Als Edeltraud 17 Jahre ist, verkündet ein guter Freund, dass „heute Abend ein Kollege von mir mit ins Kino kommt“. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie vermutlich nicht geahnt, dass sie 51 Jahre später mit diesem „Kollegen“ die goldene Hochzeit feiern würde. Um Gottwald Merl war es jedoch sofort geschehen als er Edeltraut an diesem Abend zum ersten Mal sah. „Ich dachte nur ,Wow, schaut die gut aus, da muss ich mal mein Glück probieren’“, erzählt der gebürtige Österreicher lächelnd.

Ein Jahr nach dem Kennenlernen geben sie sich das Ja-Wort , ein weiteres Jahr später kommt Tochter Daniela zur Welt. Sohn Markus erblickt vier Jahre darauf das Licht der Welt und macht das Familienglück der Merls komplett. 14 Jahre lang leben Edeltraud und Gottwald in einer kleinen Wohnung in Erlangen. „Am Anfang hatten wir beide nix“, erinnert sich Edeltraud Merl, „wir hatten zwei Matratzen und Bettdecken von unseren Eltern bekommen. Die Fenster haben wir mit alten Decken zugehängt, und zum Essen saßen wir auf einem umgedrehten Wäschekorb und einem Hocker.“

Das Ehepaar bereue diese Zeit jedoch keineswegs: „Wenn man sich alles selbst Stück für Stück aufbaut, hat man einen ganz anderen Bezug dazu.“ Für beide war jedoch klar, dass es von der Stadt wieder Richtung Land und von einer kleinen Wohnung in ein Eigenheim gehen sollte. Edeltraud und Gottwald kommen beide aus ländlichen Regionen, sie aus der Nähe Neustadt bei Coburg, er aus dem Gurktal an der Grenze zur Steiermark. 1984 erfüllen sie sich dann den Traum vom eigenen Haus und bauen auf einem Grundstück in Hammerbach , wo sie nun auch ihren 50. Hochzeitstag feierten.

Das Ehepaar hält sich gern fit und geht dafür zwei Mal pro Woche ins Fitnessstudio, aber auch Wanderurlaube kommen nicht zu kurz. Nach 44 Jahren bei Siemens ist Gottwald nun seit zehn Jahren in Rente, seine Frau folgte ihm nach fünf Jahren und nach 25 Jahren bei Sport Hoffmann.

Enkel halten jung

„Wir verbringen auch möglichst viel Zeit mit unseren kleineren Enkeln, die halten uns jung“, erzählt Edeltraud. „Die zwei sind sechs und neun Jahre alt, die wollen aktiv sein und nicht nur in der Ecke sitzen.“ Da machen Oma und Opa natürlich gerne mit und nehmen die beiden zum Beispiel mit zum Wandern in die Schwarzachklamm. Auch zu den beiden älteren Enkeln (19 und 23 Jahre) haben die Großeltern eine gute Beziehung.

Die Eheleute sind außerdem als Lesepaten aktiv, Gottwald in der Grundschule am Burgstaller Weg und Edeltraud in Kindergärten. Sie verbringen viel Zeit in ihrem großen Garten und reisen gerne in der Welt herum. Oft werden sie gefragt, ob sie denn nicht bereuen würden, so jung geheiratet zu haben. Doch das sehen Gottwald und Edeltraud überhaupt nicht so: „Wir sind eben ,im Alter’ frei“, da sind sich beide einig: „Wir waren dafür eben auch noch relativ jung, als unsere Kinder schon eigene Familien gegründet haben und können jetzt unsere Zeit zu zweit genießen.“

Rückblickend gingen für das Ehepaar die zweite Hälfte der 50 Jahre viel schneller vorbei als die ersten 25 Ehejahre. „Es ist einfach viel passiert, wir sind Großeltern geworden, haben viel erlebt und die Jahre waren immer gut gefüllt.“