Eine der drei Säulen des Bamberger Welterbes ist die Gärtnerstadt. Die noch erhaltenen typischen Gärtnerhäuser samt Anbauflächen zeigen, wie Gärtnerfamilien seit Generationen wohnen und arbeiten. Der seit dem Mittelalter betriebene innerstädtische Erwerbsgartenbau in Bamberg ist für Deutschland einzigartig und wurde deshalb 2016 in das deutsche Register des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Jedoch hat die Anzahl der noch aktiven Gärtnerbetriebe in Bamberg stark abgenommen. Konkurrenzdruck, Klimawandel und fehlende Nachfolge sind nur einige der Gründe.

Die Corona-Pandemie hat die Bamberger Gärtner vor neue Herausforderungen gestellt, weiß man bei der Stadt. Eine von der Interessengemeinschaft Bamberger Gärtner unter den Gärtnern durchgeführte Umfrage beleuchtet die Situation der Bamberger Gärtner während dieser Zeit: 75 Prozent der befragten Gärtnereien nannten als größte Schwierigkeit in den vergangenen Monaten, den Überblick über die ständig wechselnden Verordnungen zu behalten. Gerade in dieser Situation war der Zusammenschluss der Betriebe zur Interessengemeinschaft Bamberger Gärtner ein großer Vorteil, berichtet die städtische Pressestelle. Denn neben der Informationsbeschaffung sei auch die Öffentlichkeitsarbeit gebündelt worden - nicht zuletzt mit Unterstützung lokaler Medien wie dem "Fränkischen Tag".

Positive Auswirkungen

Neben all den Einschränkungen hatte die Corona-Krise auch positive Auswirkungen auf die Gärtnereien. So berichteten die meisten der Bamberger Gärtner von einem höheren Umsatz als in denselben Monaten des Vorjahrs. 87,5 Prozent der Befragten gaben an, dass durch die Corona-Pandemie die Nachfrage nach lokalen Gärtnererzeugnissen gestiegen sei. Weitere Ergebnisse der Umfrage belegen, dass Kunden aktuell gezielt lokale Produzenten unterstützen wollen (100%) und sie zudem derzeit mehr Wert auf kurze Transportwege und Nachhaltigkeit legen würden (62,5%). Auch eine deutschlandweite Ad-hoc-Umfrage der Plattform für nachhaltigen Konsum Utopia.de mit 2500 Teilnehmern unterstreicht die stärkere Fokussierung der Verbraucher auf Nachhaltigkeit beim Konsum.

Die Bamberger Gärtnereien beobachten zudem, dass ihre Kunden derzeit bevorzugt an der frischen Luft einkaufen. Auch der Faktor Zeit wirke sich positiv auf einen Einkauf in der Gärtnerstadt aus. Ob dies so bleibt, werde die Zukunft zeigen. 37,5 Prozent der befragten Gärtnereien gaben an, dass ein dauerhaftes Umdenken bei den Konsumenten nur durch Veränderungen auf politischer Ebene möglich sei.

Bei den Bamberger Gärtnereien kauft man bei geprüften Meistern ihres Fachs und direkt vom Erzeuger. Wer Hilfestellungen beim Anbau und bei der Pflanzenpflege benötigt, ist in der Gärtnerstadt richtig. Die Vielfalt in den Betrieben ist groß: Neben Schnittblumen, Floristik, Stauden und Grabpflege werden Kräuter sowie Obst- und Gemüsepflanzen angeboten. Erfahrungen mit neuen Formen des Gärtnerns, wie beispielsweise Selbsterntegärten, zeigen, dass sich das Gärtnertum in Bamberg weiterentwickelt und auch neue Wege geht. red