In Herzogenaurach im Stadtteil der „Kalchgruben“ beim Würzburger Tor hatten einige Bewohner der Stadt ihren Hausgarten nicht direkt am Wohngebäude, sondern vor dem Stadttor und dort – nomen est omen – in der Gartenstraße. Die meisten davon sind inzwischen bebaut, verblieben sind zwei Gärten, die als Naturgärten bearbeitet werden.

Einer davon gehört Kreisheimatpfleger Manfred Welker, der ihn von seinem Großvater, dem Schmiedsgerch, übernommen hat. Zur Zertifizierung als Naturgarten waren vom Kreisverband Erlangen-Höchstadt der Obst- und Gartenbauvereine Matthias Scholz und Sigrun Hannemann zur Inaugenscheinnahme vor Ort. Sie konnten sich überzeugen, dass dieser Garten viele Kriterien für einen Naturgarten erfüllt.

In diesem Garten kam noch nie chemischer Unkrautvernichter zum Einsatz, stattdessen ist Hacken und Mulchen angesagt. Außerdem wird in dem Garten kein synthetischer Dünger eingesetzt, zur Bodenverbesserung kommen eigener Kompost und Hühnermist zum Einsatz. Da der Strauch- und Staudenschnitt, das Mähgut, ausgejätete Beikräuter und Gemüse dem Garten mitsamt den darin enthaltenen Nährstoffen entnommen werden, schließt eine Kompostierung dieser anfallenden Pflanzenteile den Nährstoffkreislauf wieder. Auch Torf ist in diesem Garten noch nie verwendet worden.

Für die Beschattung und als Windschutz sorgt eine Hecke, außerdem umrankt ein Weintraubenstock den Zaun zur Straße. Wichtig sind auch der geeignete Standort für die Pflanzen und ein jährlicher Fruchtwechsel im Garten.

Die Holzbiene fühlt sich wohl

Neben dem Nutzgarten mit Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Radieschen, Bohnen, Erdbeeren, Tomaten, Salat, Zucchini und Gurken sorgen mehrjährige Stauden und Zwiebelpflanzen sowie einjährige Blumen für eine Blühvielfalt und sind eine reiche Pollen- und Nektarquelle für Bienen und Hummeln. Auch die Holzbiene fühlt sich in diesem Garten wohl. Außerdem sind je nach Jahreszeit Sonnenblumen, Königskerzen, Tulpen, Osterglocken, Cosmea (Schmuckkörbchen), Kornblumen, Blauraute, Malven, Gladiolen, Topinambur, Borretsch, Mohn etc. über den ganzen Garten verteilt. Sträucher und Gehölze wie Rosen, Holunder, Salbei und Flieder sind mit Blumenzwiebeln unterpflanzt.

Eine alte Rosensorte mit weißen Blüten rankt sich an einem Gitter entlang. Im Garten stehen standortgerechte und regionaltypische Obstbäume wie fränkische Zwetschge und Reineclaude sowie zwei Apfelbäume mit drei Apfelsorten. Die Äpfel finden Verwendung als Tafelobst zur Verarbeitung in der eigenen Küche und zum Apfelsaftpressen.

Natürlich gibt es in diesem Garten auch ein „wildes Eck“, eine naturbelassene Fläche, auf der sich Wildkräuter wie Brennessel und Schöllkraut wohlfühlen. In der Blumenwiese blühen zwei Kleesorten, Gänseblümchen, Löwenzahn und Wegerich. Sie wird mit der Sense gemäht, hier kommt kein Mähroboter zum Einsatz.

Im Garten gibt es Nistkästen für Vögel und Nützlingsunterkünfte wie ein Insektenhotel und Laubhaufen.

An den Standort angepasste Pflanzen müssen nicht oder nur selten gegossen werden. Das gilt besonders für mehrjährige Arten sowie die Blumenwiese. Für die anderen Pflanzen wird möglichst viel Regenwasser gesammelt und vergossen. Außerdem wird der Boden durch Hacken und Mulchen feucht gehalten.

Bei ihrem Rundgang konnten die Juroren auch den Apfelsaft verkosten, der aus den Früchten des Gartens gepresst wurde. Das Jahr 2020 war ein sehr gutes Obstjahr, auch in diesem Jahr reifen wieder ausreichend Früchte heran. red