und Brigitte Krause

So richtig klar war Elias seine Zukunft nicht. Es brauchte schon ein paar Praktika für den Neuntklässler der Dr.-Auguste-Kirchner-Hauptschule in Haßfurt , dass er die Richtung für sein Leben erkannte: „Die Berufsfindung war am Anfang nicht so leicht.“

Elias Krines, heute 17 Jahre, begann am 1. September die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Knetzgau. Das ist gut, denn der junge Mann kommt aus Zell am Ebersberg, einem Knetzgauer Gemeindeteil, und so hat er es nicht allzu weit zu seinem Ausbildungsplatz im Knetzgauer Rathaus. Hier durchläuft er alle Bereiche und am Ende der dreijährigen Ausbildung wird festgelegt, wo der Jugendliche zukünftig seinen Arbeitsplatz einnimmt. Besser geht’s doch nicht?

Geholfen hat dem Neuntklässler seinerzeit die Berufsberatung . Passend zum betriebswirtschaftlichen Zweig, den er in der Schule besuchte, wollte er sich zwischen einer Tätigkeit im Handwerk oder im Büro entscheiden. Dazu durchlief er Praktika als Elektroniker, Lebensmitteltechniker und Bauzeichner. Praktika im Büro waren wegen Corona nicht möglich. Letztendlich konnte Elias durch die Praktika für sich einen Beruf im Handwerk ausschließen. Das Aufgabengebiet in seinem Ausbildungsberuf findet der Jugendliche interessant und vielseitig. Und: „Die Wohnortnähe passt auch“.

Die Berufsberatung musste im Zeichen der Corona-Pandemie große Herausforderungen stemmen. Wie sich die Pandemie auf den Ausbildungsmarkt im Landkreis Haßberge auswirkte, darauf gingen Franziska Schnitzer, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Haßfurt , und Berufsberater Peter Stretz bei einem Pressegespräch ein. Beide zogen Bilanz für das Berufsjahr, das sich von Oktober 2020 bis September 2021 erstreckt.

Als einen „Orientierungslockdown“ bezeichnete Stretz den Berufswahlprozess vor allem im zweiten Schulhalbjahr 2020. Fast über das gesamte Beratungsjahr gab es Einschränkungen: geschlossene Schulen, kein persönlicher Publikumsverkehr in den Arbeitsagenturen, keine persönlichen Beratungsgespräche mit Schülern, Lehrern und Eltern. Auch die Praktika – eine wichtige Säule der beruflichen Orientierung für die Schüler – waren nur eingeschränkt möglich. Dennoch habe der Ausbildungsmarkt laut Stretz nicht gelitten. Die bisherigen Angebote wurden angepasst, und die Berufsberatung arrangierte sich mit virtuellen Berufsorientierungs- und Elternveranstaltungen. Die berufsberatenden Gespräche fanden am Telefon oder per Video statt. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sei erneut leicht gesunken, hieß es. Dies dürfte aber auch in diesem Jahr auf einen Corona-Pandemie-Effekt zurückzuführen sein. Die Zahl der Bewerber sank gleichzeitig.

Deutlich positiver Trend

Von einem positiven Trend spricht Berufsberater Stretz bezüglich der Berufsausbildung . 78 Prozent der Bewerber mündeten in eine Berufsausbildung . Damit weist der Landkreis Haßberge im Agenturverbund die höchste Integrationsquote auf.

Bei 530 offenen Stellen für 450 Bewerber im Landkreis Haßberge – im Jahr 2010 gab es 455 Stellen für 793 Bewerber – waren die Chancen gut, einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Bürgermeister Stefan Paulus legt Wert darauf, das Personal selbst auszubilden. Damit sei die Gemeinde seit Jahren gut gefahren.

Der Bürgermeister sieht sich verpflichtet, jungen Menschen eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. An Bewerbungen mangelte es laut Paulus nicht. An die 30 junge Leute wollten im Rathaus Knetzgau eine Ausbildung beginnen. Da sieht es im Handwerk anders aus, wie Elektromeister Maximilian Schenk aus Knetzgau sagte: „Die Auszubildenden im Elektrohandwerk sind eher rar.“ Für 2021 konnte er keinen Lehrling einstellen. Für 2022 sind die Bewerbungen am Laufen.

Körperliche Beanspruchung

Aber wie es momentan ausschaut, kommt das Handwerk laut Schenk eher ins Hintertreffen. Wobei Lohngefälle und körperliche Beanspruchung hier wohl eher abschrecken, wie Schenk zugibt. Auch die Wohnortnähe spiele bei der Auswahl eines Ausbildungsplatzes mittlerweile eine große Rolle. Im Bauhandwerk sieht es nicht ganz so düster aus. Laut der Baufirma Einbecker aus Knetzgau gibt es je Ausbildungsjahr einen Auszubildenden . Alle drei entschieden sich durch ein Praktikum für eine Ausbildung am Bau.