Fledermäuse gehören zu den ältesten Tierarten der Welt. Sie ernähren sich von Insekten und schädlichen Käfern, die Pflanzen und Baumbestände zerstören können. Sie nutzen die Dunkelheit, um zu jagen, und den Tag, um im wahrsten Sinne des Wortes abzuhängen.

Zum Überwintern brauchen sie frostfreie, feuchte Quartiere, zwischen April und August geschützte Unterstände, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Zahl der Fledermaus-Populationen geht zurück. Die Tiere sind deshalb streng geschützt.

In Gemeinschaftsaktionen "Fledermäuse im Frankenwald" kartieren seit Beginn letzten Jahres Mitarbeiter der federführenden Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken in Mitwitz, des Naturparks Frankenwald und der Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Kronach, Kulmbach und Hof Winter- und Sommerquartiere von Fledermäusen. Die jüngste Aktion fand in Grafengehaig statt.

Wenn Christina Höpflinger, Anna-Lisa Haber und Jennifer Kilic den Dachboden der Grafengehaiger Heilig-Geist-Kirche kehren, dann hat das nichts mit Sauberkeit unter dem Dach zu tun. Sie suchen nach Fledermaus-Kot. Der ist nämlich ein Indiz dafür, ob sich Fledermäuse unter dem Kirchengebälk aufhalten. Und die Damen wurden fündig.

Christina Höpflinger von der Ökologischen Bildungsstätte hat dies auch so erwartet. "Kirchen werden mit ihren warmen, geräumigen Dachstühlen gerade während der Wochenstubenzeit von April bis August von vielen Fledermausarten als Quartier zur Jungenaufzucht genutzt," erklärt die Leiterin des oberfränkischen Fledermaus-Projekts. "Dort können die nach der Geburt noch nackten und flugunfähigen Jungtiere in Ruhe groß werden."

Bereits 84 Kirchen kartiert

Im letzten Sommer seien bereits 84 Gotteshäuser in den drei Landkreisen kartiert worden; weitere 90 sollen in diesem Jahr folgen. Fast alle Geistlichen stünden dieser Aktion aufgeschlossen gegenüber. Sie seien auch daran interessiert, ihre Kirche als Lebensraum für verschiedene gefährdete Tierarten zu optimieren. Der Arche-Gedanke, die Schöpfung zu erhalten, spiele in vielen Gesprächen eine tragende Rolle, ist Höpflingers Erfahrung. "Die meisten freuen sich, wenn ihre Kirche für nistende Störche, Turmfalken und auch Fledermäuse einen geschützten Lebensraum darstellt."

Auch Pfarrerin Heidrun Hemme freut sich, dass das Grafengehaiger Gotteshaus eine Heimstatt für Fledermäuse ist - und auch für Turmfalken: "Ihr" Pfarrgemeinderat habe bereits vor einigen Jahren beschlossen, dass ein Nistkasten für die Falken unter dem Gebälk installiert und Einfluglöcher unter den Dachrinnen freigelassen wurden. Tatsächlich ist der Nistkasten auch bevölkert. Man habe dort Geschäftigkeit gehört, berichtet Christina Höpflinger von der Kehraktion, habe aber nicht weiter nachgesehen, um die Vögel nicht zu stören oder gar zu vertreiben.

Zurzeit gibt es keine Fledermäuse in der Grafengehaiger Kirche. "Die sind noch in ihren Winterquartieren; in Höhlen und ehemaligen Bierkellern zum Beispiel. Dort finden sie die klimatischen Bedingungen, unter denen sie die kalte Jahreszeit überstehen können: frostfrei und mit einer gewissen Luftfeuchtigkeit, die sie brauchen, damit ihre dünnen Flughäute nicht austrocknen", erläutert Höpflinger. Wenn es wärmer wird, dann werden aber wieder Weibchen unter das Kirchendach schlüpfen. Davon zeugt deren Kot, den sie in den vergangenen Jahren hinterlassen haben.

Zapflöcher statt Baumhöhlen

Gerade spaltenbewohnende Fledermauspopulationen sind nur schwer zu zählen; sie verbergen sich gut in Ritzen. Deshalb habe man jetzt den Dachboden von den Hinterlassenschaften der vergangenen Jahre sauber abgekehrt. Etwa ab Oktober, wenn die Tiere sich dann wider ins Winterquartier begeben, könne man wieder nachschauen und anhand der neuen Kot-Ansammlungen die diesjährige Population abschätzen. Das war der Sinn des jetzigen Frühjahrsputzes unter dem Dach der Heilig-Geist-Kirche.

"Die Art des Braunen Langohrs, die im Dachboden der evangelischen Kirche ihr Quartier bezieht, gilt eigentlich als Waldfledermausart. Sie bevorzugt Höhlen und Spalten in alten, morschen Bäumen oder unter abgeplatzter Rinde. Als typische Kulturfolger haben sie sich aber auch an Gebäude angepasst: Die Zapflöcher im Kirchengebälk sind ein idealer Ersatz für Baumhöhlen. Auch Mauerspalten, Jalousiekästen, Fensterläden und Hohlräume unter Schieferschindeln werden von vielen Arten als Verstecke angenommen," erklärt Höpflinger.

Solche Unterschlupfe werden allerdings im Zug von energetischen Sanierungen von Gebäuden immer weniger, wenn Häuser eingepackt und abgedichtet werden.