Seit gut hundert Jahren haben Frauen hierzulande das aktive und das passive Wahlrecht. Doch es dauerte lange, bis Frauen tatsächlich in Parlamente oder kommunale Gremien einzogen. Dem Bayerischen Landtag von 1920 gehörten lediglich sechs Frauen, aber 152 Männer an. Zwischen 1919 und 1933 gab es im heutigen Landkreis Lichtenfels neben Hunderten von männlichen Stadt- und Gemeinderäten nur zwei weibliche Kommunalpolitikerinnen.

Eine von ihnen war die Lichtenfelser Sozialdemokratin Helene Sievers, die aus Braunschweig stammte. Die andere Stadträtin war Katharina Aschenbrenner in Staffelstein. Sie wurde am 9. April 1869 in Staffelstein als Katharina Maurer geboren. Ihr Vater, Anton Maurer, war Mühlarzt, er baute und wartete also Mühlen. Ihre Mutter Philippine war eine geborene Kotschenreuther. Der Familie gehörte seit 1881 das Haus Nr. 173 in der "Eisenbahnstraße", heute Bahnhofstraße 40. Die verwitwete Mutter und die erwachsene Tochter, die den Beruf einer Modistin ergriffen hatte, ließen 1912 das Haus aufstocken.

Den Anlass hierfür bot gewiss die Eheschließung von Katharina Maurer mit dem 49-jährigen Niederbayern Josef Aschenbrenner, der als Betriebsleiter des örtlichen Elektrizitätswerks nach Staffelstein gekommen war. Es stand auf dem Grundstück Bahnhofstraße 85 und war 1907 in Betrieb genommen wurden. Aschenbrenner starb bereits am 23. April 1921 an einem Stromschlag, den er bei der Arbeit erlitten hatte.

Auf chancenlosen Plätzen

Bei der ersten Stadtratswahl von 1919 finden sich Frauen auf den Staffelsteiner Listen nur auf hinteren, chancenlosen Plätzen: auf der sozialdemokratischen Liste auf dem 20. und damit letzten Rang, auf der 30 Namen umfassenden bürgerlichen Liste auf den Plätzen 22 und 29. Bei der Kommunalwahl von 1924 kandidierte die Witwe Katharina Aschenbrenner auf der Liste der Bayerischen Volkspartei, der katholischen Partei, für den Staffelsteiner Stadtrat und zog tatsächlich ins Gremium ein. Sie gehörte ihm jedoch nur eine Periode lang an. 1929 schied sie wieder aus - ebenso wie Helene Sievers in Lichtenfels, die gleichfalls Modistin war.

Über das Leben der alleinstehenden Katharina Aschenbrenner erfahren wir in der Folge nichts mehr. Wir wissen lediglich, dass eine Brauersfrau aus Staffelstein ab 1921 bei ihr beschäftigt war. Ferner ist überliefert, dass Katharina Aschenbrenner lange im Kirchenchor sang. Sie starb am 15. November 1947 in Staffelstein.

Sie wünschte sich testamentarisch, dass "sofort nach meinem Tode für mein und meines verstorbenen Ehemannes Seelenheil 150 heilige Messen in der Pfarrkirche Staffelstein" gelesen würden. Ihr Erbe traten Cousinen an, die ihre nächsten Angehörigen waren.

Auch wenn wir von ihrem politischen Wirken bisher nichts wissen, so ist es Katharina Aschenbrenner doch wert, dass sie als erste Frau im Stadtrat im Gedächtnis bleibt. Erst nach Jahrzehnten errang 1956 mit Sophie Dreßler (CSU) wieder eine Frau einen Sitz im Staffelsteiner Stadtrat. Doch ab der nächsten Wahl im Jahr 1960 war das Gremium wieder frauenlos - und blieb es erneut auf Jahrzehnte. Seit der jüngsten Wahl am 15. März 2020 entfallen sieben der 24 Stadtratsmandate in Bad Staffelstein auf Frauen.