Weshalb die Mittvierzigerin aus Lichtenfels Schweinenackensteaks klaute, konnte sie vor Gericht selbst nicht erklären. Tatsache aber ist, dass sie zum wiederholten Mal wegen Diebstahls vor Gericht stand. "Uneinsichtig" sollte Staatsanwältin Anna Saam die Angeklagte für ihr über Jahre hinweg an den Tag gelegtes Verhalten nennen.

Hausverbot tangierte sie nicht

Die Frau hatte Hausverbot in dem Lichtenfelser Supermarkt. Dennoch betrat sie ihn am 15. September dieses Jahres, und gegen 13.52 Uhr wollte sie ihn ohne Bezahlung mit Schweinenackensteaks im Wert von 8,08 Euro verlassen. "Das kennen Sie ja schon, dass man Angaben machen muss", so Richter Matthias Huber an die Frau gerichtet, auf ihr wiederholtes Erscheinen bei Gericht anspielend. "Es war eine Kurzschlussreaktion", beteuerte die Frau, die körperlich in keinem guten Zustand schien. Und weiter erklärte sie: "Mein Freund hat mir kein Geld mitgegeben - wir sind momentan knapp." Dann schilderte die Frau aus ihrer Erinnerung dessen Reaktion auf das Geschehen. "Mein Freund hat mich angerufen und gesagt, die Polizei sei bei ihm aufgeschlagen. Dann hat er gesagt: ,Sag mal, hast du etwa Scheiß gebaut?‘"

Diebstahl, Diebstahl, Diebstahl, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, dann wieder Diebstahl, erneut Diebstahl und so weiter. Von ihren insgesamt zwölf Einträgen ins Bundeszentralregister lauteten acht auf Diebstahl. Ob das mit Beschaffungskriminalität zu tun haben mochte, kam nicht zur Sprache. Jedoch hatte die Frau ein Vorleben, das man ihr ansieht. "Ich habe zehn Jahre lang Crystal konsumiert", erklärte sie. Da sie von Anfang an geständig war, waren für dieses Verfahren keine weiteren Zeugen notwendig. So kam es auch schnell zum Plädoyer von Staatsanwältin Anna Saam. Zwar hielt ihr Saam zugute, dass die Steaks einen geringen Wert besaßen, aber es war eben auch ein abermaliger Diebstahl. "Sie sind erst einen Monat vorher (wegen Diebstahls) verurteilt worden", so Saam unter Kopfschütteln. Eben wegen Uneinsichtigkeit forderte sie eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Denn: "Die einzige Zeit, wo Sie mal nicht straffällig waren, war die Zeit, wo sie mal weggesperrt waren." Auch Richter Matthias Huber sah das mit der Freiheitsstrafe ähnlich. "Dass eine Freiheitsstrafe etwas bei Ihnen bewegen wird, glaube ich auch nicht, aber es führt kein Weg daran vorbei (...), und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Sie eine Bewährung nicht durchstehen." Zu drei Monaten Haft verurteilte er die Frau und zeigte sich ratlos bezüglich ihrer damaligen Motivation. "Warum Sie das gemacht haben, erschließt sich mir nicht."