Umbenennen, erläutern oder beibehalten: In vielen Städten und Gemeinden in Deutschland wird über den Umgang mit Straßennamen diskutiert, die aus heutiger Sicht nach geschichtlich zu hinterfragenden Personen benannt wurden. Inzwischen ist man bei der Namensgebung für Straßen deutlich sensibler geworden und dazu übergegangen, die Biografie einer Persönlichkeit in seiner Ganzheit zu betrachten und nicht nur einzelne Verdienste. Viele Straßennamen würden heutzutage gar nicht mehr gewählt. Auch in Herzogenaurach ist das Thema präsent.

Von Bürgerseite wurde die Befassung mit dem Namen Pfitznerstraße beantragt. Über den Namensgeber und deutschen Komponisten Hans Erich Pfitzner ist bekannt, auch nach Kriegsende 1945 eine antisemitische Haltung vertreten zu haben. Im April und Anfang Juni befasste sich der Ältestenrat der Stadt Herzogenaurach – bestehend aus allen Bürgermeistern , den Fraktionsvorsitzenden und dem dienstältesten Stadtratsmitglied – mit dem Umgang mit der Pfitznerstraße im Schleifmühlgebiet im Süden der Stadt .

Wie die Stadtverwaltung nun mitteilt, hat sich der Ältestenrat nach ausführlicher Beratung einstimmig entschieden und empfiehlt die Umbenennung der Pfitznerstraße. Diese leitet ihren Namen von dem historisch belasteten Komponisten und Dirigenten Hans Erich Pfitzner (1869 bis 1949) ab und soll nun in Schönthalstraße nach der jüdischen Komponistin Ruth Schönthal umbenannt werden. Am 24. Juni soll in der Bauausschusssitzung ein entsprechender Umbenennungsbeschluss gefasst werden.

Antrag kam von den Bürgern

„Straßen werden nach Menschen benannt, die in dieser Form besonders gewürdigt werden sollen. Die politischen Äußerungen von Hans Erich Pfitzner waren auch nach dem Kriegsende 1945 mit unmissverständlich antisemitischer Zielrichtung und machen ihn somit als Namensgeber für die Straße nicht mehr tragbar – unabhängig von seinen Leistungen als Komponist “, erläutert Bürgermeister German Hacker ( SPD ) die Entscheidung des Ältestenrats.

Der Impuls für die Umbenennung kam aus der Bürgerschaft. Es wurde ein Antrag auf Prüfung des Sachverhalts mit der Bitte um mögliche Umbenennung der Straße an die Stadt gerichtet. Der Wechsel von Straßennamen kann für betroffene Anwohner zum Teil aufwendig sein. Dokumente wie Personalausweis, Zulassungsbescheinigung, Versicherungspolicen müssen geändert werden. Die Stadt unterstützt laut Pressemitteilung betroffene Bürger, Kosten in Folge der Umbenennung können bei der Stadt geltend gemacht werden.

Als Entscheidungsgrundlage für den Ältestenrat prüfte das Stadtarchiv die Biografie des Komponisten Pfitzner. Es wurden sowohl mehrere Vorschläge für eine Umbenennung erarbeitet als auch Ideen geprüft, wie eine Beibehaltung des Straßennamens mit Erläuterung durch eine entsprechende Zusatztafel aussehen könnte. „Die historisch fundierten Recherchen, Ausführungen und Vorschläge des Stadtarchivs waren eine sehr gute Vorlage für den Ältestenrat. Für eine Umbenennung haben wir uns entschieden, nicht um geschichtliche Fakten auszublenden, sondern um den Anwohnern eine angenehme Identifikation mit ihrer Straße bzw. deren Namen zu ermöglichen“, so Hacker. Die Pfitznerstraße hat in den 1970er Jahren bei der Entstehung des sogenannten Komponistenviertels ihren Namen bekommen.

Wahl fällt auf ein Wunderkind

Da die Benennungen von Straßen innerhalb eines Viertels thematisch einheitlich nach dem Grundsatz der Raumgliederung sein sollen, musste der oder die neue Namensgeber/in ebenfalls ein Komponist oder eine Komponistin sein. In diesem Bereich wurden Straßen vor allem nach Männern benannt. Es war nur folgerichtig und „im Jahr 2021 an der Zeit“, dass die Wahl auf eine Frau bzw. eine Komponistin fällt, so das Ergebnis einer Vorberatung im Gremium. Für Ruth Schönthal hat sich der Ältestenrat entschieden, da sie mit ihrer jüdischen Herkunft einen deutlichen Kontrapunkt zur Vergangenheit Pfitzners darstellt. 1924 geboren, galt Ruth Schönthal als musikalisches Wunderkind und trat dem Stern’schen Konservatorium in Berlin schon im Alter von sechs Jahren bei. Sie wurde aufgrund ihrer jüdischen Abstammung im Jahr 1935 davon verwiesen. Ruth Schönthal machte sich als Komponistin und Pianistin einen Namen. Ihr Werk beinhaltet über 100 einzelne Kompositionen, darunter Opern und Ballette. red