Rudolf Görtler

Man kann nicht behaupten, dass die Theaterlandschaft in und um Bamberg eine karge ist. Angefangen vom E.T.A.-Hoffmann-Stadttheater über diverse freie Gruppen wie das Theater im Gärtnerviertel, Theater Wildwuchs oder das Spielwerk-Theater gibt es für jeden Geschmack und Anspruch etwas.
Nicht ganz, meint Wolfgang Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg. Vor zwei Jahren hat seine Firma den Kulturboden eröffnet, belebt ihn mit eigenen Veranstaltungen vom Kabarett bis zum Konzert und vermietet Saal und Foyer - flexibel von 30 bis 400 Besuchern. Für solche Besucherzahlen hat Heyder eine neue Theaterreihe konzipiert, in Kooperation mit der Stadt Hallstadt. Im kommenden Februar soll die "Kulturbühne" Hallstadt starten, eine Serie von zehn Boulevardtheaterstücken.
Nun könnte der Connaisseur die Nase rümpfen. Gut gemachter Boulevard muss jedoch nichts Schlechtes sein. Er ist vielleicht schwieriger zu machen als verquältes Regietheater. Unterhaltung, leichte Muse hat durchaus ihren Platz und ihre Berechtigung in den Spielplänen. Ihr wird ja auch gehuldigt vom Theatersommer Fränkische Schweiz, den Luisenburg-Festspielen oder dem einen und anderen festen Haus. Eine feste Adresse schwebt auch Heyder und dem Hallstadter Bürgermeister Thomas Söder vor mit dem Kulturboden als Spielstätte.
Wie es heute so ist, muss das künstlerische Konzept ergänzt werden durch ein finanzielles, sprich Sponsoren müssen mit ins Theater-Boot. Die Suche des Veranstaltungsprofis Heyder nach Sponsoren war offensichtlich erfolgreich. Und er hat mit der Braunschweiger "Komödie am Altstadtmarkt" einen kongenialen Partner gefunden. Das ist ein Tourneetheater mit festem Haus und Niedersachsens größtes Privattheater, in manchem vergleichbar mit der Fürther Comödie Volker Heißmanns und Martin Rassaus. Sechs Unterhaltungsklassiker sind mit den Braunschweigern vereinbart, darunter "Charleys Tante" und "Die toten Augen von London" nach Edgar Wallace und mit Michaela Schaffrath, die unter anderem Namen in einem ganz anderen Kontext bekannt geworden ist.
Doch Hallstadt hat auch auf heimischem Grund gewachsene Theaterenthusiasten. Die Theatergruppe spielt gleich an drei Abenden "Läidies Nait". Das ist die fränkische Adaption der englischen Arbeitslosen-Tragikomödie "Ganz oder gar nicht", eines erfolgreichen Films. Eines ernsten Themas nimmt sich die Hallstadter Gruppe mit "About a Girl" an. Darin geht es um Mobbing und Ausgrenzung in der Schule.
Seit dem Intendantenwechsel am Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater suchen viele arbeitslos gemachte Schauspieler nach neuen Aufgaben. Elena Weber und Sybille Kreß haben in dem verschlankten Bio-Drama über die größte Rocksängerin aller Zeiten Janis Joplin, ursprünglich von Rainer Lewandowski geschrieben, eine Paraderolle gefunden. Mit der famosen Live-Band eine unbedingte Empfehlung! Doch auch der Heinz-Erhardt-Abend mit Gerhard Leiß und Patrick Schmitz, die lange am Bamberger Theater spielten, verspricht Amüsement. Fürs Bühnenbild ist gesorgt, verspricht Heyder, und ein Abo für alle zehn Vorstellungen gibt's zum Sonderpreis.