Kunst im neuen Rathaus geplant

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Forchheims Rathausbaustelle im Fokus: Wie bei allen Großprojekten dieser Art muss auch in Forchheim das Programm Kunst am Bau mitgedacht werden.Stephan Großmann
Forchheims Rathausbaustelle im Fokus: Wie bei allen Großprojekten dieser Art muss auch in Forchheim das Programm Kunst am Bau mitgedacht werden.Stephan Großmann
Sebastian Körber FDP Forchheim
Sebastian Körber FDP Forchheim
 

Forchheim muss bei der Generalsanierung künstlerische Aspekte mitdenken. Ein Stadtrat übt Kritik.

Es geht voran am Rathaus. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass die kupferne Turmspitze nach mehr als fünf Jahren wieder unverhüllt in den Forchheimer Himmel strahlt. Und es geht voran im Rathaus.

Nach mehr als sieben Jahren Bauzeit soll die fast 45 Millionen Euro teure Generalsanierung des historischen Rathauses in der Forchheimer Innenstadt im Spätsommer 2027 abgeschlossen sein. Aktuell seien keine weiteren Hiobsbotschaften zu erwarten, sagt Architekt Stephan Fabi. Stattdessen geht nun ein wichtiges Teilprojekt des Mammutprojekts in die nächste Runde.

Kunst am Bau – dahinter steckt eine Verpflichtung insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben , einen Teil der Baukosten für Kunstwerke zu verwenden. Plastiken, Gemälde, Installationen – in der deutschen Baugeschichte finden sich zahlreiche Beispiele in vielen großen Städten. Und bald auch in Forchheim.

Ein Postkartenmotiv

Was böte sich für dieses Programm thematisch besser an als die Sanierung des wichtigsten Postkartenmotivs in der Forchheimer Innenstadt ? So wollen Forchheims Stadtverwaltung, der Stadtrat sowie der Chefarchitekt Stephan Fabi „das kulturelle Erbe des Rathauses mit künstlerischen Mitteln und Medien Besuchenden aller Altersgruppen vermitteln“. Das Ziel: „Erkenntnisgewinn, ästhetischer Genuss durch Baukultur und künstlerische Inszenierung der Funde und Befunde sowie Teilhabe am kulturellen Erbe“.

Konkret sollen unter anderem Filme, Graphic Novels und Bildtafeln gezeigt, archäologische Funde ansprechend präsentiert und die Geschichte des Hauses und der Sanierung erlebbar gemacht werden.

Insgesamt plant die Stadt für das künstlerische Gesamtkonzept 225.000 Euro ein. Ein Teil davon wird, wie beim Rest des Rathauses, üblich mit öffentlichen Geldern gefördert. Im ersten Schritt ist nun veröffentlicht worden, wer sich um das Gesamtkonzept kümmern wird.

Anders als bei Kunst am Bau üblich hatten Forchheims Rathaussanierer verschiedene Expertenbüros für Szenografie – also für die Ausstellungsgestaltung – angeschrieben und diese für Angebote angefragt. Den Zuschlag erhalten hat die Chezweitz GmbH aus Berlin. Dieses Büro hat bereits ähnliche Ausstellungsformate in Berlin und anderen Großstädten umgesetzt.

Wie ein Mitarbeiter auf Anfrage erklärt, stecke die Konzeption für Forchheim derzeit „noch in den Kinderschuhen“. Nun, nach dem Zuschlag, mache man sich aber nun an die genaue Ausgestaltung. Kostenpunkt für die Erstellung des integrierten Konzepts: 53.815 Euro.

Üblich ist es bei Kunst am Bau, dass die Bauträger einen Kunstwettbewerb ausschreiben, an dem sich auch lokale Künstler beteiligen können. Forchheim macht es anders. Weil sich Stadt, Stadtrat und Architekt schnell auf den szenografischen Ansatz geeinigt haben, verzichten sie auf den offenen Wettbewerb um die besten Ideen.

Kritik an Vergabeverfahren

Ein Fehler, sagt Sebastian Körber . Der FDP-Stadtrat äußert schon länger Kritik an der Rathaussanierung beziehungsweise daran, wie die Stadt das Millionenprojekt umsetzt. Er kritisiert zwar nicht grundsätzlich, dass das Geld für Szenografie ausgegeben werden soll, auch wenn er sich selbst anders entschieden hätte. „Es ist bedauerlich, dass keine lokalen Künstler gefragt worden sind“, sagt er.

Schließlich stünden Gelder im sechsstelligen Rahmen im Raum. Auch wegen des fehlenden Wettbewerbs wittert er vorherige Absprachen und beschwert sich über fehlende Transparenz. So sei der nicht öffentlich verkündete Zuschlag erst auf mehrmaliges Nachhaken seinerseits veröffentlicht worden, wie er sagt.

Teurer Vergabefehler

Nicht nur Sebastian Körber schaut genau auf die Vergabeverfahren bei der Rathaussanierung. Seit dem teuren Vergabefehler für die Zimmererarbeiten vor einigen Jahren sind alle Projektverantwortlichen sensibilisiert. Vergaberechtlich ist allem Anschein nach nichts einzuwenden. Und doch ergeben sich einige offene Fragen. Etwa, warum laut offizieller Bekanntmachung nur ein Angebot einging. Wollte etwa kein anderer?

Nichtöffentlich hatte der sogenannte Vergabebeirat über den Zuschlag entschieden. In dem ist unter anderem CSU-Stadtrat Holger Lehnard vertreten. „Die Arbeit der Chezweitz GmbH hat uns von Beginn an imponiert“, sagt er. Außerdem sei dieses Büro als einziges persönlich nach Forchheim gereist, „mit Ideen im Gepäck“. Demnach hatte es wohl anfangs weitere Bewerber gegeben, die aber kein spruchreifes Angebot vorlegen konnten oder wollten.

Forchheim hatte sich bewusst von Beginn an für einen szenografischen Ansatz ausgesprochen, sagt Lehnard. „Zwingend Kunstwerke zu beschaffen, die dann in den Ecken stehen, bringt nichts“, sagt er. Dieses Ausstellungsformat aber bleibe und werde der Bedeutung des Rathauses gerecht. „Überdies hätte sich jeder für Kunst am Bau im Forchheimer Rathaus bewerben können“, so Lehnard.

Das gilt zumindest für jene, die sich auf Szenografie spezialisiert haben. Das reduziert die potenziellen Bieter auf einige wenige spezialisierte Büros in deutschen Großstädten wie die Chezweitz GmbH aus Berlin. Wie deren fertiges Konzept aussehen wird, zeigt sich im Laufe des kommenden Jahres. Schließlich rückt die Eröffnung des Rathauses näher.