Kunreuth braucht eine Tagespflege. Eigentlich wollte Bürgermeister Ernst Strian (Demokratie) von dem Projekt erzählen, das er mit einer Arbeitsgruppe in die Wege geleitet hat: einem genossenschaftlichen Aufbaumodell in der Seniorenpflege. Doch CSU , Junge Bürger und die Bürgerliste Ermreus waren enttäuscht über zu späte oder fehlende Informationen bezüglich der Verhandlungen mit der Diakonie und wegen eines Brandbriefs der Kirchengemeinde . Sie forderten eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der Diakonie .

Schon 2017 bekundete die Diakonie Interesse, in Kunreuth eine Tagespflege zu errichten. Tiefergehende Planungen jedoch gab es nicht. Nur das Grundstück Richtung Mittelehrenbach sei möglich für den Bau. „Andere Grundstücke sind von der Diakonie abgelehnt worden“, sagte Strian. Die Gemeinde müsste die Wasserversorgung sicherstellen, auch die Zufahrt und anderes.

„Zu einem Zeit- oder Projektplan wollte sich die Diakonie nicht äußern“, daran erinnerte Strian. Für ihn sei nach den Gesprächen klar gewesen, das Projekt sei tot und Kunreuth würde sich deshalb anderweitig umsehen, erklärte Strian. Die Diakonie äußert sich dazu, dass das Vorhaben zwar nicht vom Tisch sei, aber derzeit auf Eis gelegt worden sei. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Themas war offen geblieben.

Bürgermeister Strian wurde daraufhin aktiv. Allerdings baten am 3. Februar der Kirchenvorstand und der Pfarrer in einem Brief den Bürgermeister und die Gemeinderäte , doch noch einmal Verhandlungen mit der Diakonie aufzunehmen. Enttäuscht, erst jetzt von dem Brandbrief zu erfahren, waren Zweiter Bürgermeister Edwin Rank ( CSU ) und Bernd Wohlhöfer (Bürgerliste Ermreus). „Wäre es nicht angebracht, uns das weiterzuleiten?“, meinte Wohlhöfer. Ebenso das Dezember-Schreiben der Diakonie , fügte Wohlhöfer an. „Wenn uns Bürger ansprechen, weiß niemand davon“, stimmte Sandra Schmitt ( CSU ) zu. „Auch der Gemeinderat ist vom Volk gewählt“, erklärte Rank. Er zweifelte den Verlauf zwischen Gemeinde und Diakonie an, weil die Gemeinderäte nicht einbezogen wurden. Bürgermeister Strian meinte, den Inhalt der Schreiben und des Briefes genannt zu haben.

Die CSU , die Jungen Bürger und die Bürgerliste Ermreus jedenfalls unterstützen die Bitte des Kirchenvorstands . „Es ist ein wichtiges Projekt. Wir sollten alles tun, um die Leute wieder am Tisch zu haben“, meinte Wohlhöfer. „Gab es seitens der Gemeinde noch einen Versuch, auf die Diakonie zuzugehen? Ich kann mir schlecht vorstellen, dass nach drei Jahren nichts mehr gewollt ist“, meinte Philipp Ochs (Junge Bürger ). Die Diakonie wollte, dass die Gemeinde ein Grundstück kauft und es an die Diakonie verpachtet. „Das kam für die Gemeinde nicht infrage. Es fand jedoch keine Diskussion darüber statt“, sagte Ochs. „Was nützt es mir, wenn ich ein Grundstück habe und ich nicht weiß, nach welchen Kriterien ich es erschließen soll? Es wurde seitens der Gemeinde abgelehnt“, meinte Strian.

Ob es dazu einen Beschluss gebe, hakte Ochs nach. Das verneinte Strian. „Wenn die Diakonie möchte, dass wir erschließen, dann sollten wir mit ihr reden“, sagte Rank. Manfred Brucker ( SPD ) und Hartmut Schmidt (Demokratie) betrachteten die Tagespflege der Diakonie wie der Bürgermeister als reine Absichtserklärung, da nichts passiert, nicht einmal eine Skizze gezeigt worden sei. „Bei dem Gespräch war auch jemand vom Planungsbüro dabei, dann ist wohl Absicht dahinter“, konterte Ochs.

Doch inzwischen seien fünf Monate vergangen, ohne dass die Diakonie auf die Gemeinde zuging, merkte Strian an. Jedenfalls habe er im Februar eine Arbeitsgruppe gegründet und das Thema Senioren und Pflege analysiert. Die Arbeitsgruppe besteht aus dem Bürgermeister , Bürgern und Irmgard Ginzel, die jahrelang die Diakonie in Gräfenberg leitete. „Wir sind nun so weit. Wir haben ein Stufenkonzept, beginnend mit der Pflege daheim“, betonte Strian – ein Modell, das nicht am Ortsrand zu Hause wäre.

Als zweiter Schritt könnte hier eine Sozialstation errichtet werden und in einem dritten Schritt die Tagespflege mit weiteren Seniorenkonzepten. Wer der Träger sein wird, wollte Sandra Schmitt wissen. „Es ist ein Genossenschaftsmodell“, erklärte der Bürgermeister . Das Konzept habe Irmgard Ginzel entwickelt. „Besser aufgehoben als bei Irmgard Ginzel kann man sich nirgendwo fühlen“, meinte der Gemeindechef. Die Bedarfsanalyse sei fertig. Nun könne das Projekt vorgestellt und diskutiert werden. Gefordert wurde ebenso, das Thema Seniorenbetreuung nochmals mit der Diakonie zu besprechen. „Das wäre auch im Interesse der Kirchengemeinde “, bestätigte Fabian Strian (Die jungen Kunreuther).