Mehr als 13 000 Mal ist die empörte Rede von Michael Schmitt am Freitag auf Facebook schon geteilt worden. Der Chef von Nikl-Bräu aus Pretzfeld will die Menschen auf die Notlage aufmerksam machen, in der sich die Gastronomie befindet.

An einem Tisch mit dem Schild "Stammtisch" sitzend, stellt sich der Wutredner in dem Video kurz als "Mike" Schmitt und Chef des Brauereibetriebs vor. Dann poltert er los. Von "Wahnsinn" und "Unverschämtheit" ist die Rede. Dass Friseure wieder arbeiten dürften, nicht aber die Gastronomen , das sei eine " Riesensauerei ". Die Rede hält Schmitt auch in der Hoffnung, dass sie Regierungspolitikern wie Markus Söder , Olaf Scholz oder Angela Merkel zu Ohren kommen. Rhetorische Fragen wie "Wisst ihr, was bei uns los ist?" oder "Wie soll die Scheiße weitergehen?", unterfüttert Michael Schmitt mit empörten Hinweisen. Hilfen welcher Art auch immer, seien bei ihm seit November nicht angekommen. Fazit: 70 Prozent weniger Gewinn alleine im Corona-Jahr 2020.

Bedienung dreht Video

Mit der hohen Aufmerksamkeit für sein Video habe er "überhaupt nicht" gerechnet, sagt Schmitt dem FT. "Ich hab die ganze Zeit meine Wut gehabt über die dauernden Corona-Auflagenveränderung". Daher habe er am Donnerstag eine seiner Bedienungen angerufen. Die drehte das Video per Handy. Die vielen derben Worte habe er bewusst in Kauf genommen. Zwar habe er im Kontakt mit Abgeordneten wie Michael Hofmann ( CSU ) und Lisa Badum (Grüne) sehr gute Erfahrungen gemacht ("Respekt, wie die sich einsetzen"), aber in Summe sei er enttäuscht , dass so viel versprochen und so wenig gehalten werde. "Wir können erst durchschnaufen, wenn wir Geld auf dem Konto haben." Beim ersten Lockdown bekam Nikl-Bräu einmalig 9000 Euro. Das reiche für Michael Schmitts Betrieb "für einen Monat".

12 000 Follower hatte Michael Schmitt bereits vor dem Video. Seit er der Welt erzählt hat, "wie genervt" er ist, dürften es einige mehr sein. "Das Telefon hört nicht auf zu klingeln." Eine Botschaft habe er in seiner Wutrede aber vergessen: "Ich würde gerne jedem Politiker empfehlen, mal zwölf Monate nur noch von 30 Prozent seines Einkommens zu leben."