Dass Fachkräfte dringend benötigt werden, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Allerdings hakt es oft bereits da, wo diese künftigen Fachkräfte herkommen sollen – in der Ausbildung nämlich. Das Angebot an Stellen ist hier viel größer als die Nachfrage und dabei gibt es teils große Diskrepanzen zwischen den Bewerberwünschen und dem Ausbildungsbedarf , die Agentur für Arbeit Fürth jetzt meldet.

Tatsächlich passt das reales Lehrstellenangebot und die Wunschausbildung der Bewerber oft nicht zusammen. Das führt dazu, dass Ausbildungsangebote etwa im Bereich Büro/Sekretariat auf einen Überfluss an Bewerbern treffen, während andere Lehrberufe auf viel zu wenig Interesse stoßen.

Büromanagement ganz vorne

Knapp 43 Prozent oder 1103 aller Ausbildungssuchenden im Agenturbezirk haben sich auf zehn Lehrberufe konzentriert. Dabei am beliebtesten war die Ausbildung Kauffrau/Kaufmann im Büromanagement. Hier trafen 221 Bewerber auf 144 Ausbildungsplatzangebote. Von den Betrieben hingegen am meisten gesucht waren Aspiranten für die Ausbildung Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel. Für diesen Bereich wurden 289 Lehrstellen gemeldet, darauf beworben haben sich jedoch lediglich 78 junge Leute. So blieben zum Stichtag 35 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Praktika immer wichtiger

Thomas Dippold, Chef der Agentur für Arbeit Fürth, sagt: „Wir als Arbeitsagentur wollen im Rahmen der Berufsorientierung noch mehr als bisher aufklären, Alternativen aufzeigen und Klischees von Frauen- und Männerdomänen aufbrechen. Viele Ausbildungsberufe sind weder Bewerbern noch Eltern bekannt. Denn traditionell stehen nur sehr wenige der mehr als 320 Lehrberufe im Fokus. So wird es immer wichtiger, jungen Menschen mittels Praktikum eine direkte Erfahrung von Ausbildung und Betrieb zu vermitteln.“

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt etwa meldeten die Arbeitgeber der Mitteilung zufolge im Bereich Handel/Verkauf 200 Ausbildungsplätze . Darauf beworben haben sich aber lediglich 57 Bewerberinnen und Bewerber – das einspricht einem Verhältnis von 29 potenziellen Auszubildenden auf 100 Lehrstellen.

Ein Bewerber, fünf freie Plätze

Insgesamt suchten im Kreis über das Ausbildungsjahr hinweg 528 junge Leute nach einer Ausbildung. Das sind 237 Personen oder 31,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon gingen bis zum Stichtag 13 Jugendliche leer aus. Das sind exakt so viele Unversorgte wie ein Jahr zuvor. Die Arbeitgeber meldeten im demselben Zeitraum 621 offene Ausbildungsplätze . Das sind 111 Angebote oder 15,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon blieben 61 Lehrstellen offen. Damit standen jedem noch unversorgten Bewerber zuletzt rein rechnerisch rund fünf unbesetzte Lehrstellen gegenüber. red