„Wenn man in den Ruhestand geht, muss man sich ja überlegen, was man mit seiner freien Zeit Sinnvolles anfangen kann.“ So beschreibt Alfons Weiler den Weg in sein neues Ehrenamt als Behindertenbeauftragter der Stadt Herzogenaurach . Der 63-Jährige wurde vom Stadtrat bestellt und wird das Amt für die nächsten fünf Jahre ausüben.

Die Wahl war nötig geworden, da der langjährige Behindertenbeauftragte Wolfgang Jörg im Januar dieses Jahres überraschend verstorben war. Die Stadt freue sich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem neuen Behindertenbeauftragten und sei gespannt auf Anregungen und Empfehlungen bei zukünftigen Projekten, erklärte Bürgermeister German Hacker ( SPD ) beim Treffen mit Weiler.

Aufgabe des Behindertenbeauftragten ist es, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen zu verbessern sowie die Belange und Interessen von behinderten Menschen aufzuzeigen, hierfür Verständnis zu schaffen und diese zu vertreten. In diesem Sinne berät er die Stadtverwaltung und den Stadtrat.

Weiler hat einen persönlichen Bezug zu seinem neuen Amt, denn sein heute 30-jähriger Sohn kam mit einer Behinderung zur Welt. „Das war schon auch der Grund für meine Bewerbung“, stellte er klar. Ohne die persönliche Betroffenheit hätte er sich dieses Amt wohl kaum zugetraut.

Alfons Weiler kommt ursprünglich aus der Vulkaneifel und zog 1980 aus beruflichen Gründen nach Erlangen, acht Jahre später folgte dann der Umzug nach Herzogenaurach . Bevor er sich vor kurzem in den Ruhestand begab, leitete er Projekte für Siemens Mobility und war hier unter anderem für die Umsetzung der behindertengerechten Zugkonstruktion zuständig.

Der Mittler für die Betroffenen

„Bei diesen Projekten habe ich gelernt, Leute zusammenzubringen, mit Behörden, Gewerkschaften und Versicherungen zu arbeiten und Interessen zu vertreten“, erzählte er. Diese Erfahrung werde ihm sicher auch in seinem neuen Ehrenamt viel nützen, denn auch hier will er der Mittler zwischen Betroffenen und der Stadt sein. Gerade Eltern, deren Kind mit einer Behinderung geboren wird, seien oft überfordert und wüssten nicht, wohin sie sich wenden können. Auf diese Menschen möchte Weiler zugehen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Aber das Telefon funktioniert ja in beide Richtungen“, betont er, „ich hoffe also, dass Hilfesuchende sich auch an mich wenden.“ Hierfür werde die Stadt bald Sprechzeiten bekanntgeben, zu denen der Behindertenbeauftragte erreichbar sein wird.

Wichtig ist Weiler auch das Thema Inklusion, das auch der Schwerpunkt seines Vorgängers war. „Je älter die Leute werden, desto unsicherer werden sie im Umgang mit behinderten Menschen “, weiß Weiler aus Erfahrung zu berichten. „Als mein Sohn im Kindergarten war, gab es in der integrativen Gruppe überhaupt keine Probleme , er hat einfach dazugehört, genau wie alle anderen. Die Kinder haben ihn überhaupt nicht anders behandelt oder hatten irgendwelche Bedenken.“

Je älter sein Sohn, und somit sein Umfeld, wurde, desto schwieriger wurde das Thema Inklusion. Erwachsene wüssten oft nicht, wie sie mit ihm umgehen sollten oder behandelten ihn wie ein kleines Kind, obwohl er 30 Jahre alt ist. Man müsse einfach ganz normal mit ihm umgehen, dann sei alles gut. Aber das verstünden viele leider noch nicht.

Weiler möchte das ändern: „Ich wünsche mir, dass mehr Austausch stattfindet zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Wenn zum Beispiel die Lebenshilfe einen Ausflug zum Weihnachtsmarkt macht, dann sollte man auch Menschen ohne Behinderung einladen und gemeinsam als Gruppe gehen.“

Wer das Beratungsangebot des Behindertenbeauftragten nutzen möchte, erreicht ihn per Mail an behindertenbeauftragter@herzogenaurach.de. Die individuelle Beratung von behinderten Menschen (z.B. Grad der Behinderung, Pflegestufen usw.) kann dagegen nicht von ihm geleistet werden. Alfons Weiler gibt aber gerne Auskunft, wohin man sich wenden kann.