von unserem Mitarbeiter Gerold Snater

Königsberg — Nur wenige in Königsberg und darüber hinaus kennen ihn nicht, den kleinen, immer leicht nach vorne gebeugt gehenden Erwin Koch aus Unfinden. Den Mann, der sich seit vielen Jahren unermüdlich für Tschernobyl und die dort von der Reaktorkatastrophe betroffenen Kinder und die Region eingesetzt hat.
Seit 1991 tut der inzwischen 69-Jährige das selbstlos und mit ungeheurer Energie, die man dem kleinen Mann oft gar nicht zutraut. Unzählige Hilfstransporte wurden von ihm, oft unter größten Schwierigkeiten, organisiert, viele Geldspenden an die Stationen und Projekte in der Ukraine weitergegeben. Viel Zeit seines Lebens hat er damit verbracht, Sach- und Geldspenden zu sammeln. Meist stieß er dabei auf offene Ohren, zumal bekannt ist, dass er immer versucht, alle Spenden gerecht zu verteilen, dass sie auch dort ankommen, wo sie benötigt werden und vorgesehen sind.


Acht Tonnen Hilfsgüter

Doch nun ist Erwin Koch am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Aus gesundheitlichen Gründen kann er in Zukunft keine Hilfstransporte mehr in die Wege leiten. Der letzte fand im Juni/Juli dieses Jahres statt und umfasste insgesamt 120 Kubikmeter an verschiedenen Waren, die in Unfinden von fleißigen Helfern in einem Jumbo-Zug verstaut wurden. Jeder noch so kleinste Leerraum wurde dabei ausgenutzt, um rund acht Tonnen Kleidung, Schuhe, Betten und Spielzeug, 0,5 Tonnen für einen Malwettbewerb, eine Tonne Kranken- und Pflegebedarf, fünf Tonnen Geräte und 3,5 Tonnen Familienpakete zu verladen. Dringend benötigt werden dort immer noch, so Erwin Koch, als Folge der Tschernobylkatastrophe im April 1986 und der vielen daraus resultierenden Krebserkrankungen Windeln und Stomabeutel.


Kinder sollen sich erholen können

Doch solche Transporte wird es in Zukunft hier aus nicht mehr geben. Weiterhin unterstützen will Erwin Koch aber die Erholung von Kindern in der Region Tschernobyl und Tscherkassy. Dafür werden von ihm Spenden weiterhin angenommen und gezielt eingesetzt. Wie gut das Kindern tut, davon konnte sich Erwin Koch im Sommer dieses Jahres bei einem Besuch im Kindererholungsheim "Tschaijka" (die "Möwe") 150 Kilometer südlich von Kiew selbst überzeugen. Hier waren 41 Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren und vier Betreuer zur Erholung untergebracht. Dort wurden sie nicht nur untersucht und versorgt. Außerdem wurden ihnen, so Erwin Koch, die unterschiedlichsten Erfahrungen für die weitere Bewältigung ihres Lebens vor Ort mitgegeben.


Spenden helfen

Finanziert wurde dieser Aufenthalt durch private Spenden aus Unfinden und Königsberg sowie weitere private Spenden und durch den Verein "Hilfe für Tschernobyl-Kinder". Erwin Koch hofft, dass auch in Zukunft solche Aufenthalte angeboten werden können. Er will sich selbst persönlich dafür einsetzen, dass bei ihm eingehende finanzielle Mittel direkt dort ankommen, wo sie nötig sind. Selbstverständlich werden auch bestehende Patenschaften weiterhin gepflegt, versichert er.