Manfred Wagner

Die Ecstasy-Tabletten, schilderte der 20-jährige Angeklagte, habe er immer nur an Wochenenden eingeworfen, wenn eine Fete oder Party anstand. Etwa 15 Pillen habe er bei diesen Gelegenheiten konsumiert, führte er weiter aus. Das Jugend-Schöffengericht in Haßfurt am Amtsgericht nahm ihm ab, dass die Drogen, die die Polizei bei zwei Hausdurchsuchungen konfisziert hatte, zum Eigenverbrauch und nicht zum Handeltreiben bestimmt waren. Da der Bursche jedoch zwei einschlägige Vorstrafen hat, muss er für 14 Tage in den Dauerarrest.
Staatsanwalt Ralf Hofmann verlas in seiner Anklageschrift zwei Vorfälle. Zum einen stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung am 23. Februar dieses Jahres 36 Ecstasy-Tabletten sicher. Die, erklärte der Beschuldigte, seien von der Silvesterfeier übrig geblieben. Und zum anderen ging es um das, was am 4. August passiert ist. An diesem Sommertag kontrollierten Beamte den Heranwachsenden im Bereich des Haßfurter Bahnhofes. Dabei fanden sie 2,05 Gramm Haschisch. Bei der folgenden erneuten Durchsuchung seines Zimmers tauchten noch einmal 19 Ecstasypillen auf.
In seiner Stellungnahme stellte Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich klar, dass der junge Mann an der Schwelle zum Erwachsenen eigentlich über gute Potenziale verfüge. Immerhin hat er seine Mittlere Reife bestanden. Aber schon die dann folgende Berufsausbildung hielt er nicht bis zur Abschlussprüfung durch. Dass dieser zurzeit ziemlich desorientiert ist, war offensichtlich. Er kam fast eine Stunde zu spät zu dem Prozess, weil er sich nach eigener Angabe in der Uhrzeit geirrt hatte.
Der Pädagoge zeigte auf, dass der momentan Arbeitslose aus einem äußerst problematischen Elternhaus stammt. So habe es bei beiden Elternteilen eine ausgeprägte Suchtproblematik gegeben. Dass sich nun diese negative Biografie der Eltern wiederhole, sei jammerschade, betonte Heinrich. Um nicht vollends im Drogensumpf zu versinken, benötigt der Junge nach seiner Einschätzung in erster Linie medizinisch-therapeutische Hilfe sowie Unterstützung.
Der Vertreter der Anklage wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der Angeschuldigte bereits 2015 einen Jugendarrest abgesessen hat. Dies habe ihn jedoch nicht davon abgehalten, erneut straffällig zu werden. Von daher hielt er rein erzieherische Maßnahmen nicht mehr für ausreichend und forderte eine empfindliche Jugendstrafe von sieben Monaten.
Das Schöffengericht unter Vorsitz von Jugendrichter Martin Kober entschied sich für den Dauerarrest, kombiniert mit der Anweisung, drei Termine bei der Suchtberatung wahrzunehmen. Dies, so Kober, sei ein erster Anstoß zu einem vielleicht drogenfreien Leben. Er entließ den Verurteilten mit den Worten: "Was Sie daraus machen, ist alleine Ihre Sache!" Der Staatsanwalt ließ noch offen, ob er gegen das in seinen Augen ziemlich milde Urteil in Berufung geht.