Josef Hofbauer Exakt 7990 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als noch vor zehn Jahren zählte der Landkreis Forchheim 2018. Dies teilt Peter Belina, Geschäftsführer der Wirtschaftsjunioren bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberfranken, mit. "Das ist ein neuer Rekordwert für unseren Wirtschaftsraum", freut sich der Forchheimer Michael Waasner, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim.

"Seit über zehn Jahren verzeichnen alle kreisfreien Städte und Landkreise Oberfrankens eine positive Beschäftigtenentwicklung", erläutert Waasner. Oberfrankenweit stieg die Zahl der Mitarbeiter um 60 416 auf den neuen Rekordwert von 434 651 Beschäftigten.

Eine Auswertung nach Branchen liege zwar noch nicht vor, doch hätten die Bereiche Bauwesen und Logistik in besonderem Maße zu dem Zuwachs an Beschäftigten beigetragen. Auch Einzelhandel und Maschinenbau hätten Mitarbeiter eingestellt. In der Nahrungsmittelindustrie stieg die Zahl der Beschäftigten auf aktuell 1089, das ist ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

Ein Drittel mehr

Im vergangenen Jahr arbeiteten 31 781 Menschen in Unternehmen im Landkreis Forchheim. Das sind 33,6 Prozent oder 7990 Personen mehr als noch vor zehn Jahren. Mit diesem Anstieg liegt der Landkreis Forchheim deutlich vor dem bayernweiten Beschäftigungswachstum von 25 Prozent. Nach dem Landkreis Bamberg verzeichnet Forchheim den höchsten prozentualen Zuwachs. Seit 1974, also seit die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten statistisch erfasst werden, hat die Beschäftigung im Wirtschaftsraum Forchheim um fast 70 Prozent zugenommen. Genau 19 000 Menschen arbeiteten damals im Landkreis Forchheim. Heute sind es fast 13 000 Personen mehr. Alleine im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 1044 Personen.

Michael Waasner: "Die Unternehmen sind auch für 2019 optimistisch und rechnen mit einem weiteren Beschäftigtenzuwachs, allen Unsicherheitsfaktoren wie dem Brexit, den hohen Energiepreisen oder dem Handelskonflikt zwischen den USA und China zum Trotz."

Sorgen bereitet Waasner in erster Linie der Fachkräftemangel. Dadurch werde das Wirtschaftswachstum schon seit Jahren gebremst. "Ohne den Fachkräftemangel wäre der Zuwachs an Beschäftigten sicher noch stärker ausgefallen", ist Waasner überzeugt. Bereits in den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, so der stellvertretende IHK-Geschäftsführer, dass Arbeitsplätze nur durch Zuzug besetzt werden konnten.

Für den Landkreis Forchheim erwarte das Bayerische Landesamt für Statistik bis 2037 eine positive Wanderungsbilanz von acht Prozent. Dies führe laut Prognose letztlich zu einem Bevölkerungszuwachs von 1,8 Prozent.

Dazu Michael Waasner: "Ohne die Zuwanderung von Fachkräften aus dem In- und Ausland wird die Fachkräftelücke im Raum Forchheim noch spürbarer ausfallen als bisher. Wir brauchen deshalb einfachere Möglichkeiten, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, aber auch pragmatische Lösungen für integrierte Flüchtlinge."

Bedingungen entscheidend

Besonders gravierend sei der Arbeitskräftemangel in Pflegeberufen (alten- und Kinderbetreuung), in der Gastronomie und der Logistik. "Alle Bereiche mit unattraktiven Arbeitszeiten und niedriger Entlohnung tun sich schwer, Nachwuchskräfte zu finden", unterstreicht Peter Belina von der IHK Oberfranken.

Auch im Transportgewerbe werde es immer schwieriger, Fahrer mit einem Lkw-Führerschein zu finden. Seit die Bundeswehr auf ein Freiwilligen-Heer umgestellt wurde, sei die Zahl der Führerschein-Inhaber, die einen Lkw fahren dürfen, merklich zurückgegangen.