EckEhard Kiesewetter

Ebern — Sitzungen des Stadtrats Ebern geraten zunehmend zu Veranstaltungen epischen Ausmaßes. Fünfeinhalb Stunden brütete das Gremium am Donnerstagabend über einer komplexen Tagesordnung, knapp vier Stunden davon öffentlich.
Dabei blieben strittige Themen ausgespart, die im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt und etliche Zuhörer in die Frauengrundhalle gelockt hatten.
Eine Beratung über das Vorgehen in Sachen Waldfriedhof, wie sie Ratsmitglied Thomas Limpert (Freie Wähler) noch am Vormittag per Eilantrag gefordert hatte, lehnte Bürgermeister Jürgen Herrmann strikt ab. Er verwies auf die Geschäftsordnung des Stadtrates, wonach Anträge spätestens zehn Tage vor einer Sitzung vorliegen müssten. Nachträglich könnten sie nur aufgenommen werden, wenn eine Angelegenheit dringlich ist und sämtliche Mitglieder des Stadtrates zugegen sind. Beide Voraussetzungen seien nicht gegeben (drei Ratsmitglieder fehlten entschuldigt), weswegen er das Thema unter dem Punkt "Informationen" nur kurz ansprach. Eine Wortmeldung Limperts ließ er nicht zu.


Keine Wortmeldung erlaubt

Vorangegangen war eine Auseinandersetzung zwischen der Bürgerinitiative "Pro Beerdigungswald" und dem Bürgermeister. Die Initiative hatte Hennemann Untätigkeit vorgeworfen, nachdem sich in der Angelegenheit trotz Stadtratsbeschlusses über Monate hinweg nichts getan habe.
Der Bescholtene seinerseits schrieb die Verantwortung dafür den Stadtratsmitgliedern und Fraktionen zu. Trotz einer Vereinbarung aus dem April hätten diese nicht die Initiative ergriffen, Möglichkeiten für alternative Bestattungsformen aufzuzeigen. Diesen Vorwurf ("erst wollen sie es und dann machen sie nichts") hatte Thomas Limpert in der Sitzung ausräumen und weiteren Missständen vorbeugen wollen.
In der Sitzung blieb es, auch zur Enttäuschung manches Zuhörers, bei der dürren Information, dass sich der Bauausschuss in seiner nächsten Sitzung (13. Juni) mit dem Thema Begräbniswald befassen werde.


Thema: Fleisch in Flaschen

Auch auf Informationen zur Ansiedlung der Firma "Nutrition Solutions GmbH", die in der alten Kaserne Fleischdrinks in Flaschen abfüllen will, warteten die Zuhörer vergebens. Die angekündigte Firmenansiedlung hat in der Stadt Empörung ausgelöst, weil dafür ein Gelände direkt neben der Frauengrundhalle veräußert werden soll - das letzte Grundstück im Eigentum der Stadt, das als Gewerbefläche ausgewiesen und bereits erschlossen ist. Dieses "Filetstück" unter den Grundstücken im Stadtgebiet liegt direkt neben der Stadthalle. Viele Eberner finden, das Areal sollte im Sinne einer weitsichtigen Stadtentwicklung nicht zugebaut, sondern für kulturelle Veranstaltungen reserviert bleiben. Die CSU strebt deswegen ein Bürgerbegehren an.
Über das Thema hat der Stadtrat am Donnerstag laut FT-Informationen hinter verschlossenen Türen debattiert - kontrovers, wie es scheint. Eine abschließende Entscheidung über das Bauvorhaben jedenfalls kam angeblich nicht zustande.