hinaus galt es, die Außenanlagen zu gestalten. Fünf Helfer gingen nach über drei Stunden zufrieden nach Hause. Es sind aber noch Feinarbeiten zu erledigen. Die notwendigen Arbeiten im Veranstaltungsgebäude und dem neuen Lagerhaus stehen ebenfalls noch an. Hier bestand Einigkeit, dass die Arbeit ins neue Jahr verschoben wird. 2021 steht auch für eine neue Wahlperiode im Kreisverband Imker Forchheim eine Vorstandswahl an. Die Ideen des neuen Vorstands können dann einfließen.

"Trotz aller Zurückhaltung und Einschränkung haben wir uns mehrheitlich Mitte des Jahres entschlossen, das anspruchsvolle Pilotprojekt ,Bio-Div-Maßnahmen' anzupacken und umzusetzen. Das Projekt läuft über fünf Jahre und entsteht hoch auf dem ,Gebirg' in der Fränkischen Schweiz in Hetzelsdorf als Vorzeigefläche", berichtet der Kreisvorsitzende weiter. Das circa ein Hektar große Areal unterhalb des 550 Meter hohen Reisberges nahe des Ortsdreiecks Hetzelsdorf, Kirchehrenbach und Leutenbach liegt eingebunden in vorchristlichen Besiedlungsstätten am Katzenstein und Walberla und ist altes Kulturland. Hier siedelten schon Tausende Jahre vor Christi Geburt Menschen, jagten, bestellten den Boden und ernteten Honig. Klimawandel, Insektensterben und Monokulturen veranlasste die Imker, diesen Zustand wieder herzustellen. "Ein natürlicher Lebensraum für die Natur - für Pflanzen und Tiere - wird geschaffen", freut sich Schröber, "durch das Pilotprojekt entsteht etwas Besonderes. Auf der kleinen Fläche wird im konzentrierten Ganzheitsansatz eine Vielfalt von Lebensräumen für Insekten und begrenzte Mini-Ökosysteme geschaffen und nicht nur eine Blüh- beziehungsweise Streuobstfläche."

Finanzielle Schieflage

Mit einem europäisch geförderten Leader-Projekt wurde der Kreislehrbienenstand Lützelsdorf mit der Außenanlage zu einem modernen Informations- und Schulungszentrum der Imkerei im Landkreis Forchheim und der Fränkischen Schweiz neu gestaltet. Die beantragte Fördersumme von 130 000 Euro wurde genehmigt, Leader hatte 60 Prozent zugesagt. 2020 konnte das Projekt abgeschlossen werden. "Und es ist dank vieler Unterstützer gut gegangen, obwohl der Kreisverband kurz vor der Insolvenz stand", bekundet der Kreisvorsitzende. Das Projekt habe den Kreisverband finanziell in eine Schieflage gedrückt.

Die zu Beginn zugesagten Fördermittel von Leader seien lediglich zu 40 Prozent ausgezahlt worden. "Nicht nachvollziehbare, sich laufend ändernde Förderbedingungen und ungerechte Sanktionen brachten den Kreisverband fast zur Insolvenz. Lediglich durch Unterstützung der anderen Fördermitglieder Oberfrankenstiftung und Landratsamt konnte Schlimmeres vermieden werden", gesteht Schröber. Circa zwölf Prozent der gesamten Fördersumme mussten zusätzlich von den Imkern aufgebracht werden.

Ohne Hilfe von Sparkasse Forchheim, der Volks- und Raiffeisenbank Pretzfeld, des Landratsamtes und des Umweltministeriums in München in Form von Spenden beziehungsweise Projektmitteln wäre dies nicht gegangen. Schröber dankt in diesem Zusammenhang allen Unterstützern, insbesondere Kulturreferent Toni Eckert, Landrat Hermann Ulm (CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW). red