Michael Busch

Es ist ein langer und mühsamer Weg, der beschritten wurde, als in Heßdorf das neue Gewerbegebiet erschaffen wurde. Auf der anderen Seite der Autobahn, abgekoppelt vom eigentlichen Ort, wurde ein Anlaufpunkt für die Region geschaffen, um einzukaufen. Aldi und Rewe, ein Schuhgeschäft, Bäcker, Lokale und vieles mehr, dienen nicht nur der Heßdorfer Bevölkerung als Nahversorgungsgebiet. Die Bewohner der Heßdorfer Ortsteile nutzten diese Fläche ebenso, wie der benachbarte Erlanger Ortsteil Dechsendorf.
Gemein haben alle potenziellen Kunden etwas: Sie können nicht auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, um zu diesem Gewerbegebiet zu kommen. Eine Lücke, die die örtlichen Vertreter des Bund Naturschutz (BN), allen voran Elke Seyb, Maria und Walter Flaßbeck, bereits seit 2006 zu lösen versuchen. Erst mit dem damaligen Bürgermeister Helmut Maar, dann mit dem noch amtierenden Ortschef Horst Rehder.
Maria Flaßbeck erzählt Jahr für Jahr, wenn sie wieder zur Aktion aufgerufen hat: "Der erste Investor hatte diese Bushaltestelle ganz klar mit eingeplant." Doch über die Jahre habe man diese Zusage wohl "vergessen". Der ÖPNV lehne eine Bedarfsermittlung ab, sagten beide Bürgermeister.
Und die Dechsendorfer? Die sind das Gezanke und die Inaktivität der Versorger satt. Erst habe die Stadt bei der Ansiedlung von Gewerbegebieten in Dechsendorf versagt und dann gebe sie keine Möglichkeit, speziell für Senioren, im nahe gelegenen, aber fußläufig doch zu entfernten Gewerbepark einkaufen zu gehen.
Mit diesem Monat hat sich aber etwas geändert. Ortsvorsitzender Norbert Essler teilte den Dechsendorfern Erfreuliches mit: "Bei der letzten Ortsbeiratssitzung haben sich drei Freiwillige gefunden, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen, um den Einkaufsbus ins Heßdorfer Gewerbegebiet zu fahren." Das sei keine endgültige Lösung, betont Essler. "Die Umsetzung der Bushaltestelle muss weiter im Fokus stehen."
Doch die "kleine Lösung" sei besser als keine Lösung, auch wenn man noch gerne ein paar Fahrer mehr hätte, die den Verkehr aufrechterhalten. "Die Bereitschaft zum Beispiel nur einmal im Monat zu fahren reicht völlig aus", heißt es in dem Schreiben an die Bevölkerung.
Der fahrbare Untersatz, ein Kleinbus, wird in den nächsten Monaten von der Gemeinde Heßdorf kostenfrei zur Verfügung gestellt. In dieser Phase soll der Bedarf ermittelt werden. Wenn dieser groß genug und dauerhaft ist, muss der Ortsbeirat mit der Stadt Erlangen eine dauerhafte Lösung finden.
Die jetzt kostenfreien Fahrten finden zunächst dienstags statt. Die Fahrten sind kostenfrei, kleine Spenden zur Unkostendeckung können allerdings im Bus gegeben werden.
Sollte die maximale Personenanzahl von acht Personen bereits vor der letzten Haltestelle erreicht werden, fährt der Fahrer die Route weiter ab und informiert eventuell wartende Senioren. Er setzt die Fahrgäste im Gewerbegebiet ab und nimmt die Fahrtroute an der ersten Haltestelle, an der noch wartende Fahrgäste sind, wieder auf.