"Wenn ich im Rückblick über alles nachdenke, steigen mir vor Dankbarkeit Tränen in die Augen" sagt Karin Fenzl. Die 53-Jährige aus Heroldsbach gehört zum ehrenamtlichen Team des "Wünschewagens Franken". Als er vor rund einem Jahr auf Initiative des ASB seine erste Fahrt antrat, war die Mutter dreier erwachsener Söhne bereits dabei.

Noch einmal im Leben die Donau befahren, im Tiergarten Nürnberg die Tiere füttern, eine Kirche besuchen und mit einem Pastor singen und beten... All das sind letzte Wünsche von Sterbenskranken, die wahr geworden sind. Karin Fenzl hat es hautnah miterlebt. Fünf Menschen hat sie schon auf ihrer letzten Fahrt begleitet. Dieser Tage nun überreichte sie dem Arbeiter-Samariter-Bund in Forchheim einen Scheck über 3575 Euro. Gedacht für den Wünschewagen Franken, gespendet mit Herz und erzielt durch eine ungewöhnlichen Aktion.

Schon Anfang März war die Idee dazu geboren worden. Karin Fenzl bat damals um die Unterstützung der Stricklieseln, eine Gruppe von Frauen, die regelmäßig in den Räumen des Heimat- und Trachtenvereins Heroldsbach zum Stricken zusammen saß. "Mein Plan ist - Ihr strickt fleißig Socken, Tücher, Loops und Stulpen, damit wir richtig tolle Sachen zum Verkaufen haben", hieß es in der kurzen Nachricht, die sie an die etwa 15 Frauen der Gruppe sandte.

Der Aufruf zugunsten des Wünschewagens stieß auf riesige Resonanz. Und er sprach sich wie ein Lauffeuer rum. Am Ende waren es 20 Frauen, die sich beteiligten. Freundinnen und Bekannte ließen es sich nicht nehmen, fleißig mitzumachen. "Manche haben gleich fünf Tücher gestrickt oder zehn Paar Socken", erzählt Karin Fenzl voller Freude. Wohlgemerkt: Für ein einziges Tuch benötigt man, je nach Muster und Meteranzahl, bis zu 50 Arbeitsstunden!

Am Ende jedenfalls türmten sich 60 schöne Tücher und ca. 70 Paar Socken in allen Größen - um nur einiges zu nennen. Das entspricht etwa 75 000 Metern Wolle, die durch die Hände der Stricklieseln liefen. "Jedes einzelne Stück wurde liebevoll etikettiert, mit dem Namen der Strickerin, einem Pflegehinweis und zuletzt noch mit einem kleinen Schutzengel aus Perlen" versehen, berichtet Fenzl. Übrigens: Einige ihrer Helferinnen investierten nicht nur ihre freie Zeit umsonst, sondern erwarben zudem auf eigene Kosten die Wolle. Und wer nicht stricken konnte, spendete Geld.

Anfangs hatte Fenzl davon geträumt, all die schönen Dinge auf dem Weihnachtsmarkt im Dorf verkaufen können. Als jedoch ein Weihnachtsmarkt nach dem anderen coronabedingt abgesagt werden musste, wurde notgedrungen umgeplant. So kam es zum Verkaufsstand auf der heimischen Terrasse in Heroldsbach. Potenzielle Käufer wurden mittels eines Flyers, der elektronisch verschickt wurde und für den zuvor jedes einzelne Teil attraktiv in Szene gesetzt worden war, dorthin gelockt. Wer nicht selbst kommen konnte, bekam das Gewünschte per Post zugestellt. Eine kleine Auswahl der Strickwaren war auch im Seifenbasar Effeltrich erhältlich. Es sei aber nicht mehr viel übrig, heißt es.

Und falls doch etwas liegen bleibt? "Vielleicht gibt es eine nächste Aktion", meint Fenzl vielversprechend, "dann vielleicht für mein anderes Herzensprojekt, die Besuchshundestaffel." red