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Höchstadt a. d. Aisch

Im Wohnmobil vor Corona sicher

Die Pandemie beschert der Branche einen Boom, der auch in Höchstadt und Schlüsselfeld spürbar ist.
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Morelo-Geschäftsführer Reinhard Löhner spürt keinen Rückgang bei der Nachfrage nach den luxuriösen Reisemobilen aus Schlüsselfeld - im Gegenteil. Er sieht auf seine Branche einen Boom zukommen.
Morelo-Geschäftsführer Reinhard Löhner spürt keinen Rückgang bei der Nachfrage nach den luxuriösen Reisemobilen aus Schlüsselfeld - im Gegenteil. Er sieht auf seine Branche einen Boom zukommen.
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Andreas Dorsch Während Unternehmen in vielen Branchen derzeit um die nackte Existenz kämpfen, beschert die Corona-Pandemie anderen Rekordumsätze. Dazu zählen die Wohnmobile.

"Seit wir wieder geöffnet haben, machen wir über hundert Prozent mehr Umsatz als normal", sagt Andreas Kohlert, Geschäftsführer der im Höchstadter Gewerbegebiet Aischpark ansässigen Firma Wohnmobile Erlangen. Er hat auf seinem Gelände über 300 Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 14 Millionen Euro stehen und verkauft davon auch schon mal 13 Wohnmobile am Tag. Die rund 30 Mitarbeiter sind seit Wochen voll ausgelastet, auf dem weitläufigen Betriebsgelände wimmelt es von Kunden.

Die Gründe für den aktuellen Boom liegen für Kohlert auf der Hand: "Man fliegt nicht mehr gerne, Schiffsreisen sind nicht mehr gefragt, die Leute wollen Geld anlegen, Reisemobile verlieren kaum an Wert und dann ist da das Bedürfnis, Urlaub machen zu wollen."

Das spürt man auch bei der Schlüsselfelder Firma Morelo, dem Hersteller großer Reisemobile der Luxusklasse. Die über 350 Mitarbeiter in Schlüsselfeld sind ausgelastet. Nur manche Teile von Zulieferern aus Italien, Frankreich und Belgien kommen derzeit nicht so schnell, wie man sie gerne hätte.

2021 weiter aufwärts

Morelo-Geschäftsführer Reinhard Löhner registriert "keinerlei Einbruch durch Corona". Er erwartet vielmehr generell ein deutliches Plus in der Reisemobil-, Caravan- und Campingbranche. Haben sich in den vergangenen vier Jahren die Zulassungen bei Reisemobilen schon verdoppelt, prognostiziert Löhner für sein Unternehmen in 2021 eine weitere Steigerung um 10 bis 20 Prozent.

Ein Wohnmobil ist für Löhner ohnehin die "beste Quarantänestation, die man sich vorstellen kann". Man sei in seinem Fahrzeug immer sicher. Morelo-Vertriebsleiterin Anja Bauer spricht gar vom "Hotel auf Rädern", in dem zwei Leute eine Woche autark urlauben können, ohne Wasser oder Strom nachtanken zu müssen - mit Solaranlage auf dem Dach. Die Vertriebsleiterin stellt aktuell steigendes Interesse an einer sicheren, unabhängigen Urlaubsform fest: "Das autarke Reisen boomt." Und sie hofft auf sich bald öffnende Grenzen, damit ihre ausländischen Kunden die Reisemobile endlich in Schlüsselfeld abholen können, auf die sie schon lange warten.

Geschäftsführer Kohlert, der seine Firma erst 2018 von Dechsendorf nach Höchstadt verlagert und dabei ordentlich vergrößert hat, ist am neuen Standort überaus zufrieden. Weil die Leute hier in der Region gut verdienen, die Babyboomer langsam in Rente gehen und das Freiheitsgefühl der Menschen steigt, ist das Geschäft auch schon vor Corona gut gelaufen.

Vor Aufträgen nicht retten kann sich auch der Womopark von Christian Dürrbeck im Gremsdorfer Ortsteil Buch. "Wir sind täglich 14 bis 16 Stunden in der Werkstatt", sagt Dürrbeck, der eine reine Reparaturwerkstatt für Wohnmobile und Wohnwagen betreibt. "Seit Corona ist es definitiv mehr geworden." Er spricht von einem Zuwachs von 30 Prozent. Seine Firma am Ortsrand von Buch hat er jetzt vier Jahre, seit drei Jahren ist er ausgelastet.

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