Der frühere Bäckermeister Manfred Sesselmann aus Trebgast ist ein gutmütiger und weltoffener Mensch, aber wenn es darauf ankommt, kann er zu einem streitbaren Zeitgenossen werden. Was ihn derzeit umtreibt, ist die Planung des Main-Radwegs von Schlömen nach Trebgast und weiter nach Feuln. Seine Kritik gilt dabei dem Kulmbacher Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Jürgen Tesarczyk. Der hatte sich zuletzt dafür stark gemacht, dass der Main-Radweg seinen Namen endlich auch zu Recht tragen sollte (wir berichteten).

Von der Quelle des Weißen Mains im Fichtelgebirge bis zum Mainzusammenfluss bei Steinenhausen führt die Route Tesarczyk zufolge mehr als 17 Kilometer gar nicht am Fluss entlang, sondern überwiegend an der Schorgast. Dass der ADFC-Vorsitzende nun einen Radweg von Kauerndorf bis Trebgast vorgeschlagen hat und bereits ein erster Planentwurf für die Trasse von Schlömen nach Trebgast besteht, wurmt Manfred Sesselmann. Er blickt acht Jahren zurück, als man der Gemeinde Trebgast eine Unterschriftenliste vorgelegt habe, auf der sich 97 Prozent der Grundstückseigentümer im Tal gegen diese Radwege ausgesprochen hätten. "Es betraf die Wege vom Feuerwehrgerätehaus Trebgast bis nach Schlömen und von Feuln bis Trebgast in der Au. Wir haben dem Bürgermeister eine Liste übergeben, auf der auch 130 Trebgaster zusätzlich unterschrieben hatten, die auch gegen einen Ausbau zum Radweg sind."

Eigentümer geben nichts her

Zu den Befürwortern zählten nach den Worten Sesselmanns nur das Wasserwirtschaftsamt Hof und das Landratsamt Kulmbach sowie ein privater Grundstücksbesitzer. Dabei fehle bei beiden Wegen die notwendige Breite von 3,50 Metern, zu Grundabtretungen seien die Eigentümer nicht bereit.

Das entscheidende Kriterium für die strikte Ablehnung der beiden Routen sei aber die Ausübung der Jagd in diesem Tal. "Unser Jäger ließ uns wissen, dass er die Jagd dann hinschmeißen würde", so Sesselmann. Man habe in dem Bereich bereits riesigen Ärger mit Mountainbiker, die im Juli querfeldein durchs hohe Gras und damit durch die Futterflächen für die Tiere fahren würden. "Wir wollen das nicht. Wir lehnen keinen Radweg ab, sondern nur die beiden Trassen." Man müsse doch den Wunsch der Grundstückseigentümer und großer Teile der Bevölkerung akzeptieren.

Die bessere Alternative ist für Sesselmann ein neuer Radweg neben der Staatsstraße.

Doch noch etwas anderes liegt Sesselmann derzeit im Magen: die Kosten für den Brückenbau am Ende der Heugasse in Trebgast. "Die Brücke kostet uns Anlieger bis jetzt 30 000 Euro und der Gemeinde 20 000 Euro. "Da hat damals ein überaktiver Bürgermeister rechtswidrig gehandelt, weil er die Brückenpfeiler auf fremden Grund und Boden setzte." Und genau an dieser Brücke soll das letzte Teilstück des Radwegs durch das Weißmaintal enden. Hier gibt es einen öffentlichen Feld- und Waldweg, für den die Anlieger bauunterhaltspflichtig sind, aber weder Manfred Sesselmann, noch 14 weitere 14 Grundstückseigentümer wollen, dass dieser ausgebaut wird.

Die Bürgermeister Herwig Neumann (Trebgast) und Alexander Wunderlich (Neuenmarkt) wollen aber nichts unversucht lassen, um vielleicht doch eine tragbare Lösung finden. Wunderlich: "Ich denke, dass die Belange der Grundstückseigentümer und der Radfahrer berücksichtigt werden müssen. Aber seit mehreren Jahren sind die Gemeinden Neuenmarkt und Trebgast interessiert, diese Lücke zu schließen." Die Radfahrer und Wanderer würden natürlich lieber einen Weg durch ein ländliches Gebiet nutzen als an einer Staatsstraße entlang. Jetzt gehe es darum, die Fronten zu klären.

Herwig Neumann räumt ein, dass er mit Sesselmann schon des Öfteren gesprochen habe. Für ihn, so der Trebgaster Rathauschef, wäre die ideale Wegführung von Trebgast nach Schlömen am Bahndamm entlang. Rei.