Im Mittelpunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung in Reckendorf stand die Diskussion zur "Fortschreibung des Regionalplans Oberfranken West". Bei der Flurnummer 782 in der Gemarkung Reckendorf handelt es sich um ein Areal, das zwischen Schreinerei und Ziegelei am nördlichen Ortsausgang als Gewerbegebiet ausgewiesen werden sollte, obwohl es bereits als Vorranggebiet für Bodenschätze vorgesehen war. Der Beschluss hierzu stammte aus der Sitzung vom 14. Mai 2019. Die dort eingetragene Fläche für den Tonabbau sollte damals nicht näher als 130 Meter zur Bundesstraße B 279 angrenzend ausgewiesen werden.

Einführend beteuerte Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD), dass er viele Anfragen wegen einer Gewerbeansiedlung in Reckendorf bekäme, jedoch keine ausgewiesenen Flächen anbieten könne. Trotz des eingetragenen Vorranggebietes hätte sich die Ziegelei Götz grundsätzlich bereiterklärt, der Errichtung eines Gewerbegebietes zuzustimmen.

Im Anhörungsverfahren habe sich aber jetzt herausgestellt, dass auf dem Nachbargrundstück des Betriebes bereits eine rechtsgültige Abbaugenehmigung vorliege. Von der Ziegelei sei daher der Vorschlag gekommen, dieses Grundstück aus dem Plan herauszunehmen und das Gebiet im Westen zu vergrößern, woraufhin auch der Antrag im laufenden Verfahren entsprechend abgeändert wurde.

Gravierender Einschnitt

Allerdings habe der Regionsbeauftragte der Regierung von Oberfranken, Harald Frauenknecht, darauf aufmerksam gemacht, dass man in diesem Fall das jetzige Verfahren beenden und ein neues beauftragen müsse, berichtete der Bürgermeister. Dieser Veränderungsvorschlag stelle einen gravierenden Einschnitt in den ursprünglichen Antrag dar. Der Vorschlag des Sachbearbeiters lautete hingegen, den Antrag so zu belassen, mit dem Bewusstsein, dass dort auf dieser Abbaufläche kein Gewerbegebiet ausgewiesen werden kann.

Als Bürgermeister, so Deinlein, habe er mittlerweile auch der Ziegelei schriftlich zugesichert, dass auf dieser Fläche kein Gewerbegebiet erweitert werden würde. Im Gegenzug hätte man den Zugriff auf eine Ausdehnung nach Westen ins Auge gefasst.

In den nächsten drei bis vier Jahren soll die Kartierung der Bodenschätze im Regionalplan erneut geprüft werden, so dass dann die südwestlich gelegenen Gebiete ohne Antrag neu ins Spiel gebracht werden könnten. Die Fläche Nummer 782 könne inzwischen als Parkplatz benutzt werden.

Bernhard Müller (SPD) brachte den Einwurf, es wäre doch besser, gleich das ganze Gebiet auszuweisen, dann wäre das Gewerbegebiet drei Hektar groß. Auch Ludwig Blum erschien die komplette Ausweisung die bessere Lösung, "denn in zwei Jahren wird dann wieder gestückelt". Darauf erinnerte Bürgermeister Deinlein: "Die Interessenten scharren mit den Hufen". Mit einem halben Jahr Wartezeit sei es nicht getan, ergänzte er, und es müsse parallel dazu ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Hierfür könne er schon in der nächsten Sitzung das Honorarangebot einer Planungsfirma vorlegen lassen. Die Vergabe soll allerdings erst nach dem 23. November erfolgen, wenn der Regionale Planungsverband getagt habe. Auf den Einwand von Markus Sippel (WBFW), "was passiert, wenn von den drei Eigentümern zwei einen Verkauf ablehnen", konterte der Bürgermeister: "Ich habe die größere Sorge, dass ein Interessent woanders baut".

Viele Fragen bleiben offen

Viele Fragen blieben in der Sitzung offen - etwa, wie viel Fläche die Gewerbetreibenden eigentlich benötigen, wohin das Abwasser fließt, ob es denn überhaupt für die Gemeinde wirtschaftlich sei, wenn das Gebiet kleiner wird, oder ob das Vorgehen überhaupt richtig sei, wenn die Erschließungskosten nicht tragbar seien. Dennoch war sich das Gremium am Ende einig, die Gewerbetreibenden am Ort halten zu wollen. Ergebnis des einstimmigen Beschlusses: Das Gewerbegebiet wird nicht auf die Flurnummer 782 erweitert. Allerdings, so forderte Ludwig Blum (CSU), sollen in der Zwischenzeit mit den Eigentümern Verkaufsgespräche geführt und Vorverträge geschlossen werden, was der Bürgermeister abschließend auch zusicherte.