Weilersbach  —  Der Hirschkäfer ist in der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. Deshalb wird seine Ausbreitung im Staatswald mit unterschiedlichen Maßnahmen gefördert. So wurde am vergangenen Donnerstag in Zusammenarbeit der Bayerischen Staatsforsten und Siemens Healthineers am Auerberg zwischen Weilersbach und Reuth ein sogenannter Hirschkäfermeiler errichtet. Dieser dient nicht nur dem Hirschkäfer selbst, sondern auch vielen weiteren Insektenarten, Amphibien und Reptilien als Biotop.

Dass der Hirschkäfer als „stark gefährdet“ gilt, liegt besonders an der forstwirtschaftlichen Nutzung der Wälder . Denn Hirschkäfer brauchen Alt- und Totholz , das viel zu häufig nicht im Wald belassen wurde. Stephan Keilholz von den Bayerischen Staatsforsten weiß um diese Problematik. „Besonders nach dem Krieg wurde das Holz aus reiner Not aus den Wäldern geholt. Da hätte es für Artenschutz kein großes Verständnis gegeben“, erläutert der Forstbetriebsleiter die Entwicklung. Inzwischen gebe es in der Gesellschaft aber glücklicherweise mehr Verständnis für die Thematik. Dadurch habe man nun die Möglichkeit, wieder mehr Biomasse für Vögel, Insekten und Pilze im Wald zurückzulassen.

Und dieses Vorgehen zeigt bereits erste Effekte. Denn in den letzten Jahren ließ sich – gerade zur Hauptflugzeit der Käfer im Juni – durchaus auch für Laien eine Zunahme an Hirschkäfern bemerken. Gerade in der Dämmerung lassen sich die Insekten mit ihrem markanten, tiefen Brummton oft in der Nähe von Eichen finden. Trotz Meldeseiten im Internet ist die aktuelle Zahl der Käfer jedoch nicht eindeutig ermittelbar. Das liegt daran, dass die ausgewachsenen, sichtbaren Insekten mit zwei bis drei Monaten nur einen Bruchteil ihrer Lebenszeit über der Erde verbringen. Zuvor leben sie als Larven weitgehend unbeobachtet in angemodertem Holz , vorzugsweise im Holz vom Laubbäumen.

Um neben dem stehen gelassenen Totholz einen weiteren Lebensraum für Hirschkäfer zu schaffen, haben sich die Bayerischen Staatsforsten nun mit Siemens Healthineers zusammengetan. Unter Anleitung von Sibylle Appoldt, einer staatlich zertifizierten Waldpädagogin, haben die Siemens-Mitarbeiter vergangenen Donnerstag am Auerberg zwischen Weilersbach und Reuth einen Hirschkäfermeiler errichtet. Die Stelle für den Meiler hatte der zuständige Revierleiter Peter Grumann nicht zufällig gewählt. Der neben einer Wiese gelegene Fleck sei besonders sonnig gelegen, was den in ihrer Entwicklung von der Wärmesumme abhängigen Hirschkäfern zugute komme. Deshalb wurden von Grumann vorbereitete Eichenteile genau hier händisch mit einem Spaten zunächst circa fünf bis zehn Zentimeter eingegraben, um dann weitere Eichenteile darüber leicht pyramidenförmig aufzurichten. Durch die ordentliche Schichtung könne das Holz laut Keilholz von unten feucht genug gehalten werden, um den Larven des Hirschkäfers besonders zu entsprechen. Auch andere Tiere , wie etwa der Nashornkäfer, Fledermäuse oder Eidechsen könnten aber vom Meiler profitieren.

Etwa zwei Stunden hatten die acht Mitarbeiter für ihr Team-Building-Projekt benötigt. Nach langer Zeit im Homeoffice gestaltete sich diese Aktion als willkommene Abwechslung für die Abteilung Arbeitssicherheit des Standorts Erlangen-Forchheim.

„Das war eine schöne Aktion heute, das Wetter hat uns in die Karten gespielt und ein bisschen bewegt haben wir uns auch“, resümierte Mitarbeiter Friedbert König.

Und auch Forstbetriebsleiter Keilholz zeigte sich zufrieden mit der Zusammenarbeit. „So ein Gemeinschaftsprojekt hat doch was“, lobte er die verrichtete Arbeit. In Zukunft könne man nun weitere solcher „Win-Win-Situationen“ planen, denn es gebe immer viel zu tun.