Der 9. November wird oft als Schicksalstag bezeichnet. An diesem Tag wurde 1918 die Republik in Deutschland ausgerufen (Novemberrevolution), 1923 fand der Hitlerputsch in München statt, 1939 starteten die Novemberpogrome und am 9. November 1989 fiel die Mauer. Der 9. November ist heute vor allem ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus . Mit dem Lied „Bleib bei uns Herr“ und dem Segen durch Diakon Hans Scherbaum und Pfarrer Jens Arnold endete eine stimmungsvolle Gedenkfeier am jüdischen Gedenkstein im Zentrum von Adelsdorf . Im Friedensgebet gedachten zahlreiche Adelsdorfer zusammen mit dem Zweiten Bürgermeister Günter Münch (FW) und den beiden Geistlichen der ehemaligen jüdischen Bürger der Gemeinde, die durch die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ums Leben kamen. Musikalisch umrahmt wurde der feierliche Akt durch die Schola der Stephanskirche.

„In der Nacht auf den 10. November wurden im Dritten Reich – so auch in unserer Gemeinde – viele Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben“, erinnerte Münch. „Wir treffen uns heute Abend hier, um uns vor den Opfern des Naziregimes zu verneigen und um Frieden in der Welt zu beten.“ Pfarrer Arnold erinnerte an die Nächte von damals und Diakon Scherbaum ging auf den vorläufigen Höhepunkt der Judenverfolgung ein, der mit dem Völkermord endete.

Heute sei die Verkommenheit weit verbreitet und keine Besserung in Sicht. „Gedenken heißt immer erinnern. Ohne Erinnerung gibt es keine friedliche Zukunft!“, erklärte Scherbaum. 1933 hatte Adelsdorf 60 jüdische Einwohner. Mindestens 29 davon kamen ums Leben. Mit dem Frieden heute stehe es auch nicht gut. Denn es gebe wieder Angriffe auf Synagogen , Schändung jüdischer Friedhöfe und mehr. „Als Christen beten wir für den Frieden und als solche sollten wir Widerstand leisten gegen Radikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Wenn die Opfer vergessen werden, haben die Nazis gewonnen!“

Nach dem „Vater unser“ legten alle Teilnehmer nach jüdischem Brauch einen Stein auf das Denkmal .