Sigismund von Dobschütz Nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats übernimmt die Marktgemeinde in absehbarer Zeit fünf Photovoltaikanlagen aus dem Eigentum zweier privater Gesellschaften. Bei deren Gründung vor 20 Jahren war beschlossen worden, dass beide sich mit Auslaufen der Einspeiseverträge mit der Bayernwerk AG auflösen würden und eine Anschlussnutzung für die Anlagen gefunden werden sollte.

Jetzt lag der Gemeinde ein entsprechender Übernahmeantrag vor, das Eigentum an den Solaranlagen zum symbolischen Preis von jeweils einem Euro zu übernehmen.

Im Rahmen seines Umweltkonzeptes aus dem Jahr 1996 hatte der Markt Bad Bocklet seine Einwohner dazu ermuntert, sich mit dem Thema "Stromgewinnung aus Sonnenenergie" zu befassen. Aus den damaligen Umwelt-Stammtischen entstand die Idee, Photovoltaikanlagen anzuschaffen und auf kommunale Gebäude zu installieren. Daraufhin gründeten 25 Bockleter Bürger nach Hammelburger Vorbild, beispielgebend für den gesamten Landkreis, im März 2000 die Solarstromgesellschaft Bad Bocklet. Die Gemeinde durfte allerdings aus kommunalrechtlichen Gründen nicht selbst zum Gesellschafter werden. Die drei Solarstromanlagen - eine auf dem Sozialgebäude des Bauhofs in Aschach, zwei auf der Steinacher Schule -, sollten den produzierten Strom ins öffentliche Netz einspeisen, mit der festgelegten Einspeisevergütung die Anschaffungskosten erwirtschaften und im besten Fall einen Überschuss erzielen. Nach Umsetzung dieses ersten Projekts wurde auf erneute Anregung der Gemeinde im September 2001 von 17 Einwohnern eine zweite Bürgergesellschaft gegründet - die Photovoltaikgesellschaft Bad Bocklet. Deren zwei Solaranlagen sind auf dem Dach des Steinacher Kindergartens montiert.

Vertrag wurde gekündigt

Da die Bayernwerk AG nun den älteren Einspeisungsvertrag mit Beendigung seiner 20-jährigen Laufzeit gekündigt hat und es sowohl gesetzlich als auch stromtechnisch nicht geklärt ist, wie es mit den fünf Stromanlagen weitergehen soll, beantragten nun beide Bürgergesellschaften die kostenfreie Übernahme ihrer fünf Anlagen durch die Gemeinde. Kämmerer Patrick Könen schlug deshalb dem Gemeinderat vor, nach Übernahme aller Anlagen deren Strom für den Eigenverbrauch zu nutzen, wozu nur Umklemmungen in den Sicherungskästen notwendig wären.

Am Bauhof könnten von den jährlich benötigten 7500 Kilowattstunden etwa 2400 aus der Photovoltaikanlage gespeist werden, beim Steinacher Kindergarten 4800 von jährlich 6000 und in der Schule ebenfalls 4800 von jährlich 7000 Kilowattstunden.

Als Vorsitzender der Ratssitzung empfahl 3. Bürgermeister Uto-Paul Schmitt (FCW) dem Gemeinderat die Übernahme der drei älteren Anlagen zum 1. Januar 2021 und der beiden jüngeren ein Jahr später zum symbolischen Preis von jeweils einem Euro. "Alle Anlagen laufen störungsfrei und wir können damit zumindest einen Teilbedarf des Stromverbrauchs decken."

Doch Gemeinderat Jürgen Reuß (CSU) erhob zunächst Einspruch: Er empfahl stattdessen, die alten Anlagen abzumontieren und durch neue zu ersetzen und dafür einen neuen Einspeisungsvertrag abzuschließen. "Die Amortisierung lässt sich leicht errechnen." Doch 2. Bürgermeister Norbert Borst (CSU) widersprach: Die Gemeinde solle die alten Anlagen übernehmen und erst im Falle von Baumaßnahmen durch neue ersetzen. Dem stimmte sein Kollege Schmitt zu und ergänzte: "Wir stehen als Gemeinde moralisch in der Pflicht, die Bürger-Anlagen zu übernehmen." Schließlich genehmigte der Gemeinderat einstimmig die Übernahme der fünf Photovoltaikanlagen.