Vorschläge aus der Praxis, wie dem Fachkräftemangel in der Gesundheits- und Sozialbranche begegnet werden kann, nimmt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gerne immer wieder auf. Wie aus erfahrenen Hilfskräften Fachkräfte werden können, das erläuterte der Geschäftsführer der sozialen Betriebe der Laufer Mühle, Michael Thiem, dem Minister.

Qualifizierungen und Schulungen für Hilfskräfte führen seit Jahren die Betriebsstätten aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt in Zusammenarbeit mit der IHK durch. "Für die Alltagspraxis sind diese Schulungen von hohem Wert", so Thiem, "aber die offizielle Anerkennung von Behördenseite blieb trotz mehrerer Anfragen aus." Gerne hätte man sich hier eine Prüfung vor Ort ebenso gewünscht wie die Befragung von Menschen, die diese Leistungen direkt erhalten haben. Leider blieben diese Anfragen im "Dickicht der Bürokratie" hängen.

Viele Arbeiten, die laut gesetzlicher Verordnung von Fachpersonal durchzuführen sind, könnten, so weiß Thiem dem Minister aus dem Arbeitsalltag zu berichten, auch von Hilfskräften, die eben dafür gesondert qualifiziert wurden, ausgeführt werden. Der Effekt würde sich in dreifacher Hinsicht zeigen: "Einerseits würden die Fachkräfte entlastet, anderseits die nachträglich qualifizierten Mitarbeiter aufgewertet und schließlich die Fachquotenproblematik im Unternehmen minimiert", argumentiert der Geschäftsführer gegenüber dem Minister.

Qualifikation wird nicht anerkannt

Konkret führt das Aischgründer Therapiezentrum seit Jahren in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Mittelfranken Schulungen und Fortbildungen für Mitarbeiter durch, die ursprünglich aus anderen Branchen kommen, aber in den Sozial- und Gesundheitsbereich gewechselt sind oder dort eine neue Herausforderung gesucht haben. Ihre ursprüngliche Fachqualifikation entspricht aber nicht den Qualitätsanforderungen im Sozialbereich, so dass diese wertvollen Mitarbeiter nur die Stellen von Hilfskräften besetzen können. Leider, so führt Thiem im Gespräch mit Minister Jens Spahn aus, werden diese umfangreichen Zusatzqualifikationen von den Kostenträgern wie beispielsweise den Bezirken nicht anerkannt.

Genauso verhalte es sich mit Menschen, die beispielsweise erfolgreich eine psychische Erkrankung überwunden haben und in der Arbeit mit sucht- und psychisch kranken Menschen sehr gute Betreuungs- und Beratungsarbeit leisten können. "Hier haben wir Experten, die aber als solche nicht fachlich anerkannt sind", berichtet Thiem dem Minister.

Der Ansatz der Nachqualifizierung von Betroffenen findet auf Anhieb die volle Zustimmung des Ministers. "Im nächsten Schritt müssen wir prüfen, welche politische Ebene für die Anerkennung zuständig ist", gibt sich der Minister zuversichtlich, der das Anliegen mit in die Bundeshauptstadt nimmt und sich für das Engagement in dieser Sache und die "fränkische Hartnäckigkeit" bei dem Versuch der Problemlösung bedankt. red