Was spielt sich eigentlich wirklich hinter den Türen der Zweibett-Zimmer unserer Seniorenheime ab? Gibt es hier eine Dunkelziffer, was Gewalttätigkeiten unter meist willkürlich zusammengestellten Zimmer-Genossen anbelangt? Ist Breitengüßbach die Spitze eines Eisbergs, die nur deshalb publik wurde, weil ein Beteiligter verstorben ist, und dadurch öffentliche Stellen einbezogen wurden? Möglicherweise.
Gleusdorf steckt allen in den Knochen. Zu Recht. Gleusdorf hat uns hellhörig gemacht. Das ist gut so, soll aber nicht automatisch heißen, dass jedes Heim ein Horror-Heim ist. Gleich ist jedoch allen Senioreneinrichtungen, dass die Versorgung alter Menschen immer eine Gratwanderung mit vielen Grauzonen ist. Für das Personal, das Emotionen einbringen, sich aber auch selbst schützen und in der Hauptsache dokumentieren muss. Fakt ist auch, dass unser Gesundheitssystem nicht dafür ausgelegt ist, dass alte Menschen genügend von dem bekommen, was sie jenseits medizinischer Versorgung und der mit Nahrung und Haushaltsdienstleistungen benötigen: großzügige Zuwendung und Aufmerksamkeit, kurzum Zeit und Einsatz. Damit ließen sich mehr Bedürfnisse befriedigen, Wünsche erfüllen, Probleme erkennen und vielleicht größere vermeiden.