In der Fraktionsbesprechung der Grünen per Web-Meeting wurde unter anderem das aktuelle Corona-Management der Bundesregierung angesprochen. Da war von konzeptlosen Entscheidungen die Rede. Themen "mit der höchsten Priorität seien aber der Klimawandel und der Umweltschutz ", so Fraktionssprecher Harald Kuhn.

Kritisch betrachten die Haßberg-Grünen den Rückbau des Atomkraftwerks in Grafenreinfeld. Dies werde zwar aktuell demontiert, das Zwischenlager für den Atommüll am Standort beherberge allerdings 53 Castoren à 126 Tonnen, was je Castor mehr als dem Gewicht der schwersten Diesellock der Deutschen Bahn entspreche. Diese Castoren seien auf eine Haltbarkeit von maximal 40 Jahren ausgelegt. Matthias Lewin äußerte seine Zweifel, dass in diesem Zeitraum ein sicheres Endlager gefunden werde. Fraktionskollege Hans Dünninger ergänzte: "Zwei Generationen nutzen die vermeintlich billige Energie aus der Atomtechnik und schaffen Probleme für 40 000 nachfolgende Generationen."

Zusätzliche Einlagerung?

Das ohnehin schon bestehende Problem mit diesem Atommüll werde nun durch die Absicht von Preussen Elektra verstärkt, schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem KKW Würgassen in das Zwischenlager Grafenrheinfeld einzulagern, so Harald Kuhn.

Bündnis90/Die Grünen im Kreis Haßberge lehnen die Einlagerung von Atommüll aus anderen Atomkraftwerken ab. "Zum einen gibt es so einen unnötigen Transport radioaktiven Materials zum Nachteil der Bevölkerung . Zum anderen werden die Sicherheit der Anlage und das Risiko von Anschlägen durch den Atommülltourismus nicht besser", betont Lewin.

Die Fraktion der Haßberg-Grünen schließt sich deshalb der Forderung der Schweinfurter Grünen an, die Einlagerung von "fremden" radioaktiven Abfällen in Grafenrheinfeld zu untersagen, da dies das Risiko für die Bürger unnötig erhöhe.

Fraktionssprecher Harald Kuhn berichtete von einer weiteren "Baustelle" in Schweinfurt. Demnach sollen freigemessene Abfälle aus dem Betrieb- und Rückbau des KKW Grafenrheinfeld im nahe liegenden Müllheizkraftwerk Schweinfurt, an dem auch der Landkreis Haßberge beteiligt ist, verbrannt werden. Ursprünglich, so Kuhn, war dafür das technisch besser als Schweinfurt ausgestattete Müllheizkraftwerk in Schwandorf vorgesehen. Nach Bürgerprotesten vor Ort wurde die Verbrennung dieses Abfalls in Schwandorf abgelehnt.

Verbrennung untersagen

Nach Ansicht der Grünen würde der Atommüll durch die Verbrennung nicht restlos beseitigt, sondern nur großflächig verteilt. Man fordere deshalb, die Verbrennung von "freigemessenem" Müll im GKS Schweinfurt zu untersagen. Wenn dieser Müll thermisch behandelt wird, müsse sichergestellt sein, dass dieser separat in Anlagen mit entsprechender Filtertechnik verbrannt wird.

Norbert Zösch berichtete von aktuellen Entwicklungen auf dem Markt der erneuerbaren Energien . Mittlerweile sei Energie aus Wind und Sonne wirtschaftlich und trage zum "Global-Cooling" der Erderwärmung bei. "Der sogenannte billige Atomstrom ist eine riesige Hypothek für zukünftige Generationen. Wir brauchen dringend den Ausbau von Windenergie in unserem Landkreis", so der Leiter des Stadtwerks Haßfurt. Es sei positiv, dass im Kreis zusätzliche Photovoltaikflächen möglichst in Bürgerhand entstehen, "aber wir brachen genauso dringend den Ausbau der Windkraft vor Ort in Bürgerhand", so Zösch.

Für die kommende Kreistagssitzung bereiten die Haßberg-Grünen drei entsprechende Anträge vor. red