Sadegh Mesbahzadeh (20) arbeitet seit September als Pflegefachhelfer im Seniorenzentrum des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Königsbad. Der Afghane, der die Berufsintegrationsklasse am Forchheimer Berufsschulzentrum erfolgreich abgeschlossen hat, möchte gerne eine Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen, aber er erhält von der Ausländerbehörde keine Antwort, geschweige denn eine Genehmigung.

Kfz-Meister Oliver Markeli, der in Nürnberg eine Werkstatt betreibt, berichtet in der Podiumsdiskussion der Forchheimer Wirtschaftsjunioren und des "Netzwerks Unternehmen integrieren Flüchtlinge" ebenfalls von einer Odyssee der Behördengänge: Sein Mitarbeiter Fahim Rasaoli aus Afghanistan nahm an einer Einstiegsqualifizierung teil. Als er dann eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen wollte, erhielt der heute 20-Jährige aber keine Arbeitserlaubnis. Er durfte lediglich die Berufsschule besuchen. Seit 1. Februar hat er die Arbeitsgenehmigung in der Tasche, befristet auf drei Monate. Oliver Markeli hat sich einen Anwalt genommen und trägt die Kosten selbst. Sein Fazit zur Beschäftigung von Flüchtlingen ist: "Es lohnt sich, aber nicht ohne anwaltlichen Beistand." Den Rechtsbeistand präsentierte Patrick Schroll von den Wirtschaftsjunioren auf dem Podium.

Rechtsanwältin Giannina Mangold aus Erlangen, die sich auf Migrations-, Asyl- und Ausländerrecht spezialisiert hat, knallte den Zuhörern in einem 20-minütigen Vortrag Rechtsbegriffe um die Ohren: Erwerbstätigkeitsverbot bei Asylbewerbern aus sicheren Herkunftsstaaten, Ermessen der Ausländerbehörde und Erlöschen der Ausbildungsduldung.

Die Frustration bei den anwesenden Flüchtlingen ist groß. Mit Engagement und Hilfe von Ehrenamtlichen haben die jungen Menschen sich in das hiesige Schulsystem eingefügt, lernen die deutsche Sprache und stehen dann vor scheinbar unüberwindbaren Hürden, wenn sie arbeiten möchten.

Unsicherheit bei der Planung

So sei auch die Unsicherheit bei der Personalplanung wegen drohender Abschiebung eine "sehr schwierige Herausforderung" für mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten, erläuterte Marlene Thiele, Leiterin des Netzwerks "Unternehmen integrieren Flüchtlinge", eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK).

Zum Netzwerk zählen deutschlandweit rund 2000 Mitgliedsunternehmen, die vom Informations- und Erfahrungsaustausch profitieren. Andererseits werden Auszubildende händeringend gesucht. Die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus (CSU) zählte Bäcker, Fliesenleger oder Metzger auf, bei denen die Stellen unbesetzt bleiben.

Die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Gudrun Brendel-Fischer (CSU), sieht Bayern auf dem richtigen Weg. Von 2016 bis 2018 habe sich die Zahl der Menschen mit Fluchthintergrund in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung so gut wie verdoppelt. Fast 90 000 Flüchtlinge seien seit 2015 in Arbeit gebracht worden, rund 13 000 in Ausbildung.

Sie weist auch auf die Probleme hin: Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge haben keinen formalen Schulabschluss. Gleichzeitig warnt sie vor einer Vermengung von Asyl und Erwerbsmigration. Die Änderung des Aufenthalttyps - vom Antrag auf Asyl zum Antrag auf Einwanderung - ist nach wie vor mit Schwierigkeiten verbunden.

Der Schirmherr der Veranstaltung Alexander Hold (FW), Vizepräsident des Bayerischen Landtags, nennt die Umsetzung der "3+2-Regelung" einen Schritt in die richtige Richtung. Die Regelung besagt, dass ein Geflüchteter die begonnene Ausbildung beenden (drei Jahre) und eine zweijährige Anschlussbeschäftigung anschließen darf. Zur Identitätsprüfung ist die Vorlage eines Passes nicht mehr zwingend, wenn andere behördliche Dokumente mit biometrischen Daten vorliegen.

Neben den Veranstaltern waren auch viele Unternehmer gekommen, ehrenamtliche Helfer und Mitglieder des Netzwerks Asyl Forchheim sowie 15 Betroffene, die einen Ausbildungsplatz oder eine Beschäftigung suchen. Hans-Peter Ströbel, Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Bayreuth, sprach sich gegen Einzelfallentscheidungen aus. Die Behörde versuche, die Spannungen aufzulösen, versicherte er, aber die rechtlichen Rahmenbedingen seien einzuhalten.