Bamberg — "Manchmal könnte ich dich wirklich zum Mond schießen!" Henriettas Vater ist wütend. Ihre Hausaufgaben sind nicht gemacht, in ihrem Zimmer herrscht das reinste Chaos und ein Brief von der Schule an die Eltern liegt seit über einer Woche in der Schultasche der rebellischen Tochter. Als dann noch der Chef anruft und ihm weitere Arbeit aufbrummt, platzt dem Vater der Kragen. Verärgert bleibt Henrietta im AOK-Kindertheater in ihrem Zimmer zurück.
Ständig nur Regeln, Aufräumen, Händewaschen, Hausaufgaben - "ich muss hier mal raus". Praktisch, dass genau in dem Moment Herr Quassel, ein sprechender Kochlöffel, samt Rakete im Kinderzimmer landet. Am Montagmorgen war die Schauspielgruppe zu Gast in der Konzerthalle. Das Präventionsprojekt "Henrietta und Co. - Gesundheit spielend lernen" möchte dem Nachwuchs spielerische Impulse geben, sich mit wichtigen Themen wie Ernährung, Bewegung, Freundschaft und Mut auseinanderzusetzen.
Das Motto beim gestrigen Schauspiel lautete "Regeln und Rituale". Über 1200 Schüler aus der Region begleiteten Henrietta auf ihrem dritten Abenteuer. Nach Ausflügen zum Zirkus Fructonia und auf die Schatzinsel zog es sie diesmal zu den Sternen.


Benimm-dich-nicht-Gedicht

Fünf. Vier. Drei. Zwei. Eins, rufen die Kinder im Chor und die Rakete startet mit ihren Passagieren in die Schwerelosigkeit. Henrietta sehnt sich nach einem Ort, an dem sie nicht aufräumen muss, keine Hausaufgaben zu erledigen oder Elterngespräche zu überstehen sind. Auf einem recht unwirtlichen Planeten treffen die Abenteurer in einer Höhle auf Familie Zottel, die auf den ersten Blick wirken wie ein Haufen Wilder.
"Komm ich heut nicht, komm ich morgen, so haben wir keine Sorgen", singen sie. Gegessen wird mit den, selbstverständlich, ungewaschenen Händen und dazu brav am Tisch sitzen kommt nicht infrage. Doch selbst in dieser chaotischen Höhlen-WG gibt es Regeln. "Du sollst nie was wiederfinden", lautet die oberste Zottel-Vorschrift und vor dem Essen muss das "Benimm-dich-nicht-Gedicht" aufgesagt werden.
Nein, so nicht, denken sich Henrietta und Quassel, die sich spätestens, als ihnen zum Abschied ein stinkender Fisch überreicht wird, nach dem Händewaschen sehnen. "Mit Seife?" - "Nein, nicht gleich übertreiben!"


Tiptop ist top Tipp

Ein bisschen Ordnung wäre doch ganz schön. Gemütlich am Tisch sitzen und manchmal vielleicht auch aufräumen. Daten in den Computer eingegeben und die Rakete hebt erneut ab.
Nächster Halt, der Planet Tiptop mit seinen beiden Bewohnern Tip und Top. Was Familie Zottel an Ordnung und Regeln fehlte, haben diese leicht neurotisch wirkenden Wesen zu viel.
Ihre Heimat ist penibel gereinigt und alles fein säuberlich in einem einzigen Aktenschrank verstaut. Als in ebendiesen Aktenschrank auch Henrietta und ihr Kochlöffel sich für die Nacht betten sollen, beschließen die Reisenden, auch diesen Ort zu verlassen.


Alpha, Beta, Omega

Regeln für Regeländerungen, ein steriler Planet? So nun auch wieder nicht. Der dritte Himmelskörper, auf den sie Kurs nehmen, bietet den drei Außerirdischen Alpha, Beta und Omega Zuflucht, die ihre Heimatplaneten verlassen haben, um einen neuen nach ihren eigenen Idealen zu formen. "Es ist schön, wenn du weißt, wo du zu Hause bist", singen sie. Und da wird auch Henrietta bewusst, dass es auf der Erde, bei ihrer Familie wohl am doch Schönsten ist. Wieder zurück, räumt sie ihr Zimmer auf, versöhnt sich mit ihren Eltern und genießt mit ihnen das gemeinsame Abendessen am Tisch.


Regeln und Aufgaben

Die Schüler verfolgen das Abenteuer begeistert und interessiert, immer wieder brechen sie in Applaus und Gelächter aus. Im Anschluss an die Vorstellung bekommt jede Klasse noch eine Tasche mit Hausaufgabenheften und einer Sammlung von Gutscheinen, für Aktivitäten mit der Familie, einzulösen bei den Eltern. Außerdem können die Schüler ein kurzes Drehbuch über einen weiteren Planeten schreiben, der von Henrietta besucht wird. Unter allen Einsendungen wird ein Gewinner ausgewählt, dessen Stück gemeinsam mit der Siegerklasse auf die Bühne gebracht wird.