Der Gemeinderat Reichenbach genehmigte am Dienstag das Betreiberkonzept für das Anwesen Rennsteigstraße 16. Fabian Höhne von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft Nürnberg stellte das von seinem Büro erarbeitete Betreiberkonzept einer touristischen Unterkunft vor. Gemeinsam mit den Gemeinderäten habe man sich Gedanken für ein regionales Nachnutzungskonzept gemacht und verschiedene Varianten durchgespielt.

"Der Tourismus in Deutschland und im Frankenwald ist aktuell wieder steigend. Es fehlen jedoch moderne und ansprechende Unterkünfte", resümierte der Projektleiter. Die Zielgruppe seien Aktiv- bzw. Kurzurlauber, die das Naturerlebnis, die Ruhe und Entschleunigung suchten sowie regionalen Genuss erleben wollten. Als Preisgefüge erachtete er 27 Euro pro Nacht und Person als angemessen. Das Raumkonzept habe das Büro anhand der drei Kubaturen - ehemalige Scheune, ehemalige Stallung und ehemaliges Wohnhaus - entwickelt.

Das ist geplant

Für die Scheune schlug er einen Ersatzneubau vor, der sich an der Kubatur der Stallung orientiert, so dass es bei der angestammten L-Form bliebe. Entstehen sollen im Erdgeschoss Toiletten für das Café und ein Fahrrad-Verleih sowie im Obergeschoss Toiletten und Duschen, ein Aufenthaltsraum sowie eine Gemeinschaftsunterkunft. Das ehemalige Wohnhaus soll zum Übernachtungsquartier umgebaut werden mit öffentlichen Toiletten für den Spielplatz im unteren Geschoss sowie jeweils vier Doppelzimmern mit Sanitärzellen im Erd- und Obergeschoss. Im bestehenden Stallgebäude ist im Erdgeschoss ein Café mit Küche inklusive Terrasse angedacht sowie im Obergeschoss eine Gemeinschaftsunterkunft.

Insgesamt rechnet man mit Kosten von 1 726 807 Euro. Das Projekt sei grundsätzlich städtebaurechtlich förderfähig, wobei sich hier der Fördersatz auf 90 Prozent belaufen würde. Der genaue Wert sei aber anhängig davon, was die Regierung als "Einnahmen schaffend" anerkenne.

Für ein Betreibermodell habe man drei Alternativen beleuchtet: Szenario 1 die vollständige Verpachtung, Szenario 2 eine Teilverpachtung und anteiliger Eigenbetrieb durch die Gemeinde sowie als Szenario 3 den vollständigen Eigenbetrieb durch die Gemeinde.

Der Mittelweg

Bei einer vollständigen Verpachtung müsse sich zwar die Gemeinde relativ wenig kümmern; jedoch gebe sie dabei das Objekt komplett außer Hand. Ein vollständiger Eigenbetrieb mit einem Kommunalunternehmen oder eigenen Mitarbeitern sei schwierig für eine Gemeinde zu stemmen, zeige die Erfahrung.

Am zielführendsten sei Szenario 2 mit einem Herauslösen der Außenflächen. Der Naherholungsbereich bleibe damit in der Pflege der Kommune bzw. des Bauhofs, wodurch man dessen Qualität sicherstelle. Der Betreiber zeichne lediglich für den gastronomischen Bereich, eventuell auch noch für den Verleih der E-Bikes verantwortlich.

Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung ging man von einer Auslastung von 20 Prozent im ersten Jahr und einer entsprechenden Steigerung in den Folgejahren aus. Notwendig würden für den Betreiber je zwei Vollzeitmitarbeiter sowie unterstützende Minikräfte. Die Summe, mit der der Betreiber ohne Mietzahlung geradeso wirtschaften könne, liege daher so knapp um die 9000 Euro.

Üblich bei ähnlichen Projekten seien eine geringe Pacht sowie umsatzabhängige Bonuszahlungen am Jahresende. Da man dadurch ein Angebot für Gäste und Einheimische schaffe, sollte man den Pachtzins klein halten. Einen nachhaltigen Betrieb des Anwesens als Übernachtungsbetrieb mit Tagesgastronomie erachtete Höhne als möglich.

Laut Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) sei die zuständige Sachbearbeiterin der Regierung von den ihr bereits vorgelegten Planungen sehr angetan. "Sie würde den Weg mitgehen", mutmaßte Ritter, der die Pläne ebenfalls zusagten.

Johannes Förtsch (CSU) fragte nach der Bindungsfrist einer touristischen Nutzung, sollte das Konzept doch nicht funktionieren. Die Frist sei, so Geschäftsstellenleiter Sven Schuster, abhängig vom zum Tragen kommenden Förderprogramm, was aktuell noch nicht feststehe. Bei der Städtebauförderung wären dies 25 Jahre. Die Regierung sei hier jedoch relativ pragmatisch, ergänzte Höhne. Man würde sicherlich niemandem ein nicht funktionierendes Konzept 25 Jahre ans Bein binden.

Wird das Projekt zu teuer?

Bedenken äußerte Johannes Förtsch (CSU) auch hinsichtlich des wohl mit zwischen 250 000 Euro und 300 000 Euro zu Buche schlagenden Eigenanteils. "Die Frage ist, ob wir uns damit im Hinblick auf unseren Haushalt nicht verrechnen", gab er zu bedenken, dass andere wichtige Großprojekte wie die Turnhalle und der Straßenbau anstehen. Man sollte sich genau überlegen, welchen Mehrwert man sich dadurch für sehr viel Geld erkaufe.

Seine Gremiumskollegen sahen dies anders. "Dann hätten wir das gleich nicht kaufen brauchen, wenn wir jetzt nichts draus machen", argumentierte Zweiter Bürgermeister Rudi Neubauer (CSU), zumal es in den umliegenden Gemeinden keine Übernachtungsmöglichkeiten gebe. Auch die Bürgermeisterin appellierte, das Objekt in der Betrachtungsweise nicht auf die Kosten zu reduzieren. Man baue auch den Spielplatz für 500 000 Euro, um die Gemeinde attraktiv zu gestalten. "Soll Reichenbach im Dornröschenschlaf bleiben?", fragte sie. Die Haushaltslage habe man im Blick. Man habe in den vergangenen Jahren jährlich ein Plus von 300 000 Euro erwirtschaftet; in den kommenden Jahren rechne man jeweils mit rund 200 000 Euro. "Was haben wir von einer Million Rücklage?", stellte sie in den Raum. Durch das Projekt schaffe man einen Mehrwert gerade auch für die Bevölkerung, beispielsweise mit dem Veranstaltungsraum, den jeder Bürger für eine Feier nutzen könne.