Der Vorstand des Vereins "Flüchtlingsnetz EBS" ist sich einig: Der "Treffpunkt Klamotte" ist mehr als nur ein Laden, viel mehr. Doch dieser muss zum 6. Februar schließen.

"Das war ein geniales Projekt mit viel Frauenpower", schwärmt Susanne Löser. Die Vorstandsvorsitzende erklärt: "Es war nicht mehr tragbar, denn durch die Schließung durch Corona haben wir ein Defizit eingefahren." Sie erzählt, dass der Verein wohl gut gewirtschaftet habe, aber es müsse ja trotzdem die Miete bezahlt werden: "Und man muss ehrlich sagen, dass bei so einer Arbeit nach sechs Jahren bei den Ehrenamtlichen auch die Luft heraus ist."

40 Ehrenamtliche waren aktiv

 

40 Ehrenamtliche haben sich in dieser Zeit engagiert. Und zahllose Menschen konnten hier günstig einkaufen. Viele Freundschaften wurden geknüpft und in vielen Gesprächen konnte wenigstens ein wenig Leid gelindert und Last von der Seele genommen werden. Ein Treffpunkt der besonderen Form von Integration.

Antje Wimmer erinnert sich noch an den Anfang des Projekts: Im September 2014 wurden in Ebermannstadt Flüchtlinge begrüßt und in drei Unterkünften untergebracht. Schnell entstand ein Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern, die zum Beispiel Fahrdienste übernahmen oder Sprachkurse anboten.

Große Spendenbereitschaft

Und auch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung war riesig groß. Nach einem Aufruf im Mitteilungsblatt konnten die Helfer im Rathaus eine große Menge Kleider sortieren und in Umzugskisten packen. Dabei entstand eine Kiste "Dessous". Die Kartons mit den Klamotten wurden in die Unterkünfte gebracht und die Flüchtlinge konnten sich umschauen und die Kleidung probieren. Den Damen fiel dann die Kiste mit den Dessous auf. So wurden die Männer weggeschickt und die Kleidung aus der Kiste probiert. "Da gab es eine Art Dessous-Party. Mich hat es sehr beeindruckt, die Frauen mit Schleier zu beobachten. Nach dem, was sie Schlimmes erlebt hatten, war das befreiend für sie", erzählt Susanne Löser.

Garage als Umkleide

Restliche Kleidung wurde in einer Garage neben dem Bürgerhaus gelagert. Diese diente dann auch als Umkleide. "Da kamen die Flüchtlinge hin und mussten im Dunkeln probieren, denn wir konnten ja das Garagentor nicht offen lassen", berichtet Löser. So wurde der Verein "Flüchtlingsnetz EBS" gegründet und ein Ladenkonzept erarbeitet.

Den Vereinsmitgliedern war klar, dass es kein Second-Hand-Laden werden sollte, sondern einer nach dem Prinzip englischer Charity-Läden. Nicht nur Flüchtlinge, sondern alle Bedürftigen sollten hier mit 50 Prozent Rabatt einkaufen können. Jeder andere Kunde musste den vollen, aber sehr günstigen Preis bezahlen. Damit die Vermieter sicher sein konnten, ihre Miete zu erhalten, sprang die Stadt ein. Die Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) unterschrieb den Mietvertrag für den Laden in der Hauptstraße. Der Verein wiederum zahlte die Miete an die Stadt . Und so startete am 3. März 2015 der "Treffpunkt Klamotte" mit viel Prominenz.

"In den Jahren hat sich der Status der Flüchtlinge geändert und sie wollten in andere Geschäfte gehen und neue Kleidung kaufen", erzählt Antje Wimmer. Aber trotzdem kamen viele immer wieder und schauten sich um. Eine Mutter von drei Kindern , die mit ihrer Familie nach Forchheim gezogen war, kaufte nach wie vor zweimal im Jahr für die Kleinen ein. Antje Wimmer erinnert sich auch gern an zwei Mädchen , die, wenn sie vom Vater ein wenig Geld bekommen hatten, am Donnerstagnachmittag in den Laden kamen und aufgeregt schauten, was es Neues gab und was sie sich leisten konnten.

Nicht alles umsonst in Deutschland

"Uns war von Anfang wichtig, dass wir der Kleidung Preise geben", sagt Susanne Löser. Denn den Flüchtlingen sollte klar sein, dass man in Deutschland nicht alles umsonst bekommt. Und sie sollten lernen, wie das hier mit dem Einkaufen funktioniert. Sie erinnert sich auch, dass die Menschen, als sie hier ankamen, ihre Geschichte erzählen mussten und die Kleidung nehmen mussten, die gebracht wurde. "Durch den Laden konnten sie von sich aus kommen, sich etwas aussuchen und konnten dafür bezahlen. Sie mussten auch nichts erzählen. Das war ein Schritt hin zu ihrer verloren gegangenen Menschenwürde ", meint Susanne Löser. Sie fand es auch gut, dass die Frauen alleine in den Laden kommen durften - ohne Begleitung ihrer Männer.

Eine Ausnahme machte der Verein, wenn Diana Könitzer von der Flüchtlings- und Integrationsberatung des Landkreises Forchheim mit Schützlingen kam: "Man kann sich bei uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn Leute vor Bomben fliehen müssen, alles zerstört ist und sie wirklich nichts haben, nur das , was sie am Leib tragen." Könitzer machte die Erfahrung, dass es für diese Menschen, die sich in ihrer Heimat etwas erwirtschaftet hatten, schlimm war, in einem fremden Land auf Almosen angewiesen zu sein.

Doch nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Bürger war der Laden ein Treffpunkt. Die soziotherapeutische Einrichtung Laufer Mühle (Kreis Erlangen-Höchstadt) hatte überlegt, den Laden zu übernehmen, doch das klappte nicht. Nun wird der Laden endgültig geschlossen. Der Verein wird allerdings vorerst noch weiterbestehen.