Barbara Kraus (30), Pädagogin , ist Mutter eines eineinhalb Jahre alten Sohnes und derzeit Leiterin des Waldkindergartens Wiesenttal in Elternzeit . Sie wünscht sich für ihr Kind und für so viele Kinder wie nur möglich auch in der Gemeinde Gößweinstein die Errichtung eines Waldkindergartens.

Mit dem jetzigen pädagogischen Betreuungsangebot in der Region müsste man mindestens nach Streitberg oder Gräfenberg fahren, um sein Kind in einen Naturkindergarten zu bringen. Das sei zeitraubend, nicht umweltfreundlich, und die Wege zu potenziellen Freunden können weit sein. Auch für die ländliche Region Gößweinstein wäre es ein Konzept mit Hand und Fuß.

Bei jedem Wetter draußen

Die Kinder verbringen den Tag mit ihren Erzieherinnen bei jedem Wetter und bei jeder Jahreszeit an der frischen Luft. Die Kinder greifen nach allen Dingen und Reizen der Natur und begreifen sie. Ob eine Hütte oder ein Bauwagen den richtigen Rückzugsort bietet, kann flexibel entschieden werden. Es bleibt aber ein kleiner Raum zum Pausieren, bei starkem Regen, als Lagerplatz für Stifte, Scheren, Mal- und Bastelsachen und Bücher. Die Kinder finden also weniger gefüllte Spielregale vor, vielmehr werden Naturschätze gesammelt, Blumen und Bäume werden erforscht oder Materialien aus der Natur werden zum Basteln und Malen hergenommen.

Barbara Kraus betonte, dass weniger vorgegebene Spielformen die kindliche Kreativität förderten. Kinder beschäftigten sich wieder genau und länger mit den Dingen. Somit würden die Ausdauer und die Konzentration von ganz alleine geschult. Außerdem brauche es durch weniger Vorgaben eine intensive Kommunikation. „Logisch, wenn das Kind erst erklären muss, dass der Stecken von gestern heute die Leine eines Hundes sein kann“, sagte Kraus. Die Weitläufigkeit eines Wald- und Wiesenplatzes biete viel Bewegungsfreiheit und ermögliche das Laufen auf unebenem Untergrund. So könne sich die Grobmotorik der Kinder bestens entwickeln und darauf baue die Feinmotorik auf. Der tägliche Aufenthalt im Freien stärke das Immunsystem und die Umgebung von Wald und Wiese wirke sich positiv auf die geistige und seelische Gesundheit der Kinder aus.

Gelände bei Ühleinshof

Barbara Kraus ging darauf ein, dass es gerade in der heutigen schnelllebigen und medialen Zeit wichtig sei, den Kindern naturnahe und ganzheitliche Impulse zu geben. Sie erklärte, dass ein Grundstück ihrer Familie zwischen Ühleinshof und Gößweinstein zur Verfügung stehen könnte. Falls sich aber ein anderer Standort als besser erweise, wäre man auch hier flexibel. Außerdem habe sie schon Kontakt mit dem Jäger aufgenommen, der keine Gefahr für die Wildtiere sehe und das Konzept begrüße.

Auch die angrenzenden Waldkindergärten wären über eine Entzerrung dankbar. Wichtig ist Kraus ebenfalls der Austausch mit den drei bestehenden Kindergärten der Gemeinde. Es soll keine Konkurrenz eröffnet werden, es könne ein Miteinander sein. Eventuell können Feste wie ein Laternenumzug gemeinsam gefeiert werden.

Frage der Trägerschaft

Wer die Trägerschaft übernimmt, muss noch geklärt werden. Kraus schlug vor, sich einem bestehenden Kindergarten anzuschließen. Um weitere Schritte einleiten zu können, wäre es gut, den tatsächlichen Bedarf eines Waldkindergartens in der Gemeinde Gößweinstein zu erfragen. Dazu wurde bereits eine Umfrage erstellt, welche sich an Eltern und Erzieher richtet, denn auch passendes Personal muss noch gefunden werden. Bis jetzt hätten sieben Familien Interesse gezeigt.

„Als Lehrerin begrüße ich das Konzept sehr“, sagte Gemeinderätin Daniela Drummer (FW), die nachfragte , wie groß eine Gruppe maximal wäre. „Starten würde man mit zwölf bis 15 Kindern ab drei Jahren, wünschenswert wäre eine Gruppe mit 20 Kindern“, sagte Kraus. Auch für Kerstin Hölzel ( SPD ) wäre es ein Glücksfall, wenn man jemanden fände, der hinter dem Konzept stünde. Kraus selbst wird nach ihrer Elternzeit wieder in den Waldkindergarten nach Streitberg zurückkehren.

Länger als 15 Uhr geht nicht

Öffnungszeiten nur am Vormittag hielt Bernhard Vogel ( SPD ) für zu wenig, da der Trend zu Ganztagskindergärten gehe. „Wenn viele Familien zusagen, kann man auch nachmittags bis 15 Uhr öffnen. Länger geht tatsächlich nicht“, erklärte Kraus. Die Räte begrüßten das Konzept. „Jetzt ist die Bedarfserhebung das Wichtigste“, erklärte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW). Die Umfrage wolle er im nächsten Gemeindeblatt veröffentlichen.