Die städtischen Museen auf der Plassenburg haben eine neue Chefin. Mehrere Jahre war die Stelle unbesetzt. Nina Schipkowski kommt mit vielen neuen Ideen und möchte die Sammlungen weiterentwickeln und für die Öffentlichkeit attraktiv machen. Sie ist in Hannover aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie in Bamberg Nach dem Abitur studierte sie Kunstgeschichte in Bamberg und Prag, danach schloss sie ein Aufbaustudium Kulturmanagement an.

Ihre ersten berufliche Stationen führten die Kunsthistorikerin ins Schloss Weißenstein (Pommersfelden) und Schloss Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern). Danach war sie im Kunsthandel tätig. Bis zu ihrer Ernennung als Leiterin der städtischen Museen auf der Plassenburg arbeitete sie im Fränkischen Brauereimuseum in Bamberg.

Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ist überzeugt, dass die Stadt eine gute Wahl getroffen hat: "Mit Frau Schipkowski haben wir eine sehr engagierte und erfahrene Fachkraft gefunden. Ich bin mir sicher, dass unsere Museen bei ihr in guten Händen sind."

Mit der Bayerischen Rundschau spricht Nina Schipkowski über ihre Reform-Ideen und die Erschließung der Burg.

Sie haben vor zwei Wochen Ihren Dienst angetreten. Wie sind Sie auf der Plassenburg empfangen worden?

Nina Schipkowski: Ausgesprochen herzlich! Alle Kollegen bemühen sich sehr, mich bei meiner Einarbeitung zu unterstützen.

Gewiss haben Sie sich von den städtischen Beständen - dem Deutschen Zinnfigurenmuseum und dem Landschaftsmuseum Obermain - ein erstes Bild machen können. Wie ist Ihr Eindruck?

Die Bestände sind gewaltig, ein riesiges Potenzial. Noch habe ich gar nicht alle Depots in Augenschein nehmen können.

Das große Sorgenkind ist zweifellos das Landschaftsmuseum. Ein größerer Teil der Exponate stammt vom Luitpoldmuseum von 1910, dazu kommen Grabungsfunde aus unserem Raum sowie spärlichen Reste der früheren naturkundlichen Sammlungen. Brav und bieder, typisch "Heimatmuseum". Ob es heutige Jugendliche fasziniert?

Sicherlich werden wir langfristig in die Konzepte der Dauerausstellung eingreifen müssen. Kurzfristiges Ziel ist erst einmal, die Orientierung für die Besucher zu verbessern.

Im Vergleich zu vielen anderen Museen - Beispiel: die drei Mönchshof-Museen - ist die Präsentation des Museumsbestands unzeitgemäß. Der Besucher wird (fast) allein gelassen. Es fehlt ein Medienraum mit Panoramaleinwand, der eine Einführung böte. Audio-, Video-, Multimedia-Konzept, "interaktive Erlebnisse"? Rundum Fehlanzeige.

Nicht in jedem Fall ist der Einsatz von Medien zielführend, viele Besucher verzichten in ihrem ohnehin medienüberfrachteten Alltag auch gerade im Museum mal auf deren Nutzung. Wo es sinnvoll ist, beispielsweise den Besucher überhaupt auf die Zinnfigur einzustimmen, werden Medien in Zukunft sicher eine stärkere Rolle auch in den städtischen Museen spielen. Multimedia-Einsatz im Museum aber immer als das Allheilmittel zu sehen, halte ich für zu kurz gedacht.

Wie auch immer: Für eine ernsthafte Umgestaltung wird man sehr, sehr viel Geld benötigen. Der städtische Haushalt wird dies mit Sicherheit nicht hergeben. Denken Sie an Fördermittel?

Sicherlich können für Projekte auch unabhängig vom aktuellen Pandemiegeschehen Fördergelder beantragt werden. Förderungen stellen aber immer nur eine Anteilsfinanzierung dar. Es stellt sich also eher die Frage, ob der erforderliche Eigenanteil an "großen Würfen" sprudeln wird.

Viele verstehen nicht, dass in der riesigen Burg kein Platz sein soll für wechselnde kleinere Kunstausstellungen, zum Beispiel mit Bildern der bedeutenden Kulmbacher Nachkriegskünstler. Und die Große Hofstube, die sowieso kein idealer Ort ist, ist turnusmäßig vom Bund Fränkischer Künstler belegt.

Der Platz für die städtischen Museen ist in der Tat sehr endlich. Wir werden ausloten müssen, wo Zeitfenster bestehen, um zum Beispiel die Hofstube für eigene Sonderausstellungen zu nutzen.

Der Nachlass eines bedeutenden Nachkriegskünstlers, Caspar Walter Rauh, ist der Stadt entgangen - mangels Interesse. Er ist ins Kunstmuseum Bayreuth gewandert. Ob sich die Stadt beim Nachlass von Hans Lewerenz mehr bemühen wird?

Ohne die Umstände zu kennen, unter denen der Nachlass Rauhs nach Bayreuth gegangen ist, wäre es natürlich wünschenswert, identifikationsstiftende Werke Kulmbacher Künstler auch in der Stadt zu halten.

Die Attraktivierung der Museen auf der Burg ist das eine, ihre bessere Erschließung das andere. Heftig diskutiert werden: A) die Verbesserung des Buspendels, B) Buchwald-Trasse, C) Standseilbahn. Wofür sind Sie?

Leider ist es so, dass für die Plassenburg, die für den Busreisetourismus nicht erreichbar ist, eine wichtige Besuchergruppe entfällt. Dennoch sehe ich das Problem vornehmlich nicht darin, die Besucher auf die Burg zu bringen, sondern vielmehr die Burgbesucher in die Museen.

Konkret: A, B oder C?

Kurzfristig auf jeden Fall eine intelligente Bus-Lösung.

Aus der Bürgerschaft hat sich um Barbara Biella eine sehr engagierte Initiative gebildert - "Liebenswertes Kulmbach". Ihre Idee ist, auf dem frei gewordenen "Kaufplatz"-Gelände einen kreativen Spielplatz zu schaffen, der den Kindern Lust machen soll, sich die "große Plassenburg" anzuschauen. Was halten Sie davon?

Grundsätzlich sind alternative Denkansätze immer begrüßenswert. Ob ein toller Spielplatz nicht vielleicht im Umgriff des Burggeländes die Aufenthaltsdauer von Familien auf der Plassenburg verbessern könnte, kann ich nach so kurzer Zeit nicht beurteilen.

In Sie als neue Leiterin der Burg-Museen werden riesige Erwartungen gesetzt, fast schon Wunder erwartet. Macht Ihnen das Angst?

Kein bisschen. Dass ich einen Zauberstab besitze, war nicht Teil meiner Bewerbungsunterlagen.

Das Gespräch führte Wolfgang Schoberth.