Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erneuern ihre Kritik an den massiven Fällungen dicker Buchen im Forstbetrieb Ebrach. Wegen der aktuellen Baumfällungen hatte es eine fragwürdige Aktion von Naturschützern im Steigerwald gegeben. Diese hatten eine Waldmaschine mit abwaschbarer Farbe beschriftet. Auf dieselbe Maschine war auch Lisa Badum - als Bundestagsabgeordnete natürlich eine Nationalpark-Fürsprecherin von Gewicht - geklettert und hatte sich dort mit einem Protest-Plakat fotografieren lassen. Nun meldet sich auch die Interessengemeinschaft "Holzverarbeiter im Steigerwald" zu Wort und erhebt Vorwürfe gegen Badum.

Schuld bei Staatsforsten

"Wir halten unsere Kritik an den Fällungen in dem Nationalpark-Suchgebiet aufrecht, mit denen der Forstbetrieb ein großes Schutzgebiet verhindern will", erklärt Ralf Straußberger, Waldreferent des BN, im Zusammenschluss mit Helmut Beran, Geschäftsführer des LBV. "In dem Zusammenhang distanzieren wir uns von dem Bemalen einer Rückemaschine eines privaten Forstunternehmers." BN und LBV weisen Unterstellungen als haltlos zurück, die beiden Naturschutzverbände hätten etwas mit dieser Sprüh-Aktion zu tun.

"Wir machen nicht den Forstunternehmer für die Fällungen der dicken Bäume verantwortlich, sondern die Bayerischen Staatsforsten, die das angeordnet haben." - "Wir kritisieren, dass die Holznutzung in einem der naturschutzfachlich wertvollsten Wälder Deutschlands weiterhin Vorrang haben soll, vor dem Schutz als Nationalpark", schreibt Steffen Jodl, BN-Regionalreferent für Unterfranken.

Der BN und LBV würden weiterhin mit guten Argumenten für den Schutz alter Buchen werben und sich für einen Nationalpark einsetzen, hieß es in dem Schreiben weiter.

Unterdessen verwahren sich Forstwirte gegen manche Art von Protest und beschweren sich über das Verhalten der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum.

Sind keine "gierige Holzindustrie"

"Es reicht mit dem Protest der Aktivisten gegen die nachhaltige Bewirtschaftung des Steigerwaldes. Wir als kleine und mittelständische Holzbetriebe lassen es uns nicht mehr bieten, wie die gierige Holzindustrie dargestellt zu werden, die den Steigerwald kahlschlagen möchte." Das betont die Interessengemeinschaft "Holzverarbeiter im Steigerwald", nachdem Umweltaktivisten in den vergangenen Tagen ein Forstfahrzeug beschmiert und möglicherweise auch beschädigt hatten. Ihre Graffiti-Schriften haben die Aktivisten, die sich nicht zu erkennen geben wollen, nach öffentlicher Kritik und auf Druck aus den eigenen Reihen mittlerweile selbst wieder von dem Fahrzeug gewaschen.

Moralisch mit verantwortlich

Äußerst bedenklich finden es Müller und seine Kollegen, dass ein Mitglied des Bundestags, die klimapolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Lisa Badum, junge Menschen, denen die Natur am Herzen liegt, zu Verfehlungen animiere, indem sie sich mit einem Protestplakat auf ein fremdes Forstfahrzeug stellt und die Fotos anschließend in ihren Social Media-Kanälen verbreitet. "Auch, wenn sie betont, von der Sachbeschädigung nichts mitbekommen zu haben, ist sie moralisch damit allemal für die Verfehlung verantwortlich", so Müller. Badum hatte sich zwar von Graffiti-Sprühereien distanziert, zu ihrer eigenen Kletteraktion hatte sie sich aber nicht geäußert.

Forderung nach Rücktritt

Offensichtlich sei Lisa Badum der Meinung, dass ihre Immunität als Bundestagsabgeordnete sie vor den Konsequenzen ihrer Aktionen schütze. Ein Rücktritt von ihren Ämtern würde zeigen, dass sie Verantwortung für ihr abwegiges Verhalten übernehme.

Die Anstiftung Badums zu fragwürdigen Aktionen komme zudem nicht spontan, sondern gezielt und vorsätzlich, wissen die Mitglieder der Interessengemeinschaft: "Bei einem Webinar zum Thema Nationalpark Steigerwald im Juni 2020 kündigte Lisa Badum Protestmaßnahmen und kämpferische Aktivitäten bereits an." Ein solches, rücksichtsloses Verhalten der Aktivisten darf nicht toleriert werden, ist sich die Interessengemeinschaft sicher. "Sonst ist die Demokratie in unserem Land ernsthaft in Gefahr."

Die Interessengemeinschaft "Holzverarbeiter im Steigerwald" ist eine eigenständige Institution innerhalb des Vereins "Unser Steigerwald". Ihr Sprecher ist Burkard Müller, weitere aktive Mitglieder sind Susanne Bickel, Peter Gleitsmann, Stefan Reinlein, Philipp Reitz und Markus Schonath. Der Verein "Unser Steigerwald" setzt sich dafür ein, dass die Region Steigerwald als Naturpark erhalten bleibt. Vorsitzender ist Gerhard Eck. "Wir geben tausenden von Menschen in der Region Arbeit und Perspektive, verarbeiten nachhaltig gewachsenes Holz für den Bau, den Innenausbau und die Möbelherstellung und haben selbst das größte Interesse daran, dass der Steigerwald als gesunder Naturraum für die kommenden Generationen erhalten bleibt", erklärt Burkard Müller.

Sofortiger Einschlagstopp?

Die erklärten Nationalpark-Befürworter kritisieren vor allem das aktuelle Fällen alter Buchen. "Wir sehen mit großer Sorge, dass gerade die dicksten Buchen konsequent herausgeschlagen wurden und so große Löcher in das schattenspendende Kronendach gerissen werden", so Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald. "Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz fordern einen sofortigen Einschlagsstopp im Nationalpark-Suchraum, der nur neun Prozent der Fläche des Naturparks Steigerwald beträgt", so Martin Geilhufe, BN-Landesbeauftragter und Helmut Beran, Geschäftsführer des LBV. "Während Rheinland-Pfalz mit einem Einschlagstopp alle alten staatlichen Buchenwälder über 100 Jahre vor den Folgen der Klimakrise schütze, schlagen die Bayerischen Staatsforste gezielt die dicken Buchen raus", so Geilhufe.

Liebhard Löffler vom Verein Nationalpark Steigerwald e.V. kritisiert: "Für den Bürgerverein ist der Einschlag paradox. Ministerpräsident Markus Söder hatte noch vor kurzem den Staatswald zum Klimawald und zum wichtigen Verbündeten gegen den Klimawandel erklärt und als Zeichen der Wertschätzung Bäume umarmt. Einige Zeit später werden im Staatswald eben diese Verbündeten mit schweren Maschinen abgesägt. Geht man so mit Verbündeten um?"

Die Vorgehensweise verdeutliche, so Löffler, wie wichtig ein zusammenhängendes Großschutzgebiet im Steigerwald sei. Der Holzmarkt sei zwar mit Fichten- und Kiefernschadholz überschwemmt und die Preise seien im Keller. Mit dicken Buchen- und Eichenstämmen sei jedoch noch Profit zu machen, denn sie seien vor allem bei Großsägern mit internationalen Geschäftsverbindungen begehrt, wie die Kennzeichnung des geschlagenen Holzes dokumentiere. Löffler ist sich sicher: "Hier wird für die Welt und nicht nur für die Region gesägt und das Holz der langen Wege gelangt bis nach China."