Sie dienten unseren Vorfahren als Orientierung bei Reisen, bieten Vögeln Brutmöglichkeiten, lassen uns als Sauerstoffspender aufatmen und den Wanderer ehrfürchtig innehalten. Die Rede ist von teilweise Jahrhunderte alten Baumgiganten. Den hohen Stellenwert imposanter Einzelexemplare sowie Alleen und Streuobstbestände betont das Projekt "fränkisch verwurzelt".

Eindrucksvoll und aufschlussreich zugleich gestaltete sich die vor diesem Hintergrund veranstaltete Exkursion rund um Niederau am Mittwoch mit Landschaftsarchitekt Achim Müller sowie Gerhard Bergner als Ansprechpartner der federführenden Regierung von Oberfranken.

171 Bäume kartiert

Zum Wachsen brauchen sie viele Generationen, gefällt sind borkige Riesen im Nu, weshalb die Aktion die vielfältige Bedeutung von vor allem alten Bäumen in den Vordergrund rückt. Im Rahmen des Projekts war Landschaftsarchitekt Achim Müller 2018 auch im Ebensfelder Gemeindegebiet im Einsatz, kartierte und dokumentierte hier 171 Bäume, Baumreihen, Alleen und Streuobstbestände und erstellte Baumportraits. Soweit die Umsetzung von "fränkisch verwurzelt" durch die Regierung von Oberfranken, die hierzulande zunächst Bad Rodach untersuchte und nun den Markt Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels ausgewählt hatte.

Robinien-Baumgruppe

Doch alle Theorie ist grau, deshalb wurde das Projekt durch zwei Exkursionen mit Leben erfüllt, vor zwei Wochen eine um Messenfeld, die zweite fand nun ihren Ausgangspunkt am Rastplatz am Veitsbergblick zwischen Unterneuses und Niederau. Eine schöne Robinien-Baumgruppe umsäumt die dortige Holzhütte, an der Müller und Bergner ein gutes Dutzend Interessierter begrüßten. "Alte Bäume sind von unschätzbarem Wert", betonte Bergner einleitend - und meinte damit nicht den monetären Faktor, sondern deren vielfältigen Nutzen für die Natur, beispielsweise als Habitat für Vögel oder Insekten, ganz zu schweigen von ebenfalls einleuchtenden kulturhistorischen und durchaus auch touristischen Faktoren.

Während des rund zwei Kilometer langen Rundkurses führte die Exkursion vorbei an so manchem hölzernen Riesen. Die auf öffentlichem Grund fanden Einzug in die erwähnte Kartierung. Neben der Robinien-Gruppe am Ausgangspunkt ist hier etwa ein imposantes Baumpaar östlich von Niederau zu nennen, eine rund 150 Jahre alte Pappel und eine wohl locker über 200 Jahre alte Eiche. Wie Müller erläuterte, wurden in den Baumporträts neben Alter, Höhe, Standort auch Handlungsempfehlungen festgehalten. Fällungen oder - wie im Falle einzelner Bäume der Kirschbaumallee bei Unterneuses - Kappungen sollten, wenn es die Verkehrssicherheit beispielsweise erfordert, immer das letzte Mittel sein, so die Aussage der Fachleute. "Aber selbst das so entstehende Totholz hat immer noch eine immense Bedeutung für die Natur", unterstrich Müller. Unzählige Kleinstlebewesen tummeln sich in diesen Baumresten.

"Kennen, schätzen, schützen"

Wilhelm Ebitsch, der als fachkundiger Naturliebhaber selbst Exkursionen leitet, fand lobende Worte für das Projekt: "Wenn man einen Baum mit einem Meter Durchmesser fällt, ist ein Stück Landschaft weg." Er wies darauf hin, dass auch Gartenbesitzer durch das Pflanzen von Sträuchern und Bäumen eine Menge für die Natur bewirken können. "Kennen, schätzen, schützen - nach diesem Motto sollten wir alte Bäume markieren, besonders eindrucksvollen Exemplaren vielleicht sogar Namen verleihen", schlug Anton Reinhard, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels des Bundes Naturschutz vor und ergänzte: "Bäume sind für mich Lebewesen." Er plädierte für die häufigere Ausweisung von alten Bäumen als Naturdenkmäler und bedauerte, dass es im Landkreis Lichtenfels noch keinerlei Baumschutzverordnung gebe. Eine alte Kopfweide, eine Esche, in dessen Geäst eine Elster brütete, ein uralter Birnbaum in Niederau - sehr abwechslungsreich gestaltete sich diese "Baumreise", die den Teilnehmern auch körperlich etwas abverlangte. Infolge der erheblichen Regenmengen der vorangegangenen Tage hatten sich gerade auf den Feldwegen etliche, teils metergroße Pfützen gebildet. Um diesen auszuweichen, war so mancher "Slalom" unumgänglich. Doch man nahm es mit Humor im Bewusstsein, dass die Natur nach dem "Sahara-Jahr" 2018 geradezu nach Wasser lechzt und nun ein wenig aufatmen kann.

Doch die Baumriesen haben teils schon ganz anderes überstanden. Müller weist bei der mächtigen Eiche direkt am Main, die einen Umfang von 3,50 Metern aufweist und schon seit dem 18. Jahrhundert dort gestanden haben dürfte, auf eine "Blitzrinne" hin. So nennt man die in der Borke des Baumes noch heute "ablesbare" Spur eines Blitzeinschlages mit verhältnismäßig harmlosen Konsequenzen.

Der 69-jährige Frauendorfer Hans Hetzel findet zum Abschluss schöne Worte: "Ich habe mal einen Satz gelesen, der mir gerade bei dieser wundervollen Eiche in den Sinn kommt: Jeder Baum offenbart seine ganze Herrlichkeit."

Informationen zum Projekt "fränkisch verwurzelt" sowie die erstellten Baumporträts im Markt Ebensfeld finden sich im Übrigen im Internet auf einer Seite der Bezirksregierung unter www.reg-ofr.de/biodiv.