Nicht jedes Sommerhoch bringt Hitze

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Gewaltige Gewittertürme können Badewetter blitzschnell zunichte machen. Christian König
Gewaltige Gewittertürme können Badewetter blitzschnell zunichte machen. Christian König

Aus der Lage eines Hochs resultieren unterschiedliche Wettervarianten – genau sind es vier an der Zahl

Es ist noch nicht lange her, da hieß es in vielen Medien, dass uns bald erneut eine brutale Hitzeglocke mitten über Europa drohen würde. Doch beim Blick zurück in diese Woche sieht man, dass Prognosen das eine sind, das reale Wetter das andere sein kann.

Noch unter der Woche haben manchen Horror-Prognosen bis zu 47 Grad in Teilen Deutschlands befürchten lassen. Doch an dieser Stelle macht die gute alte Binsenweisheit Sinn: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Der Kern des Pudels, um in der Bildersprache zu bleiben, liegt bei längerfristigen Prognosen gerade für Hitzewellen ausgerechnet in der richtigen Interpretation von Hochdruckgebieten. Deren Lage, Verweildauer und Art der sogenannten Luftmasse im Hochzentrum haben entscheidenden Einfluss auf den Temperaturverlauf und damit die Klassifikation einer möglichen Hitzewelle.

Die Synoptiker

Im Meteorologen-Deutsch befassen sich die sogenannten Synoptiker mit der Deutung des Wetterverlaufs anhand von Lage und Zugrichtung der Hochs und Tiefs. Im Falle der historischen Hitzewelle Ende Juni mit neuen Allzeitrekorden bis fast 42 Grad befand sich Mitteleuropa – und damit auch unsere Region – mitten in einem Hoch, das mit afrikanischer Heißluft angefüllt war. Hierzu passte der Begriff Hitzeglocke, in den USA „Heatdome“ genannt.

Maximale Tageslänge, trocken-heiße Luft ohne Chance auf Wolken und Gewitterbildung sowie die intensive Sonneneinstrahlung sind genau die Rezeptur dafür, dass sich die Hitzewelle quasi vor Ort aus sich selbst heraus aufbauen kann. Es gibt aber grundsätzlich noch weitere Konstellationen, bei denen aus der Lage des Hochs sehr unterschiedliche Sommerwetter-Varianten resultieren. Genauer gesagt sind es vier an der Zahl.

Über dem Atlantik

Befindet sich das Hoch mit seinem Kern über dem Atlantik, haben wir es in der Regel mit dem bekannten Azorenhoch zu tun. Es fungiert als eine Art Laufband für atlantische Tiefs mit Regenfronten und gemäßigten Temperaturen bis zu uns.

Befindet sich das Hoch über Nord-Europa, gelangen wir in eine östliche Bodenströmung, mit der zwar auch warme bis heiße Kontinental-Luft zu uns fließt; rekordträchtige Spitzentemperaturen von bis zu 40 Grad und mehr bleiben aber unwahrscheinlich, da durch die niedrigen Taupunkte (wenig Luftfeuchtigkeit) die Nächte gut abkühlen können. Liegt das Hoch über Osteuropa, werden wir vom Mittelmeerraum mit teilweise schwüler Heißluft versorgt, so dass zumindest regional erfrischende Gewitter entstehen können. Sie haben aber dann durchaus Unwetterpotenzial.

Befindet sich das Hoch über dem Mittelmeer, kommt es darauf an, ob wir noch unter dem Sonnenscheindeckel liegen oder in wechselhaftere Bereiche mit Schauerfronten vom Atlantik geraten.

Wie man unschwer erkennen kann, sind langfristige Pauschalaussagen kritisch. Wo sich das künftige Hoch genau befinden wird, ist mit vielen Unsicherheitsfaktor behaftet.

Was ist ein Höhentief?

Als i-Tüpfelchen der Unwägbarkeiten gelten sogenannte Höhentiefs, die nur in vier bis fünf Kilometern Höhe erkennbar sind. Sie können aber durch labile Luftschichten, wie erst kürzlich bewiesen, zu unberechenbaren Gewittern mit Unwetterpotenzial führen. Es hat die zuvor auf stabiles, sonnig-heißes Badewetter ausgelegten Prognosen ad absurdum geführt.

Augenzwinkerndes Fazit: Prognosen sind problematisch – vor allem deshalb, weil sie in der Zukunft liegen. Wenn also die nächsten zehn Tage eher gemäßigter Sommer vorherrscht, sollte man sich genauso davor hüten, schon einen baldigen Frühherbst zu verkünden.