Matthias Einwag Der lange Arm eines Autokrans streckt sich an diesem sonnenhellen Herbsttag in den blauen Himmel. Der lange Knickfinger ist zwischen den beiden wuchtigen Türmen der Barockbasilika weithin zu sehen. Das Staatliche Bauamt Bamberg, das für die Wallfahrtskirche zuständig ist, lässt Handwerker mit Hilfe dieses Hubsteigers die goldenen Sonnen auf den Turmspitzen der Basilika neu befestigen.

Aber warum wurden die beiden Sonnen von den Türmen genommen? "Es handelt sich hierbei um eine Vorsorgemaßnahme", erklärt Sabrina Hörl, die Pressesprecherin des Bauamts. "Die Sonnen wurden abmontiert, weil sich aufgrund statischer Berechnungen gezeigt hat, dass die bisherigen Konstruktionen anfällig für markante Wetterereignisse, wie beispielsweise starken Wind sind", ergänzt sie.

Deshalb mussten die Befestigungen der beiden vergoldeten Turmspitzen leicht verändert und die Halterungen der Sonnen statisch ertüchtigt werden.

Die beiden Sonnen, die einen Durchmesser von 1,70 Meter haben, wurden vor wenigen tagen wieder auf den Turmspitzen in über 70 Meter Höhe montiert, wofür der Hubsteiger eingesetzt wurde.

Die Wallfahrtsbasilika steht an jenem Ort, an dem der Überlieferung zufolge ein Schäfer namens Hermann Leicht 1445 mehrere Erscheinungen hatte. Ihm erschien dort das Christkind inmitten von vierzehn weiteren Kindern. Dem Wunsch des Christkinds folgend, wurde an dieser Stelle zunächst eine Kapelle gebaut, die im 18. Jahrhundert durch eine Barockbasilika nach Plänen von Balthasar Neumann ersetzt wurde.

Es ist anzunehmen, dass die Sonnen erst nach dem Brand in den 1830er Jahren auf die Türme gesetzt wurden. Symbolisch stehen die Sonnen mit ihren jeweils vierzehn Strahlen wohl für das Christkind und die vierzehn Heiligen. Die beiden Türme werden auch als brennende Kerzen gedeutet - die Sonnen als die stilisierten Kerzenflammen hiervon.