Wenn Wolfgang Subal durch die Wiesen in der Fränkischen Schweiz läuft, hat er stets ein wachsames Auge auf alte Bäume. An den Ästen könnten Früchte seltener Obstsorten hängen. "Es gibt viele alte Sorten, die verschollen sind", erläutert er. Der Diplom-Biologe aus Weißenburg ist einer der wenigen Pomologen Bayerns. Subal erforscht alte Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten, die noch auf den fränkischen Streuobstwiesen wachsen. Der extensive Obstbau auf den Wiesen rund um Forchheim hat eine lange Tradition. Die Flächen sind ökologisch sehr wertvoll, außerdem wachsen an den teils hundert Jahre alten Bäumen vielfältige, schmackhafte und besonders gesunde Obstfrüchte, betont der Pomologe. "Bei Streuobst ist die Geschmacksvielfalt gewaltig. Das ist leider in Vergessenheit geraten", sagt Wolfgang Subal, der als Experte den Landschaftspflegeverband (LPV) Forchheim unterstützt.

Auf einer Wiese in Gaiganz hat der Pomologe sofort die Rote Renette entdeckt. Die saftigen Äpfel dieser alten Kultursorte schmecken süßsäuerlich. Und ganz in der Nähe hat er an den Ästen eines jahrzehntealten Birnbaums die seltene Römische Schmalzbirne gefunden. Die Sorte wird auch Melanchthonbirne genannt, da sie die Lieblingsbirne Philipp Melanchthons, dem Reformator und Mitstreiter Martin Luthers, gewesen sein soll. "Die Schmalzbirne sollte man wieder kultivieren", schwärmt Subal. Ihre großen Früchte würden sich hervorragend zum Dörren eignen. Die Schmalzbirne wächst schnell, trägt bald Früchte und ist relativ großfruchtig. "Alte Sorten sind zudem unkompliziert anzubauen", wirbt der Pomologe.

Auf den fränkischen Streuobstwiesen wächst vielerorts auch noch die Sußbirne, die seit langem in Franken kultiviert wird. "Diese Birne hat Charakter und ist eine Sorte, die sehr charakteristisch für ganz Franken ist", erzählt Subal. Der Pomologe hat in Hetzles ein riesiges Exemplar der Sußbirne entdeckt. Der große Birnbaum sei wahrscheinlich 200 Jahre alt. Früher wurden Sußbirnen meist frisch gekocht oder gedörrt. Heutzutage wird daraus vor allem Sußbirnen-Schnaps gebrannt.

Ob Birnensorten wie die Gute Graue, Minister Dr. Lucius und Mollebusch oder Apfelsorten wie der Geflammte Weiße Kardinal, der Prinzenapfel und der Weiße Wintertafelapfel - der Obstkenner kennt unzählige Beispiele. "Und diese alten Sorten schmecken hervorragend. Viele wissen leider gar nicht mehr, wie vielfältig Obst im Aussehen und Geschmack sein kann."

Gesünder durch genetische Vielfalt

Hinzu kommt, dass alte Äpfel zum Beispiel für Allergiker geeigneter sind. Der Grund: Das meiste vermarktete Tafelobst gehe genetisch auf nur fünf Ausgangssorten zurück. Diese Sorten wurden ständig untereinander gekreuzt und trugen so ihre Schwächen weiter, erläutert der Pomologe. "Im Gegensatz zu alten Sorten sind die sogenannten neuen also genetisch eine Schmalspurbahn. Streuobst ist viel breiter aufgestellt, die Inhaltsstoffe sind viel variabler. Dadurch könnte jeder Allergiker eine Sorte finden, die er verträgt."

Streuobst ist nicht nur frisch geerntet oder in der Küche zubereitet lecker. Eine wichtige Obstverwertung ist heutzutage zudem der Schnaps. In der Region Forchheim wird das meiste Streuobst aber zu Most und Saft verarbeitet.

Durchschnittliche Ernte erwartet

Besitzer können ihre Ernte zum Beispiel beim Obstgroßmarkt Fränkische Schweiz in Pretzfeld oder bei Kupfer Natursäfte in Heroldsbach abliefern. "Die Erntemenge pro Jahr variiert sehr stark. Heuer rechnen wir mit einer durchschnittlichen Ernte", berichtet Manuel Rauch, Geschäftsführer des Pretzfelder Obstgroßmarkts. "Der Frost im April und Mai könnte Probleme gemacht haben." Rauch kalkuliert, dass heuer in Pretzfeld rund 1200 Tonnen Streuobst abgeliefert werden, aus dem etwa 850 000 Liter Saft entsteht.

Wie viel der Pretzfelder Obstgroßmarkt für das Obst zahlt, richtet sich nach den Marktpreisen. Die Preise seien gestaffelt: Je nach Qualität wird zwischen acht und 16 Euro Euro pro Doppelzentner gezahlt. Was Rauch Sorgen bereitet: "Die Anliefermenge wird weniger." Die Sortenvielfalt der hiesigen Streuobstwiesen gibt dem Saft erst sein ausgewogenes Aroma. Auch über die Gartenbauvereine und den LPV kann die eigene Obsternte gepresst werden.

Der Pomologe Wolfgang Subal nennt als Gefahr für die Streuobstwiesen: "Früher waren Streuobstwiesen einträglicher, heute leider oftmals nicht mehr." Aber nur durch wirtschaftliche Verwertung zusammen mit staatlicher Unterstützung bei der Pflege könnten die Wiesen erhalten bleiben.

Und die Vorteile des Streuobstes müssten bekannter werden, meint Subal. Damit die Konsumenten erkennen, welcher Genuss auf den Streuobstwiesen im Landkreis Forchheim schlummert.